Die Macht der Terrormiliz IS schwindet - Experten warnen: Das kann für den Westen sehr gefährlich werden

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MOSUL
Wenn die IS-Hochburgen Mossul und Rakka zurückerobert sind, steigt die Terrorgefahr im Westen | Erik de Castro / Reuters
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  • Die Terrormiliz IS gerät in Syrien und im Irak zunehmend unter Druck
  • Der Niedergang des IS könnte zu vermehrten Terrorattacken in Europa führen: durch Heimkehrer und daheim radikalisierte Islamisten

Die Schlacht um die IS-Hauptstadt im Irak, Mossul, ist in den letzten, blutigen Zügen. Noch kontrollieren die Dschihadisten einen kleinen Teil der Innenstadt. Doch die Stadt steht kurz vor der Besetzung durch das irakische Militär, die USA unterstützen die Armee aus der Luft. Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi erwartet die vollständige Befreiung der Stadt binnen weniger Tage.

Auch im syrischen Rakka läuft die Rückeroberung der IS-Hochburg. Der sogenannte Islamische Staat steht in beiden Ländern militärisch mit dem Rücken zur Wand.

Das klingt nach einem großen Erfolg im Kampf gegen Terror. Tatsächlich aber kann die Gefahr für Anschläge im Westen deutlich steigen.

Terrorexperte warnt vor Rückkehrern

"Ich erwarte Angriffe in Europa - sowohl von Leuten die sich hier über Social Media radikalisiert haben als auch von Rückkehrern", sagt der Terrorexperte und Journalist Shams Ul-Haq im Gespräch mit der HuffPost.

"Diese Leute verfolgen die Strategie 'Was wir dort verloren haben, wollen wir jetzt hier aufbauen.' Viele Deutsche, Schweizer und Österreicher, die in Syrien und im Irak lange gekämpft haben, wollen hier Unruhe stiften", warnt Ul-Haq. Ihm zufolge wird der IS "alle Tricks" anwenden, um die Leute zu Attacken zu bewegen.

Dschihad in Europa fortführen

Die Befürchtung teilen weitere Kenner der Szene. Die Attacken könnten als Weg gesehen werden, den Dschihad in Europa fortzuführen, schreibt "The Independent". Die britische Zeitung beruft sich dabei auf Aussagen von abtrünnigen IS-Kämpfern.

Bereits im Oktober 2016 hatte EU-Sicherheitskommissar Julian King in der "Welt" gewarnt, die Rückeroberung von Mossul könne dazu führen, "dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen".

Er ergänzte: "Das ist eine sehr ernste Bedrohung, auf die wir vorbereitet sein müssen." King ging jedoch eher von einzelnen Kämpfern aus, die nach Europa gehen.

Auch Daniel Byman, Nahost-Experte von US-amerikanischen Georgetown University, betont in seiner Untersuchung: Ein beträchtlicher Teil der ausländischen Kämpfer werde niemals heimkehren können. Allerdings würden manche versuchen, verdeckt nach Europa zu kommen.

"Der IS wird als Marke weiterleben"

Aber nicht nur von diesen Heimkehrer könnte eine Gefahr ausgehen. Laut Willis Sparks vom Politikberatungsunternehmen Eurasia Group wird der IS - ähnlich wie zuvor Al-Kaida - seine Form ändern. "Der IS wird als Marke im Cyberspace und in den sozialen Medien weiterleben, mit der Fähigkeit, Menschen zu weiteren Attacken anzustiften."

Und: Bereits verhältnismäßig kleine islamistische Einzeltaten - wie zuletzt in Paris und Brüssel - würden dem IS neue Mitglieder bringen, erklärt Terrorexperte Ul-Haq. "Die Terrormiliz will Unruhe und den Menschen Angst einjagen, egal ob mit großen oder kleinen Aktionen." Das dass funktioniere, hätte der rechte Terroranschlag in London gezeigt, so Ul-Haq.

Sprengung der Großen Moschee als Anfang vom Ende des "Kalifats"

Einige Beobachter deuten die Sprengung der symbolträchtigen Großen Moschee in Mossul als Anfang des Endes des "Kalifats" und als Eingeständnis der Niederlage. Allerdings ist nicht vollständig geklärt, ob der IS tatsächlich das Gotteshaus selbst zerstört hat.

In jedem Fall hat die jahrhundertealte Moschee eine immense symbolische Bedeutung für den IS. Hier hatte sich IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi Anfang Juli 2014 bei einer Freitagspredigt erstmals öffentlich gezeigt und das "Kalifat" ausgerufen.

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(sk)

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