Flüchtlingsdebatte bei "Maischberger": CSU-Politiker verrennt sich völlig

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  • Bei "Maischberger" hat eine Betroffene eindrücklich erklärt, was hart das Leben im Duldungs-Status ist
  • Jeden Tag musste Nurjana Arslanova damit rechnen, abgeschoben zu werden
  • Heute kritisiert sie die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung
  • Im Video oben: Künast verurteilt Abschiebung von Kriminellen - dann bringt Maischberger sie völlig aus dem Konzept

Nurjana Arslanova weiß, was es heißt, geduldeter Flüchtling in Deutschland zu leben. Im Alter von zwölf Jahren kam sie mit ihrer Familie aus der Kaukasus-Republik Dagestan nach Deutschland. Jahrelang musste sie in Flüchtlingsheimen leben. Zwölf Jahre lang drohte Arslanova die Abschiebung.

Bei "Maischberger" erklärte die heute 27 Jährige, wie hart es ist, mit dem Duldungs-Status leben zu müssen: "Duldung ist für mich der schlimmste Status, den man in Deutschland erhalten kann".

Jahrelang habe sie in Angst leben müssen. Jeden Tag drohte ihr die Abschiebung. Sie und ihre Familie mussten ihr "Leben quasi im Flüchtlingslager verschwenden."

Erst 2014 konnte sie sich eine Aufenthaltsgenehmigung erstreiten.

"Duldung bedeutet für mich Arbeitsverbot und keine Integration in der Gesellschaft." Der Status sei ein klares Zeichen der Politik an die Flüchtlinge: "Ihr seid hier nicht willkommen. Geht zurück!"

Immer wieder musste sie erleben, wie ihre Zimmernachbarn im Flüchtlingslager den Abschiebungs-Bescheid erhielten. "Das war für mich als Kind eine ganz schlimme Situation". Sie konnte sich nicht richtig in der Schule konzentrieren, so groß war die Angst, wieder gehen zu müssen.

Zwölf Jahre Leben in Ungewissheit. Zwölf Jahre ohne die Sicherheit, auch am nächsten Tag noch in Deutschland leben zu dürfen.

Moderatorin Maischberger stellte nach Arslanovas Schilderung die richtige Frage an den CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer: "Herr Mayer, ist das nicht ein Armutszeugnis für einen Rechtsstaat, wenn wir so lange brauchen?"

Mayer verweist auf das Krisenjahr 2015

Mayer wollte darauf verweisen, dass im "Flüchtlingsjahr" 2015 viele Migranten nach Deutschland kamen, die Behörden überlastet waren. Maischberger fuhr ihm gleich dazwischen: "Das ist viel länger her hier".

Denn 2015 hatte Arslanova das traumatisierende Erlebnis endlich hinter sich gebracht, wusste, dass sie bleiben darf - vorerst, solange die Aufenthaltsgenehmigung verlängert wird.

CSU-Mann Mayer musste eingestehen: "Das ist zu lange. Das ist aus meiner Sicht unmenschlich." Die Fristen müssten deutlich kürzer werden, das sei klar.

"Doch es stimmt nicht, dass man als Flüchtling nicht arbeiten kann." Denn das Verfahren sei mittlerweile liberalisiert worden. Sogar abgelehnte Asylbewerber dürften nun teilweise eine Berufsausbildung machen.

Vom Flüchtlingskind zur Polit-Aktivistin

Trotzdem: Nurjana Arslanova hat selbst erlebt, was das jahrelange Leben mit Duldungs-Status für Betroffene bedeutet: Ungewissheit, Angst, fehlende Perspektiven. Sie hält die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung schlicht für "unmenschlich“.

Aus dem eingeschüchterten Mädchen mit ungewisser Zukunft ist eine Aktivistin geworden.

Sie engagiert sich als Sprecherin für "Jugendliche ohne Grenzen". Bei "Maischberger" erklärte sie ihre Vision so: "Eine Welt ohne nationale Zugehörigkeiten ist das Ziel!"

Alle Menschen sollen dort leben können, wo sie wollen, forderte Arslanova. Auch in Deutschland.

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(ben)