"Für die Militanten sind das genau die Bilder, die sie suchen": Die Presse kritisiert die Räumung des G20-Camps

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HAMBURG
Die Polizei räumte am Sonntag in Hamburg ein Protest-Camp von G20-Gegnern. | dpa
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  • Am Sonntag räumte die Hamburger Polizei ein Zeltlager von G20-Gegnern
  • Deutsche Medien kritisieren den Einsatz
  • Denn statt präventiv mit Pfefferspray gegen Demonstranten vorzugehen, müsse man jetzt eine Eskalation der Gewalt verhindern

Hamburgs Polizei hat am Sonntagabend ein Zeltlager linker G20-Gegner geräumt. Es kam zu Tumulten, die Polizei setzte Pfefferspray ein. Erst im Nachhinein legitimiert ein Gericht die polizeiliche Räumung.

Deutsche Medien warnen jetzt vor einer Eskalation der Gewalt. Schlussendlich käme dies nämlich gerade gewaltbereiten Demonstranten zugute.

"Zeit Online" mahnt so mit Blick auf die Räumung der Polizei unter Pfeffersprayeinsatz: "Für die Militanten sind das genau die Bilder, die sie suchen." Denn der autonomen Szene liege es daran, dem eigenen Nachwuchs den Eindruck zu vermitteln, man stehe im Kampf gegen einen regelrechten Polizeistaat.

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So schreibt "Zeit Online" in dem Beitrag mit dem vielsagenden Titel "Futter für den militanten Nachwuchs": "Etwas Besseres kann den Agitatoren dieses Milieus kaum passieren als eine Polizei, die Gerichtsentscheidungen vorgreift, im Nachhinein Recht bekommt und sich im vermeintlichen Kampf gegen linke Militanz dann auch noch auf eine Grünflächenverordnung berufen muss."

Polizei muss aus der Geschichte lernen

Auch "Spiegel Online" kann dem Polizeieinsatz wenig Positives abringen. Dabei hätte es eigentlich eine Alternative zu dem Vorgehen der Hamburger Polizei gegeben, schreibt die Zeitung. Das zeige eine Demonstration im rheinland-pfälzischen Hasselbach, die schon mehr als 30 Jahre zurückliege. 180.000 Menschen protestierten damals gegen die Stationierung von Cruise Missiles.

Statt martialisches Auftreten habe sich die Polizei damals für einen Einsatz unter dem Motto "gewaltfrei in Hunsrück" entschieden, berichtet "Spiegel Online".

Es gab Gesprächsrunden, Vertrauen sollte aufgebaut statt Stärke demonstriert werden. Und: Die Demonstrationen verliefen weitgehend friedlich, die Polizeiknüppel und Pfeffersprays blieben weitgehend ungenutzt.

Beide Seiten müssen Deeskalation betreiben

Kurz vor dem Beginn des G20-Gipfels herrscht in Hamburg zwar noch nicht der Ausnahmezustand. "Aber es wirkt so, als ob er mit aller Macht herbeigeführt werden soll", schreibt das "Hamburger Abendblatt". Sowohl die Polizei als auch die Demonstranten könnten erheblich zur Deeskalation der angespannten Lage beitragen - wenn sie nur wollten.

Kritik übt die Zeitung dann aber insbesondere an der Polizei. Denn diese würde am liebsten gleich jeden Protest im Rahmen des G20-Gipfels verhindern, mit Pfefferspray und Einsatzhunden.

"Die demonstrativ harte Hand mag kurzfristige Erfolge bringen. Doch radikalisiert sie die Gegenseite nur weiter." Jetzt müsse die Polizei mehr "Gelassenheit und Souveränität" an den Tag legen.

Denn eine weitere Eskalation würde schlussendlich auch die Polizisten auf der Straße in Gefahr bringen, mahnt das "Hamburger Abendblatt".

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(jg)

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