"Die Verführten" im Kino: Sofia Coppola zeigt Liebeswirrungen im Krieg

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Der neue Film von Sofia Coppola: Soldat John McBurney (Colin Farrell) gerät in "Die Verführten” in die zweifelhafte Obhut eines Mädcheninternats. "Die Verführten” ist der Kinofilm der Woche. | FR Productions
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  • Der Kinofilm der Woche am 29. Juni
  • Filmfans sagen: "Die Verführten” sollte man nicht verpassen.
  • Ein vermeintliches Paradies wird für einen Soldaten zur leibhaftigen Hölle.

"Die Verführten” - das Kino-Highlight am Donnerstag, den 29. Juni: Während im 19. Jahrhundert der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten der USA im vollen Gange ist, nimmt Miss Martha (Nicole Kidman), Leiterin eines Mädcheninternats den verwundeten Nordstaaten-Soldaten John McBurney (Colin Farrell) auf.

Was zunächst wie ein Akt der Nächstenliebe wirkt, immerhin kämpft McBurney im für die gegnerische Seite, offenbart schon bald seine wahre Natur. Sowohl Miss Martha als die Lehrerin Edwina Dabney (Kirsten Dunst) und die Schülerinnen (unter anderem Elle Fanning) finden gefallen an dem attraktiven Soldaten und buhlen mit all ihren Reizen um seine Gunst.

Für McBurney scheint das Internat das Paradies auf Erden zu sein, doch schon bald wendet sich das Blatt: Die Zuneigung der Frauen schlägt in Missgunst und Eifersucht um.

"Die Verführten” wurde von Sofia Coppola inszeniert, der Tochter des legendären „Apocalypse Now”-Regisseur Francis Ford Coppola.

Jede Woche kommen neue Filme ins Kino - doch welche sollte man auf keinen Fall verpassen? isnotTV, Partner der HuffPost, stellt euch jede Woche den Kinofilm der Woche vor. Wir haben für euch den absoluten Hingucker, den ihr nicht versäumen solltet. Eure Meinung könnt ihr außerdem mit Fans weltweit austauschen.

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"Betrogen” - diesmal aus der Perspektive der Frauen

Der Stoff des Films ist ein Klassiker, denn schon 1971 befand sich Clint Eastwood in der glücklichen beziehungsweise unglücklichen Position, als Nordstaaten-Soldat in einem Südstaaten-Mädchen-Internat gestrandet zu sein. Auch damals ging es um den Charme des Soldaten, dem die Frauen reihenweise erliegen - und Regisseur Don Siegel ging sogar soweit, seinen Hauptdarsteller eine 12-Jährige auf den Mund küssen zu lassen.

Der damalige Titel "Betrogen"” zeigte eine männliche Perspektive auf das Geschehen, in dem ein Mann geschickt mit den Begierden der ihn umgebenden Frauen spielte, doch Sofia Coppola wollte dem Film laut eigenen Aussagen einen weiblichen Touch geben.

Wenn auch in "Die Verführten” die Handlung der Originalvorlage “A Painted Devil“ von Thomas Cullinan weitgehend beibehalten wurde, bemüht sich Coppola um eine weibliche Perspektive auf die Geschehnisse. Die Frauen im Internat erfahren Versuchung, Eifersucht - und kämpfen mit der Schwäche, die diese Gefühle in ihnen auslösen.

Coppolas neuer Ansatz sorgte schon bei den 70. Filmfestspielen in Cannes für Begeisterung und brachte ihr dort die Auszeichnung in der Kategorie "Beste Regie” ein.

Zwischen Lust und Emanzipation

Allein in einem Mädcheninternat gesund gepflegt und dabei noch von sämtlichen Pflegerinnen begehrt zu werden, klingt grundsätzlich nach einer angenehmen Situation für Colin Farrell alias John McBurney. Doch der Thriller lässt nicht lange auf sich warten.

Viele Kritiken betiteln "Die Verführten” schon als Geschlechterkampf, der parallel zum amerikanischen Bürgerkrieg in einer scheinbaren Oase fernab vom Schlachtfeld gefochten wird. Doch von einem emanzipatorischen Akt zu sprechen ist schwierig, wenn sich Miss Martha und sämtliche andere junge Frauen des Mädcheninternats zunächst möglichst weiblich, feminin herausputzen und mit ihren Reizen um die Gunst des Soldaten buhlen.

Ein solches Verhalten würde jede Feministin zur Weißglut treiben. Der Kampf entsteht tatsächlich durch McBurneys ungeschicktes Verhalten in dieser Situation. Denn durch das Spielen mit seinen Verehrerinnen verwandelt er sein vermeintliches Paradies in einen Albtraum: Statt gegeneinander bringt er die Frauen bald gemeinsam gegen sich auf.

Wie sehr die Frauen in Sofia Coppolas Thriller Verführte sind und wie sehr Täterinnen muss aber jeder Kinobesucher selbst entscheiden.

Fans hat der Film auf jeden Fall jetzt schon, das zeigt sich bei den Reaktionen auf Twitter:

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(mtr)

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