Nordkorea hat mit seinem Raketentest eine rote Linie überschritten - das sind die drei wichtigsten Konsequenzen

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NORTH KOREA
People watch a TV broadcasting still photographs released by North Korea's state-run television KRT of North Korea's Hwasong-14 missile, a new intercontinental ballistic missile, which they said was successfully tested, at a railway station in Seoul, South Korea, July 4, 2017. REUTERS/Kim Hong-Ji | Kim Hong-Ji / Reuters
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  • Nordkorea arbeitet offenbar an einer Interkontinentalrakete
  • US-Präsident Donald Trump deutete jetzt an, dass das Land dafür von den USA militärisch bestraft werde
  • Das würde diese drei Konsequenzen haben

Im vergangenen Januar, kurz nach seiner Wahl, hat US-Präsident Donald Trump eine Warnung getweetet, eine Warnung an die Welt, vor Kim Jong Un, dem Diktator von Nordkorea.

"Nordkorea hat gerade angekündigt, dass es kurz davor ist, eine Nuklearwaffe zu entwickeln, die Teile der USA erreichen könnte", twitterte Trump. "Das wird nicht passieren!"

Der hatte verkündet, dass sich sein Land in den "letzten Phasen" der Entwicklung von Interkontinentalraketen befinde.

Trumps Tweet, so schlossen einige Analysten, war ein Signal an Nordkorea, eine Art "rote Linie". Sollte das Kim-Regime Interkontinentalraketen entwickeln, dann würde es dafür militärisch "bestraft".

Es scheint, als habe Nordkorea diese rote Linie übertreten.

Am Dienstag erklärte das Land, es habe erfolgreich eine Interkontinentalrakete des Typen Mars 14 getestet. Nordkorea behauptet, die ballistische Rakete habe eine Höhe von 2802 Kilometern erreicht und sei 933 Kilometer weit geflogen. Stimmen diese Behauptungen, dann werden sie den Korea-Konflikt massiv verändern.

1. Mit Interkontinentalraketen könnte Nordkorea die USA angreifen

Nordkorea ist schon lange darauf aus, eine Rakete zu entwickeln, mit der es die USA direkt angreifen kann. Von Nordkorea bis nach Los Angeles sind es 9100 Kilometer, bis in die Hauptstadt Washington sind es 17.000. Experten glauben, sollte Nordkorea eine Interkontinentalrakete aus Nord-Pjöngjang abschießen, könnte diese das US-Festland in 20 Minuten erreichen.

Es ist genau das eingetreten, von dem Präsident Trump gesagt hatte, dass es nicht eintreten wird: Nordkorea ist eine direkte Bedrohung für die USA geworden.

Nur fünf Länder weltweit haben erfolgreich Interkontinentalraketen entwickeln können: Die USA, Russland, China, Indien und Israel. Nordkorea könnte nun das sechste Land werden. Der nächste Schritt für das Kim-Regime wäre nach Expertenmeinungen, einen kleinen nuklearen Sprengkopf zu entwickeln, den es auf eine solche Rakete satteln kann.

2. Die USA können sich keine Zurückhaltung mehr erlauben

Sollte Nordkorea sein Programm für Interkontinentalraketen wirklich erfolgreich abgeschlossen haben, dann wären die USA einer direkten Bedrohung ausgesetzt. Womöglich sogar einer nuklearen Gefahr.

Experten und Analysten, auch aus den Regierungen Südkoreas und der USA, sehen diese interkontinentale Bedrohung als einen dramatischen Wendepunkt in der Nordkorea-Krise. Südkoreas Außenminister Yoon Byeong-se sagte der Nachrichtenagentur Yonhap, die USA würden auf derartige Provokationen sensibel reagieren. Der Abschuss der Interkontinentalrakete sei ein "game changer".

Es ist wahrscheinlich, dass die US-Regierung nun stärkere Sanktionen gegen Nordkorea durchsetzen wird - auch unabhängig von denen der UN. Südkoreas Präsident Moon Jae-In sagte in Reaktion auf den neuerlichen Raketentest des Kim-Regimes: "Falls diese Provokationen aus Nordkorea anhalten, dann müssen wir weit stärkere Sanktionen beschließen." Darüber hinaus sei nicht abzusehen, wie die USA reagieren würden, sollte Pjöngjang sich einer friedfertigen nuklearen Abrüstung verweigern.

In den Vereinigten Staaten reift so ein neuer Konsens heran, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Sicherheitsbeamte: Ein Nordkorea mit Interkontinentalraketen würde einen präventiven Militärschlag rechtfertigen.

Sollte es zu diesem kommen, könnten die Folgen dramatisch sein. Und unvorhersehbar.

3. Die Nordkorea-Politik von Südkoreas Präsident Moon Jae-In steht auf dem Prüfstand

Südkoreas Präsident Moon Jae-In sagte nach Nordkoreas Verkündung des neuerlichen nordkoreanischen Raketentests: "Ich möchte vermeiden, dass Nordkorea eine Brücke überschreitet, über die es nicht zurückkehren kann." Sollte heißen: Wir beobachten die Situation mit äußerster Vorsicht.

In der Tat steckt Moon in einer schwierigen Lage. Er hatte stets betont, unter den "richtigen Vorraussetzungen" mit Nordkorea verhandeln zu wollen. Jetzt ist klar: Nordkorea hat keinerlei Interesse daran, in einen fairen Dialog zu treten. Somit ist Südkorea gezwungen, immer größeren Druck auf seinen Nachbarn im Norden auszuüben.

Moon hatte zudem betont, das Südkorea die Führungsrolle bei der Beilegung des Nordkorea-Konflikts einnehmen werde. In der jetzigen Situation wird jedoch klar: Diese wird von den USA eingenommen. Die Trump-Regierung bestimmt über die Härte der Sanktionen.

Und es ist denkbar, dass Nordkorea seinen erfolgreichen Raketentest als Argument dafür nehmen wird, Südkorea zu übergehen und direkt mit den USA zu verhandeln.

Zwar betont die südkoreanische Regierung, weiter Druck auf Nordkorea ausüben zu wollen. Doch Präsident Moons Verhandlungsstrategie der vorsichtigen Annäherung hat mit dem neuerlichen Raketentest einen heftigen Rückschlag erlitten - und das, bevor sie überhaupt richtig beginnen konnte.

Dieser Artikel erschien zunächst in der HuffPost Südkorea und wurde von Josh Groeneveld übersetzt.

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