Forscher glauben: SPD-Rentenpläne würden den Steuerzahler 650 Milliarden Euro kosten

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NAHLES
Andrea Nahles glaubt, sie rechne souverän | Hannibal Hanschke / Reuters
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  • Forscher glauben: Das SPD-Rentenkonzept wird für Steuerzahler richtig teuer
  • SPD-Ministerin Nahles verteidigt dagegen die Pläne

Wer konkrete Pläne offenlegt, schafft Angriffsfläche. Das musste Martin Schulz im Wahlkampf um das Kanzleramt unlängst erfahren.

Eine konkrete Forderung seiner Partei: Die SPD will das Rentenniveau in der Zukunft stabil halten – bei 48 Prozent.

Forscher haben nun errechnet, wie teuer das werden könnte. Das Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos rechnet vor: Allein bis 2040 würden die SPD-Pläne den Steuerzahler 650 Milliarden Euro kosten.

Jedes Jahr noch teurer

Der Bericht des Instituts liegt der Zeitung "Welt“ vor. "Die Kosten für die Stabilisierung des Rentenniveaus von 48 Prozent steigen nach 2030 exponentiell“, erklärte Oliver Ehrentraut, Rentenexperte bei Prognos.

Das Problem sei, dass mit jedem Jahr die Lücke größer würde, die mit zusätzlichen Beitrags- und Steuergeldern zu schließen wäre.

Ehrentraut erklärt, das Rentenniveau läge 2040 ohne eine Reform bei nur noch 41,9 Prozent. Sechs Prozent müssten nach dem SPD-Plan gutgemacht werden. Zudem steige die Zahl der Rentner in den kommenden Jahren stetig an.

Nahles: "Souverän durchgerechnet"

SPD-Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hatte sich in der Vergangenheit mehrmals zu Vorwürfen geäußert, die Pläne seien nicht finanzierbar.

"Unser Konzept ist seriös durchgerechnet", sagte Nahles bereits bei der Vorstellung der Rentenreformpläne.

Das Modell koste demnach im Jahr 2030 19,2 Milliarden Euro mehr. Das sei verglichen mit den dann anfallenden Gesamtausgaben von 277 Milliarden Euro eine vertretbare Größenordnung, sagte die Ministerin.

Bis zum Jahr 2028 würden dafür keine zusätzlichen Steuermittel gebraucht, sagte Nahles. Danach seien zusätzliche Mittel von knapp 14,5 Milliarden Euro nötig, weil dann die sogenannten Babyboomer in Rente gehen.

Die Union macht es sich derweil einfacher: Sie hat bekanntgegeben, keine Renten-Reformpläne in ihr Wahlprogramm aufzunehmen.

Kanzlerin Angela Merkel sagte zuletzt, die Rente sei bis 2030 "stabil aufgestellt“. Es gebe keine Notwendigkeit, das Rentensystem jetzt wieder zu verändern.

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(sk)

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