Erdogan ließ sie verhaften: So erging es einer deutschen Journalistin und ihrem 2-jährigen Sohn

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MESALE TOLU
Meşale Tolu sitzt mit ihrem zweijährigen Sohn in der Türkei im Gefängnis. | dpa
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  • Die in Deutschland geborene Journalistin Meşale Tolu sitzt in der Türkei im Gefängnis
  • Ihr wird vorgeworfen, Mitglied einer Terrororganisation zu sein
  • Zuletzt arbeitete Tolu für ein regierungskritisches Medium

Sie hatte den Mut, für ihre Überzeugung einzustehen, nun sitzt die Deutsch-Türkin Meşale Tolu mit ihrem zweijährigen Sohn in der Türkei im Gefängnis.

Am 30. April 2017 wurde die Journalistin in ihrer Wohnung in Istanbul verhaftet. Der 33-Jährigen wird "Mitgliedschaft und Propaganda einer Terrororganisation" vorgeworfen. Diese Vorwürfe stützen sich laut der türkischen Regierung auf die Aussagen eines "anonymen Zeugen".

Wie die "Taz" berichtet, wurde Tolu in Ulm geboren und besitzt seit 2007 die deutsche Staatsbürgerschaft, die türkische hat sie abgegeben. Als Journalistin war sie unter anderem für die linke Nachrichtenagentur ETHA tätig, die von Präsident Erdogans Partei AKP schon seit längerem kritisch betrachtet wird.

Regierungskritik wird als Akt des Terrors begriffen

Zudem besuchte Tolu laut "Taz"-Bericht Veranstaltungen der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP). Zwar gilt diese Partei offiziell als legal, doch auch sie ist der türkischen Regierung ein Dorn im Auge: Bereits bei den Protesten im Istanbuler Gezi-Park im Sommer 2013 wurden zahlreiche Mitglieder verhaftet.

Seit dem Referendum zur Verfassungsänderung im Frühjahr 2017 gibt es eine neue Verhaftungswelle, denn die ESP zweifelt das Ergebnis der Abstimmung an. Deshalb wird sie von der AKP als Terrororganisation bezeichnet. Tolus Ehemann, der Mitglied der ESP ist und aktiv an der "Nein"-Kampagne zum Referendum beteiligt war, wurde ebenfalls inhaftiert.

Die Türkei gilt als eines der Länder in denen die Pressefreiheit am meisten bedroht ist. Auf der Rangliste der Organisation "Reporter ohne Grenzen" steht die Türkei aktuell auf Platz 155 - sogar hinter Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Für großes Aufsehen sorgte im Frühjahr 2017 auch der Fall des "Welt"-Journalisten Deniz Yücel, der wegen seiner Berichterstattung über Erdogans Politik ebenfalls in der Türkei inhaftiert ist.

Auch ihr zweijähriger Sohn wurde inhaftiert

Nach "Taz"-Informationen sitzt Meşale Tolu seit 6. Mai in der Frauenhaftanstalt im Westen von Istanbul. Derzeit soll sie mit 17 Frauen in einer Zelle leben.

Mit ihr inhaftiert ist außerdem ihr zweijähriger Sohn. Die beiden dürfen nur eine Stunde am Tag an die frische Luft. Weil Tolu die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, braucht ihre Familie außerdem für jeden Besuch eine neue Genehmigung vom Ministerium.

In einer Nachricht aus der Haftanstalt soll Meşale Tolu angekündigt haben, sobald sie aus dem Gefängnis entlassen würde, wolle sie da weitermachen, wo sie aufgehört hat.

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(ben)

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