100 Euro Warmmiete? Mitten in Berlin soll das bald möglich sein

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  • Der Architekt Van Bo Le-Mentzel plant in Berlin ein Dorf aus winzigen Häusern
  • Wohnen, leben, arbeiten - all das auf wenig mehr als sechs Quadratmetern
  • Die Zukunft des Wohnens oder eine Schreckensvision?
  • Im Video oben seht ihr ein Interview mit dem Macher

Für die einen forscht der Architekt Van Bo Le-Mentzel an der Zukunft des Wohnens und sucht die Antwort auf steigende Mieten, für die anderen ist es eine Schreckensvision: Inmitten von Berlin errichtet er ein Dorf voller sogenannter Tiny Houses, also winziger Häuser. Und winzig trifft es tatsächlich ganz gut.

Eine Wohnung ist nicht größer als ein Parkplatz: Küche, Wohn- und Schlafzimmer, Bad und Schreibtisch, all das befindet sich auf etwas mehr als sechs Quadratmetern und soll sich für 100 Euro warm anmieten lassen. Eine architektonische Meisterleistung, ohne Frage.

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Links das Büro von Le-Mentzel, rechts das Tiny House: Im Garten des Bauhaus-Archivs in Berlin entsteht ein "utopisches Dorf". Die Fläche füllt sich nach und nach, bald sollen dort 30 Häuser stehen

Aber lässt es sich auf so kleinem Raum tatsächlich leben? Dieser Frage will Le-Mentzel in den kommenden Jahren auf den Grund gehen. Wir treffen ihn auf dem Museumsgelände des Bauhaus-Archivs, wo der sogenannte Campus mit den winzigen Häusern gerade entsteht.

"Wir wollen ein utopisches Dorf errichten"

Le-Menzel plant auf dem Museumsgelände des Bauhaus-Archivs in Berlin ein “Experiment”, wie er im Gespräch mit der Huffington Post sagt. “Wir wollen hier ein utopisches Dorf errichten.” Rund 30 weitere Tiny Houses sollen in den kommenden Monaten auf dem Gelände stehen, derzeit sind es drei. Neben dem 100-Euro-Haus hat Le-Mentzel dort auch sein Büro.

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Le-Mentzels Büro auf dem Campus von innen

Mit einem klassischen Arbeitsplatz hat es nur wenig zu tun. Auf wenigen Quadratmetern gibt es dort einen Schreibtisch, einen Kühlschrank, W-Lan - der Architekt könnte dort sogar schlafen, weil es Platz für eine Matratze gibt.

Besonders stark sind die Mieten für Studenten gestiegen

Mit seinem Projekt hat er einen Nerv getroffen. Die Mieten sind in deutschen Städten in den vergangenen Jahren rasant angestiegen.

Besonders hart trifft das Studenten, deren Wohnkosten seit 2010 noch stärker in die Höhe geschnellt sind als der Mietdurchschnitt, wie eine Studie des Forschungsinstituts IW ergab. Eine Ende ist nicht abzusehen. Für 100 Euro Warmmiete wohnen zu können, scheint da besonders attraktiv. Nicht jedoch für jeden.

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Le-Mentzel musste sich schon viel Kritik anhören. Mit einem Container-Dorf wird sein Campus etwa verglichen - “der Unterschied ist ungefähr so groß wie zwischen McDonald’s und selber kochen”, sagt er. “Wir hinterfragen die Konsumhaltung” - indem Le-Mentzel die Art, wie wir wohnen und leben, komplett neu denkt.

“Mich erschüttert, wie wir mit Raum umgehen“

“Mich erschüttert, wie wir mit Raum umgehen”, sagt er. “Es ist doch eigentlich ein Skandal, dass wir uns daran gewöhnt haben, dass unsere Straßen reserviert sind für ruhenden Verkehr, also totes Blech”, führt er aus. “Ich stell mir vor, wie man Flächen verwenden kann, die nicht genutzt werden.”

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Leben auf zwei Etagen im Tiny House: Die Decken sind 3,4 Meter hoch. Unten wird gekocht, geduscht und entspannt, oben geschlafen und gearbeitet. Das Küchenregal wird dann zum Schreibtisch

Von diesen Flächen gibt es in Deutschland viele: Brachflächen, Parkhäuser, Grundstücke, die nicht genutzt werden. “Ich frage mich, wie die Welt aussehen würde, wenn wir diese leeren Flächen einfach nutzen würden”.

Deswegen soll es für den Architekten nicht nur beim Campus-Experiment bleiben. Er plant etwa ein Mehrfamilienhaus mit dutzenden 100-Euro-Wohnungen. “Co-Being-House” nennt er das, bislang existiert es nur als Bauzeichnung. Finden sich allerdings Investoren, könnte Le-Mentzel quasi sofort loslegen.

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(jg)