Mit nur vier Wörtern sagt Helmut Schmidts Tochter, was viele Hamburger über den G20-Gipfel denken

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HAMBURG
In nur vier Wörter spricht Helmuts Schmidts Tochter aus, was viele Hamburger über den G20-Gipfel denken (Archivbild) | Getty
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  • Susanne Schmidt, Tochter des Altbundeskanzlers, hält die Größe des G20-Gipfels in Hamburg für "Unfug"
  • Das sei absolut kontraproduktiv, sagte sie in einem Interview

Die Hamburger Polizei rüstet sich zu ihrem größten Einsatz, 15.000 Polizisten werden beim G20-Gipfel am 7. und 8. Juli im Einsatz sein, dutzende Politiker mit isngesamt 6500 Begleitpersonen werden erwartet.

Dazu kommen tausende Journalisten, hunderttausende Demonstranten und auch vermutlich eine nicht geringe Anzahl von gewaltbereiten Aktivisten, wie der "Spiegel" berichtete

Um es kurz zu sagen: Hamburg erwartet den Ausnahmezustand.

Oder um es mit den Worten von Susanne Schmidt, Tochter des verstorbenen Altbundeskanzlers, zu sagen: "Was für ein Unfug!" Das sagte sie in der "Zeit" mit Blick auf die tausenden von Journalisten und Lobbyisten, die aus dem politischen Treffen ein Medienspektakel machen werden.

Vier Wörter braucht Schmidt also, um auszudrücken, was vermutlich viele Hamburger in diesem Sommer denken.

Schmidt: "Absolut kontraproduktiv"

Denn eine Mehrheit der Bewohner sieht den Gipfel kritisch.

Das ergab eine Umfrage des "Hamburger Abendblatts" unter mehr als 5800 Lesern. Zwar glaubten 65,8 Prozent, politische Treffen wie der G20-Gipfel seien wichtig. Zugleich sprachen sich aber auch 73,5 Prozent dagegen aus, dass ein solcher Gipfel in Hamburg stattfinden solle.

Auch Schmidt findet den Gipfel irrsinnig. Sie hält den ganzen Rummel für "absolut kontraproduktiv".

Früher hätten die Gipfeltreffen durchaus etwas bewirkt, sagt Schmidt gegenüber der "Zeit": "Das waren kleine, intime Treffen, man konnte offen miteinander reden, sich auf Diskretion verlassen, keiner twitterte unterm Tisch."

Dieses Jahr wäre es mit der neuen amerikanischen Regierung schon ein Erfolg, "wenn alle am selben Strang zögen und eine gemeinsame Grundhaltung beibehielten".

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Für die Sicherheitsvorkehrungen hat sie Verständnis

Für die massiven Sicherheitsvorkehrungen und das Demonstrationsverbot in der Hamburger Innenstadt hat die promovierte Ökonomin allerdings "absolut" Verständnis.

"Diese Art von Gipfeln ist doch in den letzten 15 Jahren zum Albtraum für alle geworden, die für die Sicherheit der Teilnehmer und der Bevölkerung zuständig sind", sagt Schmidt gegenüber der "Zeit".

Und fügt hinzu: "Ob das der Polizist auf der Straße ist oder der zuständige Innensenator, die machen doch alle drei Kreuze, wenn das vorbei und nichts passiert ist."

Am Mittwoch hat das Bundesverfassungsgericht ein generelles Verbot eines Protestcamps gekippt. Aktivisten könnten also als "Zeichen gegen den Kapitalismus" ein großes Zeltlager errichten.

Noch aber sind viele Fragen rund um den Gipfel offen. Gestritten wird noch um ein weiteres Protestcamp im Hamburger Volkspark im Westen der Stadt, das zwischen dem 1. und 9. Juli etwa 3000 Gipfelgegner aufnehmen soll. Auch in diesem Fall rechnen die Aktivisten damit, dass die Entscheidung am Ende in Karlsruhe fällt.

Mit Material der dpa

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(poc)

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