"Dynamic Pricing": Warum Preise in Online-Shops wie Amazon so unterschiedlich sind

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  • Die Umsätze im Online-Handel steigen
  • Aber die Methoden sind für den Verbraucher nicht immer durchsichtig
  • So shoppt ihr sicher im Internet

Jahr für Jahr steigen die Umsätze im Online-Handel. Immer mehr Verbraucher besorgen sich ihre Produkte bequem und einfach vom Sofa aus. Laut Prognosen des Handelsverbands Deutschland steigt der E-Commerce-Umsatz allein im Jahr 2017 um 11 Prozent auf knapp 49 Milliarden Euro. Insgesamt werden bereits jetzt rund 10 Prozent aller Einzelhandelsumsätze im Internet getätigt.

Undurchsichtige Methoden wie ”Dynamic Pricing”

Ist diese Entwicklung unaufhaltsam oder verspielen die Anbieter mit intransparenten Methoden wie das “Dynamic Pricing” gerade ihren Kredit bei den Kunden?

"Dynamic Pricing" bedeutet variable Preise, die von kühl agierenden Algorithmen in Millisekunden im Hintergrund gesteuert und angepasst werden. Dabei werden Faktoren wie die Preisgestaltung der Konkurrenten, Angebot und Nachfrage und andere externe Faktoren miteinbezogen.

Diese Methode wird sowohl von vielen Kaufinteressenten als auch von zahlreichen Experten generell abgelehnt. Intransparent, verwirrend und unfair sei in diesen Fällen die Preisfindung.

Lucia Reisch, Professorin an der Copenhagen Business School, stellte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ebenfalls fest, dass neben dem Vertrauen der Verbraucher dadurch auch die "Wertigkeit der Produkte angekratzt" würde.Transparentes Verhalten honorieren hingegen ganz offensichtlich auch die Kunden.

In einer "Handelsblatt"-Umfrage platzierte sich zum Beispiel der Online-Shop von Deichmann als bester Schuhanbieter auf Rang fünf aller Online-Händler, noch vor namhafter Konkurrenz wie zum Beispiel Zalando. Ganz ohne dynamische Preis-Strategien.

Deichmann spielt das Spiel nicht mit

In den Onlineshops des Schuhhändlers gäbe es keine variablen Preise. Man unterscheide zum Beispiel auch nicht zwischen mobilen und Desktop-Angeboten. Es gelte die Devise: "Ein Preis für alle Kanäle." Ausnahme sind die offiziellen Sale-Aktionen, die online und stationär teilweise zu unterschiedlichen Zeiten laufen. Im jeweiligen Kanal gelten sie aber immer für alle Kunden.

Dennoch setzen einige andere Händler immer noch darauf, die Preise an bestimmte Tageszeiten, Wochentage und Echtzeit-Nachfragen automatisiert zu koppeln. Teilweise sind die Preise auch vom Endgerät abhängig: ein Smartphone zeigt einen teureren Preis, als ein Desktop-PC. Gerüchten zufolge zahlen teilweise sogar Apple-Kunden mehr als User billigerer Android-Handys.

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Branchenprimus Amazon katapultierte sich im Übrigen in der Umfrage des "Handelsblatts" auf den ersten Rang der Befragung, die branchenübergreifend den "besten Händler" im Online-Bereich ermitteln wollte. Platz zwei ging an den Ticketanbieter Eventim, den letzten Platz auf dem Treppchen sicherte sich das digitale Angebot des Elektronikanbieters Mediamarkt.

Gibt es Anbieter und Produkte mit individualisierten Preisen?

Kosten identische Produkte beim gleichen Anbieter für den Einen wirklich mehr als für den Anderen? Michael Schleusener, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Niederrhein, hatte sich im Auftrag des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen auf die Suche im Netz gemacht.

Bei teuren Pauschalreisen ist man tatsächlich fündig geworden. Ein Beweis für unterschiedliche Preise, abhängig vom Surfverhalten des Interessenten? Sicher ist sich selbst der Forscher nicht. Die Schwankungen könnten auch von kurzfristigen Umstellungen auf den Seiten beeinflusst worden sein - und nicht durch das Surf- und Konsumverhalten der Testpersonen. Wie die "FAZ" weiter berichtet, hätten auch andere Studien aus Europa und den USA solche personalisierten Preise nur in Ansätzen identifizieren können.

Die Verbraucher verbitten sich solch Verhalten im Übrigen in überwältigender Mehrheit. Stattliche 91 Prozent einer Umfrage des nordrhein-westfälischen Verbraucherministeriums lehnen solche Individual-Preise vehement ab.

Wie erkenne ich Fake-Shops?

Galten noch vor wenigen Jahren im Internet gekaufte Artikel als günstiger, sind die heutigen Verkaufsargumente im E-Commerce meist vielschichtiger. Vor allem die Sicherheit ist dem Verbraucher natürlich wichtig.

Das immer wiederkehrende Aufpoppen von betrügerischen Stores im Internet, sogenannten Fake-Shops, ist für seriöse Anbieter wie Deichmann, Amazon und Co. natürlich alles andere als hilfreich.

Wer Bedenken hat, aber dennoch online shoppen gehen will, der kann sich an zwei Dinge klammern: Kennt man den Anbieter als seriösen Händler, kann man bedenkenlos kaufen. Hat man vom Firmennamen zuvor noch nie gehört, sollte man auf einschlägigen Warnseiten wie zum Beispiel www.onlinewarnungen.de überprüfen, ob man es hier mit einem Betrüger oder einfach mit einem neuen oder kleineren Anbieter zu tun hat.

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