Rundfunkbeiträge: ProSieben-Chef attackiert ARD und ZDF - aus eigennützigen Gründen

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Rundfunkbeiträge: ProSieben-Chef attackiert ARD und ZDF - aus eigennützigen Gründen. | dpa
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  • Der Vorstand von ProSieben-Sat1 verlangt einen Anteil an den Gebühren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
  • Conrad Albert sagt: "Die öffentliche Finanzierung darf sich nicht länger an der Institution festmachen"
  • Er kritisiert, dass ARD und ZDF die Zielgruppe unter 30 Jahren nicht mehr erreichen würden

Beim Rundfunk-Beitrag, besser bekannt unter ihrem veralteten Namen GEZ-Gebühren, geht es um viel Geld - etwa acht Milliarden Euro. Und davon wollen jetzt auch die privaten Fernsehsender etwas abhaben.

Conrad Albert, Vorstand des Medienkonzerns ProSieben-Sat1, verlangte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") einen Anteil an den Gebühren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

"Die öffentliche Finanzierung darf sich nicht länger an der Institution festmachen"

Er sagte der "FAS": "In dem Maße, in dem wir die Grundversorgung vor allem in jungen Segmenten de facto mit übernehmen, finden wir es sachgerecht, dass diese Inhalte aus öffentlichen Mitteln finanziert oder mitfinanziert werden."

Albert forderte deshalb eine Änderung in der Verteilung der Gelder: "Die öffentliche Finanzierung darf sich nicht länger an der Institution festmachen, sondern am Inhalt." Jedes Medienhaus, das gesellschaftlich relevante Inhalte liefere, sollte über öffentliche Gelder gefördert werden, so der Vorstand.

ARD und ZDF würden die Zielgruppe unter 30 Jahren nicht mehr erreichen

Er warf den öffentlich-rechtlichen Sendern vor, mit ihrem Angebot die jüngeren Zuschauer nicht mehr zu erreichen: "Nur fünf Prozent der Zuschauer von ARD und ZDF sind unter 30 Jahre alt. In der Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren erreichen wir mit 'Pro7 News' deutlich mehr Zuschauer als 'Tagesschau' und 'Heute' zusammen."

Soll heißen: Den mit den Gebühren verbundenen Bildungsauftrag würden in diesem Fall die privaten Fernsehsender übernehmen und hätten damit auch einen Anspruch auf die Beiträge.

Eine Erhöhung des Rundfunkbeitrages schwebt Albert indes nicht vor, sondern vielmehr eine Umverteilung der Einnahmen, die im Jahr 2016 7,98 Milliarden Euro betrugen. Die GEZ-Gebühr beträgt aktuell 17,50 Euro - und das soll bis 2020 so bleiben.

Albert trifft mit seiner Forderung einen wunden Punkt - die Rundfunkbeiträge sind in der Bevölkerung schon lange umstritten. Kritiker fordern eine Abschaffung der Gebühr - großen Anklang wird die Idee des ProSieben-Sat1-Vorstandes deshalb nicht finden.

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(sk)

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