Beunruhigende Studie: Jedes dritte Kind fühlt sich von den Eltern zu wenig beachtet

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Jedes dritte Kind fühlt sich von den Eltern zu wenig beachtet. | BrianAJackson via Getty Images
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  • Forscher aus Bielefeld sind in einer Studie zu einem besorgniserregenden Ergebnis gekommen
  • Fast jedes dritte Kind fühlt sich demnach von den Eltern zu wenig beachtet
  • Mütter kommen besser weg als Väter

"Sie wollen wissen, wo ich bin. Aber was ich mache, das interessiert sie nicht", sagt ein Grundschuldkind über seine Eltern. Solche und ähnliche traurige Dinge haben Kinder bei einer Befragung den Forschern der Universität Bielefeld erzählt.

In einer Studie haben die Bielefelder Wissenschaftler im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung 1000 Kinder in drei deutschen Großstädten im Alter zwischen sechs und 16 Jahren interviewt. Das Ergebnis: Fast jedes dritte Kind fühlt sich von seinen Eltern zu wenig beachtet.

30 Prozent aller befragten Kinder waren der Meinung, dass sich ihre Eltern nicht für sie interessieren

"Wir gucken Fernsehen, aber sonst machen wir eigentlich nichts zusammen", sagt ein weiteres Kind den Forschern. Insgesamt rund 30 Prozent aller befragten Kinder waren der Meinung, dass sich ihre Eltern nicht für sie interessieren - zehn Prozent von ihnen fühlten sich überhaupt nicht beachtet. Die Hälfte der unzufriedenen Kinder gab dann auch an, sich bei Problemen nicht an die Mutter oder den Vater zu wenden.

Die Wissenschaftler sehen in ihrer Studie ernstzunehmende Trends. "Rund zehn Prozent der Familien sind im sozialen Sinn gar keine", sagt Sozialpädagoge Holger Ziegler, der wissenschaftliche Leiter der Untersuchung. "Sie sind wie Zweckgemeinschaften, in denen zwei Generationen zusammenleben."

Für Ziegler ist das fatal: "Die materiellen Bedürfnisse werden oft erfüllt, die emotionalen aber eher nicht. Nicht vorhandene Achtsamkeit ist für die Entwicklung von Kindern so gravierend wie ein Leben in Armut", sagt er.

Ale zentrales Ergebnis der Untersuchung vermisst ein Fünftel der unzufriedenen Kinder Sicherheit und Geborgenheit im Elternhaus. Bei den Jugendlichen fühlt sich sogar fast die Hälfte - 46 Prozent - nicht geborgen. Als Folge sieht Ziegler bei ihnen Defizite beim Selbstbewusstsein und Vertrauen, aber auch weniger Einfühlungsvermögen und Lebenszufriedenheit.

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"Die Studie weist auf ein dringendes Problem hin"

Jugendforscher Klaus Hurrelmann, der an der Befragung nicht beteiligt war, findet den Ansatz der Studie interessant. "Sie weist auf ein dringliches Problem der möglichen Vernachlässigung von Kindern heute hin, das in der Öffentlichkeit sicherlich stark tabuisiert ist und deswegen wenig diskutiert wird", sagt er.

Repräsentativ für Deutschland ist die Studie durch die Beschränkung auf die Großstädte Berlin, Leipzig und Köln seiner Meinung nach jedoch nicht. "Es ist eine Momentaufnahme", schränkt er ein.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: So zeigt die Studie immerhin, dass die große Mehrheit der befragten Mädchen und Jungen mit der Beachtung durch ihre Eltern zufrieden ist. 69 Prozent der Kinder und 83 Prozent der Jugendlichen waren der Meinung, dass Mutter und Vater ihnen genügend Aufmerksamkeit schenken.

Den Bielefelder Forschern fiel dabei auf, dass dieses Wohlfühlen in der eigenen Familie weder vom Bildungsgrad der Eltern noch von ihrer sozialen Lage abhing. Auch ausländische Wurzeln spielten keine Rolle, sagt Ziegler. Und Kinder von Alleinerziehenden waren mit der Beachtung ihrer Wünsche, Sorgen und Nöte sogar noch zufriedener als Altersgenossen, die mit Mutter und Vater aufwachsen - 80 Prozent gegenüber 71 Prozent.

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"Die Mütter kommen unglaublich gut weg"

Mikrosoziologe Klaus Bertram, der vor kurzem für Unicef Statistiken über die Lebensbedingungen von Kindern in Deutschland ausgewertet hat, sieht ebenfalls eine hohe Zufriedenheit mit den Eltern.

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"Die Mütter kommen unglaublich gut weg, weil sie sich oft ohne Einschränkungen auf ihre Kinder fokussieren", erläutert er. "Bei den Vätern gibt es Abstriche, weil sie während der Zeit mit ihren Kindern oft noch ihr eigenes Ding machen, zum Beispiel mit dem Handy surfen oder telefonieren."

Für Ziegler ist die Liebes- und Fürsorgebeziehung in einer Familie durch keine andere Institution zu ersetzen. "Einen Ort von Geborgenheit, in denen ein junger Mensch auf diese Weise beachtet, wertgeschätzt und geliebt wird, können weder Schule noch Freundeskreis ersetzen", sagt er. "Die gute Nachricht ist, dass 70 Prozent der Familien in Deutschland das schaffen."

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(lk)

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