Die National Rifle Association ruft mit einem Werbeclip zum Kampf gegen Liberale auf

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Die National Rifle Association hat ihre Anhänger zum Aufstand gegen die Liberalen aufgerufen. | John Sommers II / Reuters
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  • Die amerikanische Waffenlobby hetzt mit einem Werbeclip gegen ihre Gegner
  • Liberale Amerikaner seien eine Gefahr für die Freiheit

Brennende Autos, eingeschlagene Fensterscheiben, Demonstranten, die wild gestikulierend Polizisten anschreien. Orchestermusik untermalt die beklemmenden Aufnahmen. Aus dem Off warnt eine Frauenstimme vor dem Ende der Freiheit - und ruft zum Widerstand auf.

Diese Szenen stammen nicht etwa aus einem Kino-Trailer zu einem Katastrophenfilm, oder einem Thriller. Es handelt sich bei dem beschriebenen Video um die neue Werbekampagne der National Rifle Association (NRA), des Waffenlobby-Verbundes der Vereinigten Staaten.

Doch der Werbeclip kritisiert nicht nur, dass es bei Demonstrationen gelegentlich zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Sachbeschädigung kommt. Vielmehr ruft er waffentreue Amerikaner zum Aufstand gegen alle Liberalen auf, die die NRA anscheinend als Drahtzieher der Ausschreitungen sieht.

“Sie schmeissen Fensterscheiben ein, stecken Autos in Brand, blockieren Autobahnen und Flughäfen und schüchtern dadurch gesetzestreue Bürger ein”, klagt NRA-Pressesprecherin Dana Loesch, die Stimme aus dem Off an, während eine amerikanische Flagge unbeugsam vor sich hin weht.

Freiheit ist immer die Freiheit der Gleichgesinnten

Und es sind eben diese Liberalen, die nach Auffassung der NRA den Untergang der Freiheit besiegeln könnten.

“Sie instrumentalisieren ihre Medien, um die Wahrheit zu vertuschen; sie bedienen sich ihrer Schulen, um Kindern beizubringen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten ein neuer Hitler sei; sie setzen Hollywood-Schauspieler und Sänger und Comedy-Sendungen und Preisverleihungen dazu ein, ihre Botschaft immer und immer wieder zu wiederholen”, fasst Loesch weiter zusammen.

Die von Loesch verteufelte Bevölkerungsgruppe lässt sich keiner politischen Partei eindeutig zuordnen. Als liberal gilt laut Wörterbuch, wer andere Meinungen zulässt und sich für die Rechte von anderen einsetzt.

Im Klartext bedeutet das: Die NRA deklariert all diejenigen, die sich für die Rechte von unterdrückten und marginalisierten Gesellschaftsgruppen stark machen, zum Feind des gesetzestreuen Waffenliebhabers.

Gewalttätige Auseinandersetzungen sind nicht die Regel

Es stimmt, bei Anti-Trump-Demonstrationen in den USA ist es schon zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten verschiedener Überzeugung gekommen. Am Tag der Amtseinführung kam es außerdem zu Krawallen und Vandalismus. In der Regel verlaufen die Proteste jedoch friedlich.

So wurde beim Frauenmarsch, bei dem am Tag nach Donald Trumps Amtseinführung allein in Washington 500.000 Menschen auf die Straße gingen, keine einzige Festnahme verzeichnet.

Frieden und Toleranz sind schlecht für’s Geschäft

Doch das Bild der NRA ist verzerrt. Die Waffenlobby fühlt sich von dem immer weiter um sich greifenden Liberalismus, der für Toleranz und ein friedliches, gleichgestelltes Miteinander plädiert bedroht.

Denn: Weniger Angst und Hass in der Gesellschaft bedeutet weniger Bedarf an Schusswaffen. Liberalismus ist ganz einfach schlecht für’s Geschäft.

Zudem kämpfen viele Liberale in den USA dafür, die Waffengesetze zu verschärfen.

Mehr zum Thema: Warum die USA ihre Waffengesetze nicht ändern werden

So richtet Dana Loesch, die Stimme der Wahrheit aus dem Off, zum Ende noch mal einen Appell an den den Zuschauer: “Es gibt nur eine Möglichkeit, wie wir diesem Irrsinn ein Ende bereiten können, wie wir unser Land und unsere Freiheit retten können. Wir müssen diese Gewalt der Lügen mit der geballten Faust der Wahrheit bekämpfen”.

Der Zeitpunkt für eine derartige Hetzkampagne könnte nicht heikler sein. Selten war die Stimmung in Amerika stärker aufgeladen als in den vergangenen Monaten, was nicht zuletzt an der populistischen Rhetorik des US-Präsidenten liegt.

Der einzige Trost: Solange die Faust geballt ist, kann der Finger nicht am Abzug sein.

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(lp)

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