Flüchtlingskrise: Österreich droht Brenner zu schließen - Rom ruft Botschafter ein

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BRENNER
Österreich: Grenzkontrollen am Brenner möglich | Dominic Ebenbichler / Reuters
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  • Österreich droht mit Grenzkontrollen am Brenner
  • Der Plan kommt für Urlauber wohl zum schlechtesten Zeitpunkt
  • Zudem verschärft Österreich die Flüchtlingsproblematik in Italien

Zwar gehen die Flüchtlingszahlen nach Europa insgesamt zurück - nur in Italien nicht. Hier kommt die Großzahl der Flüchtlinge an. Allein in der vergangenen Woche wurden mehr als 10.000 Gerettete zu Häfen in Italien gebracht.

Am Donnerstag wollen die europäischen Innen- und Justizminister in Tallinn über die Migration und Möglichkeiten zur Entlastung Italiens sprechen.

Unterdessen könnte sich die Situation zwischen Italien und Österreich weiter anspannen. Denn Wien spricht nun über Grenzkontrollen am Brenner. Das italienische Außenministerium bestellte daraufhin den österreichischen Botschafter in Rom ein.

Man will wohl nicht warten, was passiert. Denn Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) rechnet sogar damit, die Kontrollen zeitnah zu beginnen. "Angesichts der Migrationsentwicklung in Italien müssen wir uns vorbereiten", sagte Doskozil der "Kronen Zeitung" am Dienstag. Ein Einsatz des Militärs an dem österreichisch-italienischen Alpenpass sei unabdingbar, wenn der Zustrom nicht geringer werde.

Wien stellt hunderte Soldaten für Grenzkontrollen zur Verfügung

Für den Einsatz am Brenner seien in Österreich insgesamt 750 Soldaten verfügbar. Im Falle einer Alarmierung soll die Truppe binnen drei Tagen voll einsatzfähig sein.

Erstes schweres Gerät habe das Verteidigungsministerium bereits nach Tirol verlegen lassen. Vier Panzer sollen für das Absperren von Straßen im Grenzgebiet vorgesehen sein.

Fakt ist: 85.183 Menschen erreichten in diesem Jahr die Häfen Italiens, nachdem sie auf hoher See gerettet wurden. Das teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag mit. Bis Anfang Juli 2016 waren es rund 71.300.

Das Mittelmeerland hat daher schon gedroht, ausländischen Schiffen mit aus dem Mittelmeer geborgenen Migranten nicht mehr das Anlaufen italienischer Häfen zu gestatten, wenn die EU dem Land nicht in der Flüchtlingsfrage hilft.

Wenn der Brenner geschlossen ist, hat das für Urlauber Folgen

Wer nun denkt, der Streit zwischen Österreich und Italien wäre weit weg, täuscht sich. Grenzkontrollen hätten gerade in der Reisezeit wohl auch auf viele Deutsche große Auswirkungen. Der Brenner ist die Hauptstrecke nach Italien und zurück - und es gibt kaum attraktive Alternativen.

Und die Reisezeit hat mit dem Start der Sommerferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland erst begonnen. Weitere Länder werden folgen. So befindet sich ab dem Wochenende ganz Österreich in den Sommerferien.

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