Rückständige Regel: Zwei Gruppen von Frauen dürfen nicht an Schönheitswettbewerben teilnehmen

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Rückständige Regel: Drei Gruppen von Frauen dürfen nicht an Schönheitswettbewerben teilnehmen | AFP
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  • Verheiratete Frauen und Mütter dürfen nicht an Schönheitswettbewerben teilnehmen
  • Die Erklärungen, die das Komitee Bewerberinnen gibt, sind diskriminierend und absurd

Zwei Gruppen von Frauen müssen jetzt ganz, ganz stark sein: Sie können vermutlich nie in ihrem Leben Schönheitskönigin werden.

Sie werden wahrscheinlich niemals im Bikini vor tausenden Menschen Schau laufen.

Sie können niemandem mit versteinertem Lächeln minutenlang zuwinken, ohne dabei grenzdebil zu wirken.

Und sie werden niemals den Titel "Schönheitskönigin" als besondere Auszeichnung in ihren Lebenslauf schreiben können.

Liebe verheiratete Frauen und Mütter: Euer großer Traum, einmal einen "Miss"-Titel zu erwerben, ist hiermit geplatzt. Denn was viele nicht wissen dürften: Frauen, die verheiratet sind oder bereits Kinder haben, ist es nicht gestattet, an den großen Miss-Wahlen teilnehmen.

Verheiratete Frauen dürften als Objekte weniger interessant sein

Oder zumindest müsst ihr warten, bis ihr 50 seid. Dann könntet ihr "Miss Germany 50 plus" werden. Die älteste Gewinnerin war 74. Einen Funken Hoffnung gibt es also noch. Ihr müsst euch eventuell nur ein paar Jährchen gedulden.

Nun könnte man denken, der Grund für die strengen Ausschlusskriterien liege auf der Hand: Frauen, die ein Kind zur Welt gebracht haben, können eventuell keinen ganz so perfekt (operierten) Körper wie eine Miss Germany mehr vorweisen.

Denn ein "Miss-Körper" soll schließlich makellos sein und möglichst wenig mit einem durchschnittlichen Frauenkörper zu tun haben.

Und, klar: Frauen, die verheiratet sind, dürften für die Zuschauer als Fleisch-Objekte weniger interessant sein. Schließlich sind sie dann in festen Händen - und die Zuschauer könnten nicht mehr in Fantasien schwelgen, dass sie es sind, denen ihr Lust-Objekt zuwinkt und Luftküsse zuwirft.

Aber falsch gedacht: Der Grund für die Regel hat angeblich rein gar nichts mit Oberflächlichkeit zu tun. Nein, die Veranstalter wollen die Teilnehmerinnen einfach nur schützen. Wie edel!

"Abtreiben oder eine Strafe zahlen müssen sie nicht"

Eine "Miss" mit Kindern habe Verpflichtungen, die für eine Mutter eine zu große Belastung wären, hören schwangere Bewerberinnen auf Nachfrage am Telefon. Denn eine Miss Germany müsse zu verschiedenen Terminen durch die ganze Welt reisen.

Erfährt eine Miss Germany erst nach der prunkvollen Krönung mit der Plastik-Krone, dass sie schwanger ist, muss sie ihren Adelstitel leider wieder abgeben, wird Bewerberinnen erklärt. "Abtreiben oder eine Strafe zahlen müssen Sie aber nicht", heißt es am Telefon. Großzügig.

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Der Geschäftsführer des Unternehmens MGC-Miss Germany Corporation, das die Miss-Germany-Wahlen durchführt, bestreitet indes, dass Schwangere diskriminiert werden - obwohl Bewerberinnen am Telefon anderes hören. "In unseren Statuten steht nichts davon, dass schwangere Frauen nicht teilnehmen dürfen", sagte Ralf Klemmer der HuffPost.

"Eine verheiratete Frau wäre dann ja keine Miss mehr"

Den Fall habe es schlicht noch nicht gegeben. "Miss Ostdeutschland" sei jedoch kurz nach ihrer Teilnahme an der Miss-Germany-Wahl schwanger geworden. Gewonnen habe sie zwar nicht, aber den Titel "Miss Ostdeutschland" hätte sie trotz ihrer anschließenden Schwangerschaft behalten dürfen. Wie gesagt: großzügig.

Die Regel, warum eine Miss Germany nicht verheiratet sein darf, habe einen ganz einfachen Grund, wie der Geschäftsführer erklärt. "Dann wäre sie ja keine Miss mehr - sondern eine Mrs."

Das ergibt natürlich Sinn.

"Machen wir uns nichts vor: Der Mann arbeitet"

Weniger allerdings, warum "Miss Germany 50 plus" auch dann, wenn sie verheiratet ist, "Miss" heißen darf. Auch der Mr. Germany darf übrigens nicht verheiratet sein. Obwohl das "Mr." schließlich auch bei einem verheirateten Mann bestehen bleibt. Das jedoch habe eine Gleichstellungsbeauftragte gewollt.

"Wir verstehen auch nicht, warum die männlichen Bewerber nicht verheiratet sein dürfen", wird einer Bewerberin am Telefon gesagt. "Denn machen wir uns nichts vor: Bei verheirateten Paaren ist es doch immer noch so, dass die Frau zuhause bei den Kindern bleibt und der Mann arbeiten geht und das Geld nach Hause bringt. Für die Kinder könnte dann ja die Frau sorgen."

Wer hätte es gedacht - gegen diesen Wettbewerb ist sogar Heidi Klums Castingsendung "Germany's Next Topmodel" ein feministisches Format. Denn da dürfen die Teilnehmerinnen tatsächlich verheiratet sein, schwanger werden und Kinder haben - wie es überall selbstverständlich sein sollte.

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(lk)