Kleidung am Arbeitsplatz: Darf der Arbeitgeber vorschreiben, was die Angestellten anziehen?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MAN IN SHORTS
Kündigung wegen kurzer Hose (Symbolbild) | Vold77 via Getty Images
Drucken
  • Angemessene Kleidung am Arbeitsplatz und in Schulen ist ein Streitthema
  • Fälle, in denen Angestellte wegen ihrer Kleidung abgemahnt werden, häufen sich
  • Per Gesetz darf der Arbeitgeber die Kleidung am Arbeitsplatz reglementieren

Kurze Hose, Sommerkleid oder Minirock: Die Frage nach angemessener Kleidung am Arbeitsplatz oder an Schulen wird im Sommer oft zu einem Streitthema.

Schon in den vergangenen Wochen ist es so zu mehreren Fällen gekommen, in denen Arbeitgeber ihre Angestellten wegen ihrer Kleidung nach Hause schickten oder sogar entließen.

Auch an Schulen wird diskutiert, was als angemessene Kleidung gelten kann. An manchen Schulen wurden im Zuge dieser Diskussion sogar Schuluniformen eingeführt.

Die Problematik wirft die Frage auf, inwieweit Arbeitgeber die Kleidung eines Angestellten vorgeben dürfen.

Darf der Arbeitgeber die Kleidung am Arbeitsplatz vorschreiben?

Im Falle von Kleidungsvorschriften am Arbeitsplatz greift der Paragraph 106 der Gewerbeordnung. Das Gesetz besagt, dass es der Arbeitgeber die Ordnung und das Verhalten der Arbeitnehmer im Betrieb reglementieren darf.

Dazu gehört auch die Kleidung. Der Arbeitgeber kann also beispielsweise vorschreiben, dass das Tragen von langen Hosen ungeachtet der Temperaturen für alle verpflichtend ist.

Der Arbeitnehmer muss sich an diese Regelungen halten. Ansonsten kann der Vorgesetzte abmahnen und im Ernstfall sogar entlassen.

Der Fall Urbansky

Ein Beispiel:

Michael Urbansky, der als Metallbauer bei dem Sanitär- und Heizungstechnikhersteller Viega in Großheringen arbeitete, hatte auf der Arbeit eine über das Knie reichende Hose getragen.

Der Betrieb mahnte ihn daraufhin ab, berichtet die "Bild"-Zeitung. In der Abmahnung, die der Zeitung vorliegt, wurde dem Angestellten die Missachtung von Arbeitsvorschriften vorgeworfen.

Urbansky war demnach zu einem Kundentermin in kurzer Hose erschienen. In der Abmahnung heißt es, dass es klare Arbeitsanweisungen gebe, die das Tragen einer solchen Kleidung verbieten.

Die Gesetzeslage erlaubt es dem Arbeitgeber die Kleidung zu reglementieren. Sollte ein Unternehmen eine Kleiderordnung für den Arbeitsplatz oder bei Kundenterminen vorschreiben, muss sich der Angestellte daran halten.

Urbansky hat die Mahnungen seines Vorgesetzten jedoch nicht akzeptieren wollen und sich weiterhin der Regelung widersetzt. Der Arbeitgeber zog Konsequenzen und entließ Urbansky, der sich noch in der Probezeit befand.

Mehr zum Thema: Eine Firma schickt einen Mann wegen seiner kurzen Hose nach Hause - dann legt er noch einen drauf

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg


(jg)

Korrektur anregen