CDU-Politiker Michael Kretschmer argumentiert gegen die Ehe für alle - und redet sich um Kopf und Kragen

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KRETSCHMER
dpa
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  • Die Ehe für alle kommt - trotz großem Widerstand aus der Union
  • Deren Politiker melden sich nun lautstark zu Wort, was oftmals wie aus einer anderen Zeit klingt

Es ist die letzte konservative Bastion, die in dieser Woche höchstwahrscheinlich geschleift wird: Das Eheprivileg für Mann und Frau.

Die Ehe für alle könnte bereits am Freitag vom Bundestag beschlossen werden - trotz großem Widerstand von konservativen Politikern in der Union.

Die melden sich nun lautstark in Interviews zu Wort und versuchen zu erklären, warum die Ehe für alle eine schlechte Idee ist. Damit gehen sie am Lebensgefühl der allermeisten Deutschen vorbei: Mehr als 80 Prozent befürworten die gleichgeschlechtliche Ehe.

Deswegen klingt es oftmals wie aus einer anderen Zeit, wenn Konservative aus der Union das Eheprivileg verteidigen.

"Wir haben ein gleiches Recht für alle"

Wie heute Morgen in einem Deutschlandfunk-Interview mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer, der sich um Kopf und Kragen redete.

Zuerst bekräftige er, wie gut die Lage der Homosexuellen sei. Es brauche keine Veränderungen bei der Ehe - "Deutschland hat eine Form der Gleichbehandlung von homosexuellen und heterosexuellen Paaren, wie es besser nicht sein kann", sagte Kretschmer.

Besser nicht sein kann? Das muss wie Hohn in den Ohren jener klingen, die seit Jahrzehnten für die Ehe für alle kämpfen.

Auf die Nachfrage der Moderatorin, was er genau damit meine, antwortet Kretschmer: "Wir haben ein gleiches Recht für alle." Es gebe nur einen Unterschied bei der Adoption.

"Hier kann jeder nach seiner Fasson glücklich werden"

Darauf entgegnet die Moderatorin, dass es auch einen Unterschied in der Begrifflichkeit gebe: Eine Ehe können bislang nur Mann und Frau schließen. Aus gutem Grund, denn das sei in Deutschland gesellschaftliche Norm, meint Kretschmer.

"Hier kann jeder nach seiner Fasson glücklich werden", sagt er. Es sei "eine gute Lösung, die wir in Deutschland haben."

Nur zur Erinnerung: Mehr als 80 Prozent der Deutschen sind für die Ehe für alle. Selbst unter CDU-Mitgliedern hat sie eine Mehrheit.

Kretschmer ficht das nicht an. Auf die Frage der Moderatorin, warum eine Ehe nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden könne, argumentiert er mit der europäischen Tradition. Das sei nun mal in ganz Europa so, sagt er.

Was nicht stimmt, wie die Moderatorin Kretschmer schnell entgegenwirft. Nicht nur die Franzosen, auch die konservativen Iren hätten sich zum Beispiel schon dafür entschieden.

Statt für seine Sache zu werben, hat Kretschmer mit dem Interview im Deutschlandfunk vor allem eines erreicht: Er hat gezeigt, wie wenige gute Argumente die Gegner einer Ehe für alle haben.

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(ben)

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