Republikaner rügen Trump für seine schrecklichen Tweets über eine Reporterin - aber nur ein bisschen

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PAUL RYAN
Auch Paul Ryan kritisierte Trump - zumindest etwas. | Aaron Bernstein / Reuters
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  • Einige Politiker der republikanischen Partei kritisieren Trump für seine jüngste Twitter-Tirade
  • Der Präsident hatte sich über eine weibliche Reporterin lustig gemacht
  • Doch die Kritik in Trumps Partei bleibt lau - und wird schnell wieder verpuffen

Erneut ist es geschehen: Diesen Donnerstag hat Trump einen sexistischen Spruch über eine Frau gemacht - und die gleichen wenigen Republikaner traten an die Öffentlichkeit, um dagegen zu protestieren.

Auf Twitter beschimpfte Trump die Moderatorin Mika Brzezinski, die für die Frühstückssendung "Morning Joe" arbeitet. Er nannte sie "verrückt" und machte sich über ihr Gesicht lustig - alles Beleidigungen, die er bereits zuvor gegen andere Frauen richtete.

Paul Ryan, republikanischer Politiker und Sprecher des Repräsentantenhauses, rang sich nur zu einem kraftlosen Tadel durch. "Ich denke, das ist kein angebrachter Kommentar", sagte Ryan im Rahmen einer Presserklärung.

Das macht Amerika nicht "great again"

Der republikanische Senator Lindsey Graham, der den US-Präsidenten regelmäßig kritisiert, ergriff die Möglichkeit, gegen Trump zu schreiben. Auf Twitter sagte er: "Herr Präsident, ihr Tweet ist unter der Würde ihres Amtes und zeigt, was in der amerikanischen Politik alles falsch läuft - und nicht, weshalb Amerika so großartig ist."

Senator Ben Sasse, ein erklärter Kritiker von Trump, bat den Präsidenten schlicht: "Bitte hören Sie einfach auf."

Die Senatorin Susan Collins aus dem Bundesstaat Maine, die als gemäßigte Republikanerin gilt, flehte Trump an, sich"mit Respekt und Höflichkeit" zu verhalten.

Die Tweets sind nicht in Ordnung

Lynn Jenkins, Abgeordnete im Repräsentantenhaus, sagte auf Twitter, die Tweets von Trump seien schlicht "not okay", "nicht in Ordnung".

Der gleiche Reigen setzt sich jeweils in Gang, wenn Trump wieder einmal auf Frauen losgeht. Während des Wahlkampfes, als er auf einer damals veröffentlichten Tonbandaufzeichnung damit prahlte, er könne Frauen "an die Muschi greifen" da er berühmt sei, protestierten zahlreiche Republikaner gegen das Vorgehen und die Worte Trumps.

Sprecher Ryan sagte damals, er hoffe, dass Trump "dem Land zeigen kann, dass er mehr Respekt für Frauen hat, als dieses Video zeigen mag".

US-Parlament macht sich mitschuldig

Trotzdem: Trump wurde gewählt. In keiner Weise hat er den Amerikanern gezeigt, dass er mehr Respekt für Frauen hat, als das Video vermuten läßt. Und trotzdem arbeitet der Kongress weiterhin mit ihm zusammen.

Selbst Trumps ältere Tochter Ivanka, die sich als Feministin bezeichnet, verteidigte ihren Vater und seinen Umgang mit Frauen.

Auf der anderen Seite, bei den Demokraten, wächst die Frustration darüber, dass Donald Trump nie Konsequenzen drohen für die Dinge, die er sagt. Er macht schlicht so viele unverschämte Bemerkungen, dass diese langsam normal werden.

Trumps Sexismus wird immer mehr normal

Adriene Watson, Sprecherin der Demokraten, sagte: "Trump zeigt ein Verhaltensmuster der entwürdigenden, sexistischen und diskriminierenden Bemerkungen zu Frauen." Und: "Nur weil das immer wieder geschieht, heißt es noch lange nicht, dass das in Ordnung ist."

Hätte sich ein früherer US-Präsident öffentlich über das "blutende" Gesicht einer weiblichen Reporterin lustig gemacht, dann wäre ein regelrechter Schock durch die Medien und die Politik gegangen. Doch leider werden Trumps jüngste Tweets die Nachrichten schon nächste Woche nicht mehr dominieren.

Die Republikaner werden zurück an ihre Arbeit gehen und Gesetze verabschieden. Und die sowieso lauen Reaktionen werden wieder versiegen.

Bis es dann wieder soweit ist: Trump geht auf die Frauen los.

Aus dem Englischen übersetzt von Carlo Portmann.

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