ARD und ZDF ändern die Regeln für ihr Online-Angebot: So könnt ihr mitbestimmen

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Zuschauer können sich noch bis zum 7. Juli bei der Reform des Telemedienauftrags einbringen. | dpa
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  • Der Telemedienauftrag regelt, was die öffentlich-rechtlichen Sender im Internet dürfen
  • Gebührenzahler können nun einen Reformvorschlag kommentieren - und vielleicht sogar verbessern
  • Warum ihr das tun solltet

Für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen deutsche Haushalte Gebühren. Neben der Ausstrahlung im Fernsehen bieten Das Erste, ZDF und die Regionalsender ihre Inhalte dafür immerhin kostenlos im Internet an.

Aber es gibt Grenzen. So war die BBC-Erfolgsserie "Sherlock" zum Beispiel nach der Ausstrahlung im Ersten eben nicht in der Mediathek des Senders zu finden. Eine böse Überraschung für den einen oder anderen Fan.

Aber das ist nicht die Schuld der Sender. Der Telemedienauftrag reguliert, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Internet darf oder eben nicht.

Der Begriff "Telemedien" fasst die Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender zusammen.

Der Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk umfasst in Deutschland die Programme von ARD, der Landesrundfunkanstalten (Dritte Programme), des ZDF (arte, 3sat) und des Deutschlandfunks.

Ein Reformentwurf könnte jetzt diese Vorgaben etwas lockern. Und jeder Gebührenzahler hat sogar Mitspracherecht.

Darum solltet ihr kommentieren

In den meisten Fällen äußern sich in solchen Befragungen die Rundfunkanstalten selbst oder Lobbyistenverbände, einfache Beitragszahlende jedoch eher selten.

Das ist verständlich. Einerseits wissen wohl nur die wenigsten, dass sie Mitspracherecht haben. Zum anderen sind die Informationen zu dem Reformentwurf sehr unübersichtlich.

Hier geht's zum Reformentwurf.

Bis 7. Juli gibt es die Möglichkeit, den Reform-Vorschlag per Mail zu kommentieren: stellungnahme.telemedienauftrag@stk.sachsen-anhalt.de.

Trotzdem: Je mehr Menschen sich an der Konsultation beteiligen, desto eher dürfte die langsame Modernisierung des Telemedienauftrags auch Wirklichkeit werden.

Denn die Veränderungen des Vorschlags gehen vielen vermutlich noch nicht weit genug.

ARD und ZDF haben keine Video-Archive

Der Telemedienauftrag regelt zum Beispiel die Depublizierungspflicht. Das ist der Zwang zur Löschung von Inhalten nach in der Regel sieben Tagen. Die Dauer variiert aber je nach Inhalt beträchtlich: von sieben Tagen für eigene Programme bis zu einem Jahr für Nachrichteninhalte.

Hier stellt sich vor allem die Frage: Warum werden gebührenfinanzierte Beiträge wieder gelöscht?

Auch nach der Reform bleibt die Depublikationspflicht bestehen. Es gibt also für die öffentlich-rechtlichen Sender derzeit keine Möglichkeit, ihre informierenden, bildenden oder unterhaltenden Inhalte längere Zeit zu archivieren. Auch nach diesem Entwurf soll sich das nicht grundlegend ändern.

Nur die Angebotszeit für Sendungen zu Großereignissen wie Fußballspielen soll von 24 Stunden auf sieben Tage verlängert werden.

In Zeiten von Streaming-Portalen wie Netflix und verändertem Nutzungsverhalten der Zuschauer erscheint die Depublikationspflicht einfach nicht mehr zeitgemäß.

Mein Vorschlag wäre: Nutzer können, solange die Depublikationspflicht noch nicht aufgehoben ist, bestimmte Beiträge kaufen und diese dann als Lerninhalte länger nutzen. So könnten die öffentlich-rechtlichen Sender ihrem Bildungsauftrag im Internet noch besser nachkommen.

Auch zwei andere Aspekte dieses Bereichs berührt der Reformentwurf nicht. Spielfilme und Serien, die wie "Sherlock" nicht im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender produziert wurden, dürfen auch weiterhin online nicht gezeigt werden. Zudem bleibt die lokale Berichterstattung im Internet weiterhin verboten.

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Fernsehen und Internet: Es soll mehr Unterschiede geben

Im bisherigen Telemedienauftrag steht auch die Pflicht, dass die Online-Inhalte sich auf eine konkrete Sendung beziehen müssen, der “Sendungsbezug”. Das soll dem Reformentwurf zufolge gelockert werden.

Öffentlich-rechtliche Sender können damit endlich auch unabhängig von TV-Sendungen innovative Internet-Angebote entwickeln, solange sie nicht “presseähnlich sind“. “Presseähnliche” Inhalte sind explizit von der neuen Regelung ausgenommen.

Dabei zeigt sich beispielsweise in Österreich, dass “presseähnliche” Online-Angebote von öffentlich-rechtlichen Sendern den privaten Angeboten nicht schaden und die Qualität und Vielfältigkeit der Berichtertstattung steigern.

Werbung bleibt jedoch weiterhin für ARD und ZDF im Internet tabu.

Immerhin dürfen die Sender ihre Inhalte jetzt miteinander verlinken, was derzeit noch verboten ist. Welcome to 2017, möchte man da ein wenig sarkastisch gratulieren.

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(cho)

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