Unions-Fraktionschef Kauder wird gefragt, ob er beim SPD-Programm abgeschrieben hat - seine Antwort spricht Bände

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VOLKER KAUDER
Unions-Fraktionschef Kauder wird gefragt, ob er beim SPD-Programm abgeschrieben hat - seine Antwort spricht Bände | Kai Pfaffenbach / Reuters
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  • Die Union hat als letzte große Partei ihr Wahlprogramm vorgestellt
  • Schon am Sonntag sollte das der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder im ZDF kommentieren
  • Und rechtfertigte sich auf merkwürdige Weise dafür, bei der SPD abgeschrieben zu haben

Die CDU hat an diesem Montag - endlich - ihr Wahlprogramm vorgestellt.

Schon am Sonntagabend hatte Unions-Fraktionschef Volker Kauder in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" einige Rahmenpunkte vorgestellt:

Steuerentlastungen, ein Fokus auf die Familienpolitik, 15.000 neue Polizistenstellen. Das erinnerte doch stark an das Programm einer anderen großen Partei in Deutschland. "Wir müssen über unsere Themen reden, dafür die Menschen auch gewinnen", sagte Kauder wenig überraschend. Auch Thomas Walde, Moderator von "Berlin direkt", fühlte sich an das Programm der Sozialdemokraten erinnert.

Also fragte er Kauder: "Stellen Sie Ihr Programm bewusst als letzte der großen Parteien vor, damit Sie all das bei der SPD abschreiben können?"

Und erhielt eine entlarvende Antwort.

Kauder: "Die SPD hat gewusst, wann wir unser Programm vorstellen"

"Die SPD hat ihre Termine festgelegt, wir unsere", erklärte Kauder. "Die SPD hat gewusst, wann wir unser Programm vorstellen. Wenn sie einen anderen Termin wählt, ist es ihre Sache." Was da durchklang, war folgende Botschaft: Wer nicht will, dass die Union bei einem abschreibt, darf halt nichts zum Abschreiben liefern.

Vielsagend - und nicht sehr souverän. Auf Waldes Nachfrage bemühte sich Kauder deshalb auch um eine bessere Antwort: "Ein Unterschied liegt schon darin, dass wir sagen, wir werden die Menschen steuerlich entlasten. Die SPD verteilt um."

"Warum sollen die, denen es gut geht, nicht mehr belastet werden?", fragte Walde nach. "Menschen die viel verdienen, zahlen viele Steuern", entgegnete Kauder.

Am Ende ging es dann noch um die Ehe für alle. Da hatte Kauder ganz sicher nicht bei der SPD abgeschrieben. Nichtmal bei Parteichefin Angela Merkel, die die Abstimmung über die Homosexuellen-Ehe zur "Gewissensfrage" erklärt hatte.

"Ich hätte das nie mitgemacht, mich da auf mein Gewissen berufen. Die Ehe besteht aus Mann und Frau - und alles andere lässt mein Gewissen nicht zu." Da hatte der Unions-Fraktionsvorsitzende seine konservative Souveränität wiedergewonnen.

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(mf)

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