7 Unions-Politiker erklären, warum sie morgen für die Ehe für alle stimmen

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EHE FR ALLE
7 Unions-Politiker erklären, warum sie morgen für die Ehe für alle stimmen | Gettystock
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  • Die Union verliert mit der Ehe für alle die letzte Bastion der Konservativen
  • Mehrheitlich werden Politiker von CDU und CSU bei der Abstimmung vermutlich gegen den Beschluss stimmen
  • Hier erklären 7 Abgeordnete der Union, warum sie trotzdem für die Ehe für alle stimmen werden

Für die einen ist es das "Ende der Gesellschaft", wenn am morgigen Freitag der Bundestag aller Wahrscheinlichkeit nach die Ehe für alle beschließen wird.

Das schrieb der CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich auf Twitter - und sprach damit aus, was viele andere Konservative derzeit denken. In ihren Augen bricht endgültig das C im Parteinamen weg - und damit auch die Existenzberechtigung der konservativen Partei.

Für andere aber ist es "ein Durchbruch in einer langen Debatte, der vielen Kollegen, die für die Eheöffnung sind, eine Bürde von den Schultern nimmt". Das sagt etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak im Gespräch mit der HuffPost, der am Freitag im Gegensatz zu der Mehrheit seiner Parteikollegen für die Eheöffnung stimmen wird.

In der HuffPost erklären sieben Abgeordnete der Unions-Fraktion, warum sie morgen mit "Ja" stimmen werden:

achim melde

Stefan Kaufmann, CDU: "Der letzte Schritt zur Gleichstellung homosexueller Paare"

“Ich stimme für die Eheöffnung, weil sie der letzte Schritt zur Gleichstellung homosexueller Partner ist. Menschen, die Verantwortung füreinander übernehmen, sollen nicht weiter diskriminiert werden. Sie sollen Kinder adoptieren dürfen und nicht mehr nur mit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben müssen.

Ich kann verstehen, dass sich Parteifreunde damit schwertuen. Viele fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden und schätzen das Eheprivileg für Mann und Frau.

Gleichzeitig halte ich die Idee der Eheöffnung für eine im Grunde konservative Idee - sie führt dazu, dass den Begriff der Ehe nun auch Menschen für sich vereinnahmen, die ihn vorher als überkommen abgelehnt haben. Deswegen macht es der Beschluss für mich auch einfacher, in der CDU zu sein.”

stefan kaufmann

Bernd Fabritius, CSU: "Bin sehr froh"

"Ich bin sehr froh, dass auch dieses Thema nun durch eine Entscheidung des Bundestages abgeräumt wird. In der Gesellschaft ist es doch längst geklärt. Ich werde für die Öffnung der zivilen, staatlichen Ehe stimmen, weil mir Familie und die darin gelebten Werte, das füreinander Einstehen in Höhen und Tiefen, eine gemeinsame Lebensplanung aufgrund emotionaler Bindung, wichtig sind.

Insbesondere ist es keinerlei Angriff auf das Rechtsinstitut der staatlichen Ehe, wenn diese nun auch gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglicht wird. Deswegen werden doch künftig keine getrennt geschlechtlichen Ehen weniger geschlossen oder Kinder geboren.

Kein Hetero wird nun plötzlich einen anderen Mann heiraten, nur weil er es darf. Es besteht keinerlei Konkurrenzsituation. Ich bin froh, dass Verantwortung füreinander Übernehmen Hochkonjunktur hat.

Auch das Argument, nur eine getrennt-geschlechtliche Ehe würde Kinder hervorbringen, überzeugt nicht. Dieser Einwand greift ab einem bestimmten Lebensalter schon biologisch nicht mehr, trotzdem ist die bisherige staatliche Ehe nicht an ein Lebensalter gebunden.

Mit dieser Entscheidung passen wir jedenfalls die Rechtslage in Deutschland der gesellschaftlichen Realität an, und das ist immer gut.“

schwarzer

Christina Schwarzer, CDU: "Dafür habe ich innerhalb meiner Partei gekämpft"

"Ich bin für eine vollständige Öffnung der Ehe mit allen Rechten und Pflichten. Wenn zwei Menschen sich versprechen, ein Leben lang Verantwortung füreinander zu übernehmen, ist das eine tief von Werten geprägte Einstellung, die ich als Person, aber auch als Mitglied der CDU nur unterstützen kann.

