"Abgehoben" und "arrogant": CDU-Mann Tauber entlarvt mit einem Satz über Minijobber ein großes Problem seiner Partei

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PETER TAUBER
Peter Tauber sorgt für Aufregung | Kai Pfaffenbach / Reuters
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  • CDU-Generalsekretär Tauber findet: Wer etwas "Ordentliches" gelernt hat, braucht keine drei Minijobs
  • Seine Aussage sorgt für heftige Kritik
  • Besonders die SPD will von Taubers Ausrutscher profitieren

Das kann man wohl einen Fehlstart in den Wahlkampf nennen. Am Montagmittag präsentierte die Union ihr Programm für die Bundestagswahl im September.

Darin kündigen die Konservativen unter anderem an, Millionen Arbeitslosen wieder Jobs verschaffen zu wollen. Vollbeschäftigung sei das Ziel, heißt es bei der Union.

Doch noch am selben Tag schoss CDU-Generalsekretär Peter Tauber bei Twitter gegen Minijobber – und löste so eine Welle der Empörung aus.

Tauber schrieb, auf die Frage, ob Arbeitslose in Zukunft dann "drei Minijobs“ annehmen müssten: "Wenn Sie was ordentliches (sic) gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“

Kritiker werfen Tauber Arroganz vor. Die Glaubwürdigkeit der Union, sich wirklich um die Belange der sozial Schwachen zu kümmern: Sie ist schon am Tag 1 nach Veröffentlichung des Regierungsprogramms schwer beschädigt.

"Das V steht für Volksnähe"

"Die Arroganz der Macht in Reinkultur“, schrieb der SPD-Abgeordnete Marco Bülow bei Twitter über Taubers Aussage.

Der Satiriker Shahak Shapira spottete: "Das V in CDU steht für Volksnähe“.

Auch von den Linken gab es erwartungsgemäß scharfe Kritik. Der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat twitterte: “Ist es Dummheit? Da weiß man eben, was man kriegt, wenn man CDU wählt: Menschenverachtung und Abgehobenheit.“ Die CDU habe sich selbst entlarvt, ist der Linke überzeugt.

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"Glückwunsch! Die CDU hat die Bedeutung von Bildung für ein selbstbestimmtes Leben verstanden! Man fragt sich nur, weshalb die Große Koalition nichts getan hat, um eine Bildungsoffensive zu starten", kommentierte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer Taubers Äußerungen gegenüber der HuffPost.

Bildung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, in die auch der Bund investieren müsse. "Einhergehen mit einer Bildungsoffensive muss aber auch eine Digitalisierungsstrategie, die für neue - und andere - Arbeitsplätze sorgt", sagte Beer.

"Hier liegen viele Chancen gerade für alleinerziehende Mütter, die viel zu oft auch trotz guter Ausbildung abgehängt werden."

Tauber macht alles noch schlimmer

Tauber versuchte später, seine Aussage zu erklären. Doch viel besser machte der Generalsekretär sie damit nicht.

"Fakt ist doch: Nur mit einer guten Ausbildung verdient man genug damit man nicht drei Mini-Jobs braucht, um über die Runden zu kommen!“, schrieb Tauber.

Menschen in prekären Beschäftigungssituationen macht das sicherlich wenig Hoffnung. Tauber erweckt mit seinem Kommentar nicht den Eindruck, an der Situation der Mini-Jobber etwas ändern zu wollen. Im Gegenteil: Der CDU-Generalsekretär schiebt den Menschen die Schuld an ihrer schwierigen Lage zu, statt Lösungen zu präsentieren.

Am Dienstagmorgen folgte dann doch noch Taubers Entschuldigung für seinen abgehobenen Kommentar: "Wer drei Minijobs hat, um über die Runden zu kommen, der hat es nicht leicht", gab der CDU-Politiker zu. "Ich wollte niemandem zu nahe treten, der in so einer Situation ist."

Tauber habe nur betonen wollen, wie wichtig eine gute Ausbildung ist, damit man eben nicht auf Minijobs angewiesen sei. Das habe er aber "blöd formuliert und damit manche verletzt".

Ein Fehler, von dem nun vor allem die SPD will profitieren will.

Häme über den CDU-Slogan

Die wurde lange für ihren – so die Kritiker – "inhaltsleeren“ Gerechtigkeitswahlkampf gescholten. Doch immerhin müssen sich die Sozialdemokraten bislang nicht vorwerfen lassen, die Bedürfnisse der sozial Schwachen nicht ernst zu nehmen.

Der SPD-Abgeordnete Lars Klingbeil spottete gegen Tauber: "Für ein Deutschland in dem Sie wenn Sie was ordentliches gelernt haben keine drei Minijobs brauchen. #fedidswswoghkdmb #cdu“

Klingbeil spielt damit auf den Unions-Hashtag "#fedidwgugl“ an, mit dem die Konservativen ihren Wahlslogan "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ abkürzen.

Auch der SPD-Fraktionsvize Thorsten Schäfer-Gümbel attackierte Tauber. Der habe "mal wieder seine Sozialkompetenz unter Beweis gestellt. Scheuklappen würden möglicherweise sein Sichtfeld erweitern.“

Der Generalsekretär der Sozialdemokraten brachte das gefühlte Problem der Union auf den Punkt.

Hubertus Heil schrieb: "Die pöbelnde Arroganz von Peter Tauber zeigt: der CDU fehlt der Respekt vor Geringverdienern. Wir wollen Vollbeschäftigung in guter Arbeit!"

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(jg)

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