US-Beobachter warnen davor, Trumps Angriffe auf Journalisten weiter zu dulden

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  • Der US-Präsident hat ein Video getwittert, in dem er einen Mann verprügelt
  • Der Mann hat statt eines Gesichts den Schriftzug "CNN" auf dem Kopf
  • Medien und NGOs befürchten, Trump rufe zu Gewalt gegen Journalisten auf

Am Sonntagmorgen postete Donald Trump ein Video auf Twitter, das zeigt, wie er einen Mann zu Boden reißt und auf ihn einschlägt. Das Gesicht des Mannes ist mit dem Logo des Senders CNN überzeichnet.

Der US-Präsident will damit klar machen, wie wenig er von CNN und anderen Medien hält. Viele Beobachter meinen nun: Der US-Präsident ruft zu Gewalt gegen kritische Journalisten auf.

Jetzt schlägt Donald Trump eine Welle der Kritik entgegen. Das Ziel von Trumps jüngster Attacke, der Nachrichtensender CNN, teilte in einem Statement mit: "Es ist ein trauriger Tag, wenn der Präsident der USA zu Gewalt gegen Reporter ermutigt."

Anstatt sich mit Wichtigerem abzugeben - CNN erwähnt etwa die Vorbereitung zu Trumps erstem Treffen mit Wladimir Putin, die Krise um Nordkorea sowie die Reform des Gesundheitswesens - zeige Trump ein "kindisches Verhalten."

Dann machte CNN in der Erklärung klar, dass man sich nicht einschüchtern lassen will: "Wir werden weiterhin unseren Job machen". Und, an Trump gerichtet: "Er sollte damit beginnen, seinen zu machen".

CNN reagiert auf Trump-Video

Brian Stelter, Reporter bei CNN, nahm den jüngsten Trump-Aussetzer zum Anlass, davon zu sprechen, wie der US-Präsident einen regelrechten "Krieg" gegen die Medien führe. Leider hätten viele auf Trumps CNN-Video mit den Worten reagiert: "Das ist doch nichts. Er macht sich nur einen Spass." Doch für den Journalisten Stelter ist klar: "Das ist furchterregend - und gefährlich."

Der CNN-Mann rief weitere Medien dazu auf, klar gegen Trump Stellung zu beziehen. Und zu sagen: Wir Journalisten machen einen wichtigen Job und werden uns nicht einschüchtern lassen.

Denn Trump sei gerade daran, sich kritische Medien vom Hals zu schaffen. Bekomme er von Journalisten schwierige Fragen gestellt oder kritisierten diese Trump, würde der jeweils versuchen, diese Medien in aller Öffentlichkeit zu verteufeln, sie als wenig glaubwürdig darzustellen.

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Brian Stelter warnte davor, Trump würde immer weiter versuchen, die Medien in ihrer Berichterstattung zu behindern. Und sich so in den unrühmlichen Club von Despoten wie Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan und Hugo Chavez befördern.

Zustände wie unter Erdogan und Putin

Klar, so Stelter, die Journalisten in den USA seien viel freier in ihrer Berichterstattung als Medienschaffende in Ländern wie Russland, der Türkei oder Venezuela. Aber: Das sei nicht selbstverständlich. Jetzt sei es wichtig, Trump für seinen Umgang mit den Medien klar in der Öffentlichkeit zu kritisieren.

Nancy Pelosi, Vorsitzende der Demokraten im US-Repräsentantenhaus, tat dies dann auch. Auf Twitter schrieb die Politikerin: "Gewalt und Gewaltbilder, mit denen die Presse schikaniert wird, müssen zurückgewiesen werden."

Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien, verwies auf Twitter darauf, dass der erste Verfassungszusatz, der das Recht auf freie Meinungsäußerungen gewährt, sowie die Pressefreiheit "entscheidend" für die Demokratie der USA seien. "Der jüngste Angriff aus dem Weißen Haus gefährdet unsere Werte."

Die Nichtregierungsorganisation Komitee zum Schutz von Journalisten warnte in einer Erklärung davor, Attacken auf Journalisten oder Medien einfach zu dulden. Denn so würden weitere Belästigungen oder gar physische Angriffe salonfähig.

Autokraten erhalten Unterstützung aus den USA

Das gefährde nicht nur die Arbeit der Journalisten in den USA, sondern bestärke auch Autokraten in aller Welt in ihrem Kurs.

Auch Dean Baquet, Chefredaktor der "New York Times" zeigte sich schockiert über Trumps neuen Angriff auf CNN. "Ich denke, es ist ungehörig, dass der Präsident Journalisten dafür angreift, dass sie ihre Arbeit machen", sagte Baquet in seiner Zeitung.

Trump liegt seit langem mit den Medien im Clinch und hat seine Angriffe in den vergangenen Tagen weiter verschärft. Insbesondere schoss er sich dabei auf zwei Moderatoren des Senders MSNBC und auf CNN ein. Er warf dem Sender "Müll-Journalismus" vor und twitterte dann am Sonntag das Video - die manipulierte Version einer zehn Jahre alten Aufzeichnung, die seinen Auftritt bei einer Wrestling-Show zeigt.

Medienhäuser, NGOs und führende Politiker der Demokraten: Sie alle stellten sich gegen Trump und verurteilten seinen jüngsten Angriff auf die freie Presse. Gewohnt ruhig blieb es hingegen in Trumps eigener Partei.

Republikaner bleiben still

Republikanische Spitzenpolitiker reagierten nicht auf Trumps CNN-Video. Weder Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses, noch Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat, rangen sich zu Kritik durch. Die amerikanische "HuffPost" kontaktierte beide Spitzenpolitiker und bat sie um einen Kommentar. Doch weder Ryan noch McConnell reagierten auf die Anfrage.

Viele befürchten, dass erneut geschehen wird, was schon in der Vergangenheit zu häufig der Fall war: Die Führung der republikanischen Partei unternimmt nichts gegen die Ausfälle ihres Präsidenten gegen Journalisten.

Und hofft darauf, dass die Amerikaner den Vorfall möglichst schnell wieder vergessen - oder gar gutheißen. Bis es dann irgendwann normal wird, dass der US-Präsident auf Twitter Gewalt gegen die Medien zeigt.

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(jg)

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