Wenn euch die "Streetworker"-Zeitung in der Fußgängerzone angeboten wird, kauft sie auf keinen Fall

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Hinter der Zeitung stecken Abzocker. | iStock
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  • Betrügerbanden nutzen die Hilfsbereitschaft vieler Menschen schamlos aus
  • Sie verkaufen Imitate von Obachlosen-Zeitungen
  • Das Geld sickert in dunkle Kanäle

In vielen Großstädten Deutschlands werden Straßenmagazine verkauft - meist von Obdachlosen oder anderweitig hilfsbedürftigen Menschen. Vom Verkauf haben beide etwas: Der Käufer, der ein Magazin ersteht und damit finanzielle Unterstützung liefert, und der Verkäufer, der eine vorher vereinbarte Differenz behalten darf.

Doch schon seit einiger Zeit nutzen Betrügerbanden, vornehmlich aus Osteuropa, die Hilfsbereitschaft vieler Menschen aus, um schnell an Geld zu kommen.

Hinter dem Heft namens "Streetworker“, das in vielen deutschen Großstädten verkauft wird, steckt ein Ring von Geldsammlern und Spendeneintreibern.

"Es ist wie eine Plage"

Die plumpen Imitate haben mit einer Zeitung meist wenig zu tun. Die Inhalte bestehen vornehmlich aus illegal kopierten Artikeln aus dem Internet, die bunt zusammengewürfelt ihren Weg auf das Papier finden.

Das eingenommene Geld von 1,50 bis 2 Euro pro Ausgabe sickert in dunkle Kanäle - meist im Ausland.

"Es ist wie eine Plage - wie ein Heuschreckenschwarm“, sagt Johannes Denninger, Vertriebsleiter der bekannten Münchner Straßenzeitung "BISS“ im Interview mit der Huffpost. Er kennt das Problem gut und vermutet, dass die Gruppen aus Rumänien oder Bulgarien kommen.

"Zum Glück ist das für uns hier in München kein Problem - wir sind hier sehr etabliert“, sagt Denninger. Mit rechtsstaatlichen Mitteln hätten sie eine dubiose Adresse in Darmstadt ausfindig machen können, wo die angebliche Redaktion des "Streetworker“ sitzt.

"Als wir da angerufen haben, wurde uns schnell klar, dass wir es hier mit einer illegalen Sache zu tun haben“, sagt Denninger.

In NRW ist die Zeitung bereits verboten

Weil es in Nordrhein-Westfalen ein Spendengesetz gibt, konnte der Verkauf von "Streetworker“ dort inzwischen verboten werden. Dem Problem ist damit dennoch kein Ende gesetzt.

Denn in den anderen Bundesländern können die Banden unbehelligt weiter machen. Hier ist sich der Rechtsstaat selbst im Weg. "Wenn sie unter dem Aspekt des Bettelns die Hefte verkaufen, dann sind sie rechtlich sogar relativ geschützt“, sagt Denninger.

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Aber nicht nur die Käufer fühlen sich betrogen. Denn die etablierten Obdachlosenzeitungen mussten sich teilweise über Jahre hinweg mühsam ihr Vertrauen bei den Bürgern erkämpfen.

Manche Käufer können jedoch oft nicht gleich unterscheiden, um welche Zeitung es sich handelt, die ihm der Obdachlose entgegenstreckt. Das teilweise rabiate und aufdringliche Verhalten vieler "Streetworker“-Verkäufer sorgt für Unmut, teilweise sogar auch Angst.

Es entsteht ein Image-Schaden - von dem sich die etablierten Zeitungen oft nur schwer wieder erholen können.

Wohin das Geld fließt, weißt niemand so genau

Wie viele Exemplare des "Streetworker“ inzwischen verkauft worden sind, ist nicht bekannt. Hinter dem Heft steckt jedoch ein Unternehmen im hessischen Darmstadt.

Für das Jahr 2015 weist die Bilanz im zentralen Unternehmensregister einen Fehlbetrag von gut 900.000 Euro aus, wie dieLokalzeitung "Heilbronner Stimme“ recherchieren konnte.

Auf eine Anfrage, wo das Geld denn stecke, gab es bisher keine Antwort.

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(bah, ame)

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