Verstärkter Polizeischutz: Dutzende schicken Morddrohung an die Gründerin der liberalen Moschee in Berlin

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ATES
Verstärkter Polizeischutz: Dutzende bedrohen die Gründerin der Berliner liberalen Moschee. | dpa
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  • Mitte Juni hat Seyran Ates die liberale Moschee in Berlin gegründet
  • Scheinbar für viele ein Affront: Binnen kurzer Zeit hat Ates fast 100 Morddrohungen erhalten
  • Die Polizei hat deswegen den Schutz für sie erhöht

Rund 100 Morddrohungen, einmal sogar auf der offenen Straße. Die Gründerin der liberalen Moschee in Berlin, Seyran Ates, musste in den vergangenen zwei Wochen viele Beschimpfungen ertragen. Nach den zahlreichen Drohungen wurde jetzt der Personenschutz für die Frauenrechtlerin rund um die Uhr verschärft.

Bereits 1984 entging Ates nur knapp einem Attentat

Ates sagte der "Welt am Sonntag": "Über die sozialen Medien habe ich wegen der Moscheegründung so viele Morddrohungen bekommen, dass das LKA zu der Einschätzung gelangt ist, mich rund um die Uhr schützen zu müssen."

Bereits 1984 entging sie nur knapp einem Attentat: Ates ging in einer Beratungsstelle für Frauen gerade mit einer Klientin Papiere vom Arbeitsamt durch, als ein rechtsextremer Türke die Frau erschoss und Ates lebensgefährlich verletzte. Nach einer ihrer Buchveröffentlichungen musste sie ihre Kanzlei wegen der Drohungen für zwei Jahre schließen.

Ates hat die liberale Moschee in Berlin-Moabit gegründet

Jüngst hatte die Anwältin, die sich für einen säkularen und liberalen Islam einsetzt, im Stadtteil Moabit die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegründet.

Mehr zum Thema: In Berlin gibt es eine liberale Moschee - warum das für Muslime wie Nicht-Muslime wichtig ist

Dort können Frauen und Männer, Sunniten, Schiiten und Aleviten gemeinsam beten. Das erste Freitagsgebet leiteten ein Mann und eine Frau gemeinsam. Die Imamin trug kein Kopftuch.

Die türkische Religionsbehörde Diyanet hatte kritisiert, mit diesem Vorgehen würden "die Grundsätze unserer erhabenen Religion missachtet". Es handele sich um Bemühungen, die Religion "zu untergraben und zu zerstören".

Die Behörde hatte allerdings auch "gläubige Brüder" dazu aufgerufen, sich nicht provozieren zu lassen. Fraglich bleibt, ob Diyanet tatsächlich Gehör gefunden hat.

(Mit Material der dpa)

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(lm)

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