Nordkorea: Zwei Aussagen von Donald Trump und Südkoreas Präsident zeigen, wie unterschiedlich sie den Konflikt bewerten

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DONALD TRUMP
Nordkorea: Zwei Aussagen von Donald Trump und Südkoreas Präsident zeigen, wie unterschiedlich sie den Konflikt bewerten | Carlos Barria / Reuters
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  • Südkoreas Staatschef Moon Jae-In besuchte am Freitag Donald Trump in den USA
  • Bei der Pressekonferenz der Staatschefs ging es vor allem um die Bedrohung durch Nordkorea
  • Moon und Trump sprachen beide von einer "entschlossenen Antwort" an das Kim-Regime - meinten damit aber sehr unterschiedliche Dinge

Krieg verbindet. Auch, wenn er lange zurückliegt.

Vor 67 Jahren zogen Südkorea und die USA gegen Nordkorea und China in den Kampf. Südkorea wurde befreit, Nordkorea blieb bestehen - und auch fast sieben Jahrzehnte später schweißt diese Erfahrung Seoul und Washington zusammen.

"Unsere Partnerschaft wurde in den Feuern des Krieges geschmiedet", sagte US-Präsident Donald Trump am Freitag, beim Staatsbesuch von Südkoreas Präsident Moon Jae-In in Washington, pathetisch. Südkorea und die USA, das sei eine Allianz, die in einer sehr gefährlichen Gegend der Welt einen Pfeiler des Friedens bilde.

Sowohl Trump als auch Moon attackierten in der Folge Nordkorea. Beide Staatschefs forderten ein härteres Vorgehen gegen das Regime des Diktators Kim Jong-Un. Doch an zwei Aussagen während der gemeinsamen Pressekonferenz ließ sich erkennen, dass sich Trump und Moon darunter etwas ganz Unterschiedliches vorstellen.

"Entschlossene Antwort" auf Nordkoreas Drohungen

So sagten der US-Präsident und Südkoreas Regierungschef fast wortgleich, dass sie den Drohungen aus Nordkorea eine "entschlossene Antwort" entgegensetzen würden.

Das hieß bei beiden: Sanktionen durchzusetzen und Abschreckungsmaßnahmen durch eine stärke Präsenz der Sicherheitskräfte auf der koreanischen Halbinsel zu vollziehen.

Das gemeinsam ausgesprochene Ziel: Frieden, Stabilität, Wohlstand.

Fast schien es so, als hätte es gereicht, wenn nur einer der Staatschef seine Rede gehalten hätte - wären da nicht zwei Aussagen von Moon und Trump gewesen, die verdeutlichen, wie unterschiedlich sie über die Nordkorea-Krise denken.

"Abgelegte Zurückhaltung" oder "Dialog über Menschenrechte"

Bei Trump war der entscheidende Moment dieser: "Die Ära der strategischen Zurückhaltung gegenüber dem nordkoreanischen Regime ist gescheitert. Seit Jahren. Und ganz ehrlich: Diese Zurückhaltung ist nun vorbei."

Ein klares Signal an Nordkorea und die Welt, dass die USA unter Umständen bereit sind, eine militärische Lösung des Konflikts zu versuchen. "Unsere Ziele sind Frieden, Stabilität und Wohlstand in der Region", sagte Trump zwar, fügte aber mahnend hinzu: "Die USA werden sich immer zu verteidigen wissen. Immer."

Ganz anders Moon. Auch er warnte das Kim-Regime, es solle Südkorea und die USA nicht unterschätzen. Doch drohte er nicht mit Krieg, sondern forderte Pjöngjang dazu auf, "sofort zurück an den Verhandlungstisch zu kommen."

"Als ehemaliger Anwalt für Menschenrechte weiß ich sehr genau, wie wichtig diese als fundamentale Wertgrundlage für die Menschheit sind", sagte Moon. "Wir werden mit der Weltgemeinschaft zusammenarbeiten, um die Menschenrechte in Nordkorea zu fördern."

Sonnenscheinpolitik statt aggressivem Vorgehen

Moon steht damit beispielhaft für das Empfinden seiner Landsleute gegenüber ihrem unliebsamen Nachbarn im Norden.

Die Südkoreaner hätten keine Angst vor Kim Jong-Un und seinen Raketen, schrieb unlängst Dohoon Kim, Chefredakteur der südkoreanischen Huffington Post lakonisch. "Stattdessen denken wir uns: Bei unseren Nachbarn im Norden wird wohl mal wieder der Reis knapp und sie wollen, dass wir etwas spenden."

Und so hat Moon schon nach seiner Amtseinführung vor etwa einem Monat angekündigt, auf Nordkorea zugehen zu wollen, statt Kim mit aggressiven Drohgebärden zu provozieren.

Sonnenscheinpolitik nennen sie das in Südkorea: Dialog und Diplomatie, hart, aber konstruktiv, mit Blick auf die Menschenrechte. Mit dem Säbelrasseln der USA hat dieses Vorgehen nur wenig gemeinsam.

Denn die Südkoreaner wissen wie wohl kaum ein anderes Volk: Krieg verbindet - aber vor allem entzweit er auch.

Mehr zum Thema: Was gerade in Südkorea passiert zeigt, wie wenig der Westen den Korea-Konflikt tatsächlich versteht

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