Darum kämpfe ich innerhalb meiner Partei – beispielsweise im Rahmen der Mitgliederbefragung der CDU Berlin im Juni 2015 – seit Jahren für die Öffnung der Ehe, mache mich auf Veranstaltungen dafür stark, werbe in persönlichen Gesprächen und nehme selbstverständlich auch an Öffentlichkeitskampagnen der LSU (Lesben und Schwule in der Union) teil.

Bei einer Abstimmung zur Ehe für alle stimme ich entsprechend meiner persönlichen Haltung selbstverständlich dafür."

dagmar wöhrl

Dagmar Wöhrl, CSU: "Wir wollen uns nicht abkapseln"

"Seit bekannt wurde, dass es am Freitag zum Thema Ehe für alle zu einer namentlichen Abstimmung im Bundestag kommen wird, läuft mein E-Mail-Postfach über. Mit dem Antrag, die eingetragene Lebenspartnerschaft in Zukunft auch als staatliche Ehe zu betrachten, vollzieht das deutsche Parlament nichts weniger als eine Heranführung der Gesetzeslage an die Lebenswirklichkeit in unserem Land.

Laut Insa sind 74,7 Prozent der Bevölkerung für eine Homo-Ehe. Der Bundestag muss nicht jeder Umfrage mit Gesetzen nachlaufen, aber unsere Wählerinnen und Wähler sind im wahrsten Sinne des Wortes die Souveräne, und bei ihnen ist die Wirklichkeit schneller angekommen als manchmal bei uns im Bundestag.

Wollen wir uns davon abkapseln? Muss uns das Bundesverfassungsgericht immer erst wieder den Weg aufzeigen, wie Politik gestaltet werden sollte? Nein. Politik sollte agieren und nicht nur reagieren.

Und deshalb stimme ich am Freitag für den Gesetzentwurf zur Ehe für alle."

Den Beitrag lest ihr in voller Länge hier.

luczak

Jan-Marco Luczak, CDU: "Durchbruch in einer langen Debatte"

"Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu einer Gewissensentscheidung zu machen, ist gut und richtig. Das ist ein Durchbruch in einer langen Debatte, der vielen Kollegen, die für die Eheöffnung sind, eine Bürde von den Schultern nimmt.

Mit der Abstimmung können wir nun den letzten Schritt hin zur Gleichstellung gehen, denn: Gleiche Liebe verdient gleiche Rechte.

Die Ehe ist der wunderbare Liebesbeweis zweier Menschen, die sich versprechen, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander einzustehen. Das ist ein zutiefst konservativer und christlicher Wert. Wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen wollen, dann sollten wir das anerkennen, ganz unabhängig vom Geschlecht.“

zimmer

Matthias Zimmer, CDU: "Menschen, die füreinander einstehen, stärken die Gesellschaft"

"Die Ehe ist eine zivilgesellschaftliche Institution. Menschen, die füreinander einstehen, stärken die Gesellschaft. Sie organisieren geschützte Freiheitsräume, in denen sich ihre Personalität in Solidarität entfalten kann.

Das ist das Grundprinzip der Subsidiarität, dem wir als CDU verpflichtet sind. Ich mache eine solche Gemeinschaft weder von der sexuellen Orientierung noch der Fähigkeit, Kinder zu bekommen, abhängig; entscheidend für mich ist das gegenseitige Einstehen füreinander.

Daran habe ich ein Interesse, weil ich der Meinung bin, dass die Stärkung der Zivilgesellschaft auch gegen überbordende staatliche Ansprüche schützt."

hirte

Heribert Hirte, CDU: "Ich freue mich für die gleichgeschlechtlichen Paare"

"Zur Ehe für alle werde ich am Freitag 'Ja‘ sagen und freue mich für die gleichgeschlechtlichen Paare, die damit endgültig rechtlich gleichgestellt werden.

Schließlich habe ich mich seit Jahren gemeinsam mit der LSU für die Öffnung der Zivilehe - wie es eigentlich richtig heißen müsste - eingesetzt. Im Übrigen finde ich es richtig, dass in dieser Frage jeder Abgeordnete nach seinem freien Gewissen entscheiden soll.

Nicht richtig fände ich es allerdings, wenn nach der namentlichen Abstimmung am Freitag einzelne Abgeordnete an den Pranger gestellt werden, die gegen die Öffnung der Ehe für Homosexuelle gestimmt haben. Eine solche Entscheidung automatisch als homophob und diskriminierend zu beschimpfen, ist falsch.“

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(sk)

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