Die "FAZ" argumentiert mit einem wirren Kommentar gegen die Ehe für alle

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In einem Kommentar macht die "FAZ" Stimmung gegen die Ehe für alle | Tobias Schwarz / Reuters
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  • In einem Kommentar macht die "FAZ" Stimmung gegen die Ehe für alle
  • Der Tenor: Wenn Homosexuelle heiraten dürften, könne man die Ehe gleich abschaffen
  • Die "FAZ" vergleicht die Ehe für alle außerdem mit der Vielehe und der Geschwisterehe

Die Ehe für alle kommt, und alle Medien begrüßen das.

Naja, fast alle.

Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” will die Zeichen der Zeit nicht erkennen - und hat einen einigermaßen wirren, rückwärtsgewandten Kommentar zur gleichgeschlechtlichen Ehe veröffentlicht.

Denn für die konservative Tageszeitung stellt die Ehe für alle keine Errungenschaft der Gleichberechtigung dar - sondern eine Attacke auf das traditionelle Familienleben. Und damit geht für die "FAZ" auch ein bisschen die Welt unter.

Die "FAZ" glaubt sogar: Würde man sich für eine Öffnung der Ehe entscheiden, könne “man diese Institution freilich gleich ganz abschaffen.”

Oder gleich die Vielehe und die Geschwisterehe legalisieren.

Schließlich, so könnte man den Kommentar verstehen, stellt die Homo-Ehe lediglich eine Verbindung zwischen zwei Menschen dar, “die auf Dauer füreinander einstehen”. Dann lieber die "Ehe für keinen", findet die "FAZ".

Die Ehe für alle stellt für die Tageszeitung einen Angriff auf unser Wertesystem dar. Und dagegen kämpft der Kommentator wacker an. Gegen die Homo-isierung des Abendlandes sozusagen.

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Natürlich schreibt die "FAZ" noch, die Ablehnung der Ehe für alle habe nichts mit Diskriminierung zu tun. Vielmehr gründe sich ihre ablehnende Haltung auf die Notwendigkeit einer “verfassungsrechtlichen Differenzierung”.

Denn: "Nur die Verbindung von Mann und Frau bringt Kinder hervor." Dieses Argument erinnert sehr stark an die Bibel.

Verfassung, Bibel, wer könnte da noch widersprechen?

Der Trend zeigt jedoch: Die Zahl der kinderlosen verheirateten Paare steigt.

Mit der Verfassung haben auch Politiker schon argumentiert. Zuletzt AfD-Chefin Frauke Petry: Die “Ehe ist eine grundgesetzlich geschützte Institution, an der wir aus sehr guten Gründen nicht rütteln wollen und werden.“

Was genau die guten Gründe sind, erwähnte Petry nicht.

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Gut, dass wir dafür die "FAZ" haben, die uns noch einmal erklärt: "Jedes Kind hat einen Vater und eine Mutter".

Aus biologischer Sicht ist das natürlich eine glatte Eins.

Mit der gesellschaftlichen Realität mit Patchwork-Familien und Alleinerziehenden hat das allerdings nicht mehr viel zu tun.

Und dann wird es richtig abenteuerlich: “Die Keimzelle der Gesellschaft ist nicht das Reagenzglas,” findet die "FAZ".

Das hat zwar keiner behauptet, aber ok.

Wenn wir aber nun schon einmal bei der Familie als Keimzelle sind, die ist auch nicht mehr so intakt, wie man bei der "FAZ" glaubt. Im Durchschnitt wird fast jede zweite Ehe in Deutschland geschieden.

Ob so ein Umfeld immer der Garant für Stabilität und Fürsorge ist, weiß nur die "FAZ". Es gibt auch viele glückliche Kinder in Patchwork-Familien und ja, auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren.

Klar macht der Kommentar daher vor allem eins: Die Keimzelle moderner familienpolitischer Analysen ist nicht die "FAZ".

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