Diese Kekspackung zeigt, wie scheinheilig der Bio-Boom in Supermärkten ist

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  • Eine harmlose Keksverpackung zeigt, wie scheinheilig der Bioboom im Supermarkt ist
  • Werden die Konsumenten nur verarscht?
Seit einiger Zeit versuche ich, nachhaltig zu leben. Ich fahre mit dem Rad oder gehe zu Fuß und kaufe aus Prinzip nur Bio - am liebsten verpackungsfrei, saisonal, regional, vegan und glutenfrei. Über halb lustige Kommentare aus meinem Bekanntenkreis, dass ich ja sowieso nur mehr Eiswürfel essen kann, lache ich, denke mir aber im Geheimen, dass ich es trotzdem besser mache als sie.
Finally settling down to my vegan, gluten free, soy free, antibiotics free, raw, non GMO, organic, fat free, 0 carb meal

Es fühlt sich gut an, nachhaltig zu sein

Doch meine ungebremste Euphorie der Nachhaltigkeit gegenüber wird manchmal auch enttäuscht. Erst vor wenigen Tagen wollte ich im Biomarkt "Denn's" vegane und glutenfreie Kekse kaufen. Vor dem Keksregal habe ich lange nach denen gesucht, die in umweltschonenden Kartons verpackt sind. Und ich habe sie gefunden.

Freudestrahlend lächelte mich der Keks auf der Packung der Firma "Sommer" an. Er sah aus, als würde er mich umarmen wollen. Ja, dich werde ich kaufen, dachte ich mir.

Den Supermarkt verließ ich mit einem guten Gewissen, die Kekspackung stolz in der Hand. Nachhaltigkeit ist ein gutes Gefühl. Denn die Kekse versprechen, "glutenfrei und glücklich" zu sein. Wie Kekse das versprechen können, weiß ich nicht, aber es suggeriert, dass alles bio ist, keine gefährlichen Spritzmittel verwendet wurden und die ganze Lieferkette gut und vor allem fair bezahlt wird. Glückliche Kekse von glücklichem Teig sozusagen. Und genau deswegen habe ich sie auch gekauft.

Das kann nur ein schlechter Scherz sein

Doch als ich die Packung aufmache, erwartet mich ein böses Erwachen: Jeder einzelne Keks ist in Plastik verpackt. Sechs Stück Cookies in sechs Plastikfolien in dieser Verpackung aus Karton. Der Inhalt dieser Kekspackung ist eine bodenlose Frechheit!

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Credit: Lisa Radda

Das macht mich alles andere als glücklich. Wenn man schon extra zum Biosupermarkt geht, beziehungsweise Bioprodukte kauft, kann man sich da schon auch etwas Kooperation im Bezug auf die Nachhaltigkeit erwarten. Und sechs kleine Plastikfolien für sechs kleine Kekse gehören eindeutig nicht dazu. Denn nachhaltig oder gar umweltfreundlich ist etwas anderes.

Supermärkte wollen uns Konsumenten doch verarschen

Generell ist mir diese Problematik schon in mehreren Supermärkten aufgefallen. Zwar wird die Auswahl an Bioprodukten immer größer und besser. Doch proportional dazu scheint auch die Plastikverpackung zu steigen.

Mehr zum Thema: Abfall kommt uns nicht ins Haus: Wie unsere Familie es schafft, ohne Müll zu leben

In Supermärkten hat man oft die Wahl zwischen losen Gewächshaustomaten aus Spanien oder aber in Plastik eingeschweißten Biotomaten aus der Region. Also quasi eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera.

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Credit: Eric Gaillard / Reuters

Denn entweder muss ich mich für das mit Pestiziden verseuchte Gemüse entscheiden, dass noch dazu einen extrem weiten Lieferweg hat, oder aber ich kaufe das teurere Gemüse, das frei von Giften ist, das die Supermärkte aber in Plastik einschweißen. Was bitte soll das? Manchmal habe ich das Gefühl, die Supermärkte wollen uns Konsumenten verarschen.

Denn Plastik ist aktuell eines der weitreichendsten Umweltprobleme im 21. Jahrhundert. Es braucht mehr als 500 Jahre bis es verrottet. Außerdem enthält es viele Schadstoffe, die sich lösen können. Entsorgt wird der Kunststoffmüll übrigens meistens in den Weltmeeren und so entstehen schwimmende Plastikmüllhalden.

Auch für den Menschen ist Plastik gefährlich: Fast jeder Mensch hat bereits Schadstoffe aus Plastikprodukten im Blut, die unser Hormonsystem gravierend durcheinander bringen.

So scheinheilig ist der Bio-Boom

Aktionen wie diese zeigen mir mal wieder, wie scheinheilig der Bio-Boom der Supermärkte wirklich ist. Nachhaltigkeit ist eine gute Sache und wir sollten uns alle daran beteiligen. Allerdings ohne, dass wir von einem Problem einfach zum nächsten gehen. Weg von Pestiziden hin zu Plastik kann nämlich nicht die Lösung sein.

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(ame)

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