Die Große Koalition streitet über die Ehe für alle - jetzt schaltet sich Merkel ein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MERKEL
Die Große Koalition streitet über die Ehe für alle - jetzt schaltet sich Merkel ein | getty
Drucken
  • Bundeskanzlerin Merkel hat die SPD dafür kritisiert, auf eine Abstimmung über die Ehe für alle am Freitag gedrängt zu haben
  • "Das ist traurig und völlig unnötig", sagte Merkel in einem Interview

Die Große Koalition streitet sich über die Ehe für alle. Teile der Union fühlen sich vom Koalitionspartner SPD überrumpelt. Nun kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Sozialdemokraten, weil diese auf eine kurzfristig geplante Bundestagsabstimmung über die Ehe für alle am Freitag gedrängt haben.

"Mir ist es fremd, wie eine solche Entscheidung genau in dem Moment, als sich die realistische Aussicht auf ein fraktionsübergreifendes Vorgehen ergab, in eine parteipolitische Auseinandersetzung gezogen wurde", sagte die CDU-Chefin der "Wirtschaftswoche". "Das ist traurig und es ist vor allem auch völlig unnötig."

Merkel betont Gewissensfrage

Das Interview Merkels dürfte auch als erneutes Signal in die eigenen Reihen gewertet werden, wo es in Teilen Verärgerung über ihren Kurswechsel und auch starken Ärger über das Vorgehen des Koalitionspartners gibt.

Die Kanzlerin unterstrich: "Jeder Abgeordnete soll seinem Gewissen folgen können und ich wünsche mir, dass wir das gerade auch in Zukunft in großem Respekt voreinander und vor den unterschiedlichen Sichtweisen tun. Ich jedenfalls werde alles dafür tun."

Man spreche "nicht über eine gesetzliche Fußnote, sondern über Artikel 6 unseres Grundgesetzes". Dort heißt es: "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung."

Es gehe um eine Entscheidung aus tiefster Überzeugung

Die Kanzlerin ergänzte, es gehe "um eine Entscheidung, die die tiefsten Überzeugungen von Menschen und die Ehe, einen Grundpfeiler unserer Gesellschaft berührt".

Sie selbst leite "seit vielen Jahren die Überzeugung, dass in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften die gleichen Werte wie in der Ehe von Mann und Frau gelebt werden: Liebe, Fürsorge und Verantwortung füreinander und für ihre Kinder".

Merkel war am Montagabend überraschend vom klaren Nein der CDU zur völligen Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe abgerückt. Die SPD will das Thema an diesem Freitag mit den Stimmen der Opposition von Linken und Grünen kurzfristig im Bundestag abstimmen lassen. Die Spitze der Unionsfraktion hat den Abgeordneten freigestellt, wie sie votieren.

Mehr zum Thema: BLOG: Die Ehe für alle kommt - und ich stellte Merkel die entscheidende Frage

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(poc)

Korrektur anregen