Ehe für alle: Bei "Maybrit Illner" stellt ein 16-Jähriger alle Konservativen bloß

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  • Bei "Maybrit Ilner" hat ein 16-Jähriger davon erzählt, wie es ist, mit zwei Vätern aufzuwachsen
  • Er erlebte seine Kindheit als völlig normal
  • Und forderte in der Sendung: "Es ist nötig, dass sich was ändert"
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Wächst ein Kind genauso behütet auf, wenn es zwei Väter oder zwei Mütter hat wie das Kind eines heterosexuellen Paares? Für einige Konservative ist die Antwort Nein. Und deswegen sind sie gegen die Ehe für alle.

Bei "Maybrit Illner" kam nun jemand zu Wort, der aus eigener Erfahrung weiß: Auch mit zwei Vätern lebt es sich gut. Raphael Zinser kam als Pflegesohn zu zwei Männern. "Ganz normal" sei sein Leben gewesen, berichtete der heute 16-Jährige in der Sendung.

Fragende, neugierige, auch mal verärgerte Blicke habe es schon gegeben. "Aber das ist kein Problem im Alltag." Auch regelmäßigen Kontakt zu Frauen habe er gehabt, zur Tante, zur Schwester und in der Schule.

Moderatorin Illner fand: "Er macht nicht den Eindruck, als wenn er bleibende Schäden davon getragen hat."

Zinser muss etwas klarstellen

Das passte Hedwig von Beverfoerde gar nicht in den Kram. Die konservative Aktivistin engagiert sich gegen die Ehe für alle. "Jeder Mensch hat grundsätzlich Recht auf Vater und Mutter“, sagte sie.

Doch Zinser wollte das nicht gelten lassen. "Darum geht es nicht. Schwule Paare bekommen mit der Ehe für alle nicht das Recht, einfach ein Kind zu bekommen. Sie bekommen das Recht, ein Kind zu bekommen, wenn das Jugendamt sie für verantwortungsbewusste Eltern hält."

Immer wieder gelang es dem Schüler, die erfahrenen Talkshow-Gäste vorzuführen. So auch, als Michael Kretschmer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU, sein konservatives Familienbild verbreiten wollte. Vater und Mutter seien der Kern der Ehe, sagte der Politiker.

Kein Adoptionsrecht für die beiden Väter

Zinser griff Kretschmann gekonnt an: "Wenn ihnen der Begriff der Ehe so heilig ist, warum haben Sie in den letzten Jahren nicht die Initiative ergriffen, die Lebenspartnerschaft der Ehe gleichzustellen. Dann hätten Sie das Problem jetzt nicht."

Zinsers Väter durften ihn zwar als Pflegekind betreuen, eine Adoption war aber nicht möglich. "Jetzt verweigert man ihnen, mich zu adoptieren. Was ist daran gerecht?" Der 16-Jährige sprach aus, woran viele wohl dachten.

Und dann, nochmals Zinser: "Es ist nötig, dass sich was ändert."

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(ks)

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