Gefahr für Jugendliche: Experten wollen verhindern, dass Netflix diesen Film zeigt

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TO THE BONE
Fatale Folgen für Jugendliche: Experten wollen verhindern, dass Netflix diesen Film zeigt | Screenshot/Trailer/Netflix
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  • Netflix zeigt in zwei Wochen eine neue Eigenproduktion: "To the Bone"
  • Ärzte warnen vor dem Film - aus nachvollziehbaren Gründen
  • Schon der Trailer ist verstörend

Erst vor Kurzem hat eine Netflix-Serie polarisiert. Die US-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" gilt unter Experten als suizidgefährdend. Darin begeht die Schülerin Hannah Baker Selbstmord und hinterlässt 13 Kassetten, auf denen sie die Gründe erklärt.

Netflix zeigt die Serie trotz großer Proteste und Warnungen von Gesundheitsorganisationen noch immer. Und offenbar hat der Anbieter nicht aus den Vorwürfen gelernt. In zwei Wochen, am 14. Juli, will Netflix eine weitere Eigenproduktion zeigen, die laut Experten ebenso gefährlich ist: "To the Bone". Er behandelt ein nicht weniger ernstes Thema als Selbstmord: Magersucht.

Mehr zum Thema: "Gefährliche Inhalte": Experten warnen vor beliebter Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht"

Die 20-jährige Protagonistin Ellen, gespielt von Lilly Collins, ist im Film schwer magersüchtig. Jeder Therapie-Versuch ist fehlgeschlagen. Ihre letzte Hoffnung: die eher unkonventionelle Therapie-Gruppe des Arztes William Beckham (Keanu Reeves). Der Film zeige Ellens "qualvollen, aber amüsanten Prozess der Selbstfindung“, schreibt Netflix.

Bilder abgemagerter Körper untermalt von fröhlicher Musik

Der Streaming-Dienst bezeichnet den Film als "Tragikomödie". Er sei mit viel "schwarzem Humor" produziert worden, den "Menschen, die an Essstörungen leiden, verstehen werden", sagte die Schauspielerin Collins im Interview mit dem amerikanischen Magazin "Vanity Fair". Sie sei selbst magersüchtig gewesen, könne sich also bestens in die Rolle hineinversetzen.

Unter schwarzem Humor verstehen die Macher übrigens zum Beispiel, dass Ellens Freundin ihre Magersucht mit Sprüchen wie diesem kommentiert: "Als hättest du Kalorien-Asperger" - und Ellens Mutter ihr besonders viel Essen zum Geburtstag schenkt.

Das ist bereits in dem Trailer zu sehen, der in der Tat etwas verstörend wirkt. Untermalt von fröhlicher Musik wechseln sich Bilder von dem tatsächlich abgemagerten Körper der Hauptdarstellerin mit zynischen Sprüchen ab. Man weiß nicht so recht, was man davon halten soll - aber lustig ist es nicht.

Selbst wenn Magersüchtige sich in der Serie wieder erkennen sollten: Die Macher und auch Netflix übersehen dabei, welchen Einfluss die Serie auf Menschen haben kann, die nicht magersüchtig sind. Gerade Jugendliche und junge Frauen sind erwiesenermaßen besonders anfällig für die Krankheit, die in vielen Fällen bis zum Tod führt.

Auch die Regisseurin soll selbst unter Essstörungen gelitten haben. Das kann natürlich von Vorteil sein, um sich in eine Rolle hineinzuversetzen - es ist jedoch fraglich, ob sie dadurch automatisch auch eine gesunde Sichtweise auf die Krankheit hat.

Ärzte warnen vor Verherrlichung der Krankheit

In dem Film werde Magersucht "verherrlicht und verniedlicht", kritisieren Ärzte in der britischen Tageszeitung "Guardian". Die Krankheit werde als "bereichernde Erfahrung" dargestellt.

Und genau darin besteht wahrscheinlich die größte Gefahr. Eine Serie oder ein Film wird für viele erst dann richtig gut, wenn sie sich mit einem der Darsteller identifizieren können. Für junge Mädchen könnte das die Hauptdarstellerin Ellen sein - die im Film offenbar eine ziemlich coole, lustige und schlagfertige Frau ist.

Es ist also nicht auszuschließen, dass sich junge Frauen selbst in dieser Rolle sehen könnten. Gerade in der Pubertät, wenn junge Menschen sich erwiesenermaßen nach Vorbildern sehnen, denen sie nacheifern können.

"Dieser Film könnte das Leben echter Menschen zerstören"

Ärzte verlangen, wenigstens eine Trigger-Warnung vor dem Film einzublenden. Eine Frau namens Helen Barnes hat inzwischen sogar eine Petition auf Change.org gestartet, die von Netflix fordert, "To the Bone" nicht zu zeigen. Die Verantwortlichen könnten "jahrelange Therapie zunichte machen“, warnt sie.

"Bitte seid verantwortungsvoll", schreibt Barnes. "Dieser Film könnte das Leben echter Menschen zerstören."

Ein 23-Jähriger aus Peru hat angeblich inspiriert von der Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" Selbstmord begangen und seinen Selbstmord ebenso auf Kassetten aufgezeichnet wie die Hauptdarstellerin.

Es bleibt nur zu hoffen, dass "To the Bone" keine ähnlichen Nachahmungseffekte auslösen wird.

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(lk)

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