Rechtschreibrat führt neuen Buchstaben ein - die Wenigsten werden ihn wirklich brauchen

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Es gibt einen neuen Buchstaben in der deutschen Rechtschreibung: Das große "Scharfe S". | dpa
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  • Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat einen neuen Buchstaben eingeführt
  • Nun gibt es offiziell ein großes Eszett
  • Hier ein paar Antworten auf Fragen, die diese neue Regelung aufwirft

ß - bisher gab es diesen Buchstaben immer nur kleingeschrieben. Bis jetzt. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die offizielle Einführung eines großen Eszetts beschlossen.

Das wirft einige Fragen auf:

Wie war die bisherige Regelung?

Das Eszett, auch "scharfes S" genannt, war der einzige Buchstabe der deutschen Sprache, den es nur als Kleinbuchstaben gab.

Ein Grund dafür ist vermutlich, dass es kein deutsches Wort gibt, das mit "ß" beginnt. Paragraf 25 E3 des amtlichen Regelwerks sah bei der Schreibung eines Wortes in Großbuchstaben vor, dass "ß" durch ein Doppel-S ersetzt wird, zum Beispiel bei "STRASSE".

Warum wurde diese Regelung jetzt geändert?

Die Regelung führte zu mangelnder Eindeutigkeit. Vor allem bei Ausweisdokumenten, in denen Namen nur in Großbuchstaben gesetzt werden.

Die Behörden in Deutschland und Österreich sind daher dazu übergegangen, dass sie trotzdem den Kleinbuchstaben "ß" verwendeten, etwa beim Namen "GROßMANN". Bei der Schreibweise "GROSSMANN" blieb unklar, ob der Träger dieses Namens "Großmann" oder "Grossmann" heißt.

War das der einzige Grund für die Änderung?

Nein, die Sprachexperten beobachten auch einen generellen Trend zur Schreibweise in Versalien. Ausgehend von der Werbung, die damit mehr Aufmerksamkeit erzielen will, ist es auch in vielen Büchern inzwischen üblich, Kapitel-Überschriften in Versalien zu drucken.

Die Zulassung des großen Eszetts ermöglicht in solchen Fällen nun ein optisch einheitliches Schriftbild.

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Ist die Ersatz-Schreibweise mit Doppel-S oder kleinem "ß" jetzt verboten?

Nein, sie ist weiter zulässig. Die Behörden müssen nun entscheiden, wie sie künftig vorgehen wollen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung überlässt das dem freien Spiel der Kräfte, wie seine Geschäftsführerin Kerstin Güthert erklärte.

Welche technischen Voraussetzungen wurden für das große Eszett geschaffen?

Das große Eszett wurde im Jahr 2008 in den internationalen Schriftzeichen-Standards ISO und Unicode codiert. Gängige Computerschriften wie Times New Roman, Arial und Courier New stellten den Großbuchstaben zur Verfügung. Er hat in Unicode den Zeichencode 1E9E und kann mit der Tastenkombination 1E9E, Alt-C erzeugt werden.

Gibt es das große Eszett jetzt in allen deutschsprachigen Ländern?

Nein, in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein wird das "ß" ohnehin nicht verwendet, sondern durch "ss" ersetzt.

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(cho)

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