Viele Menschen übersehen, welch gravierende Folgen Billig-Fleisch auf ihre Gesundheit haben kann

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Was viele Menschen übersehen, wenn sie billiges Fleisch kaufen | Monkey Business Images
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Die allermeisten von uns Fleischessern haben es schon mal getan: Billig-Fleisch im Discounter gekauft.

Obwohl wir eigentlich wissen, dass irgendwas damit nicht stimmen kann. Denn dass 500 Gramm Hackfleisch nur 1,75 Euro kosten, also genau so viel wie die 300-Gramm-Packung Tomaten - das kann doch eigentlich nicht sein.

Aber was soll's. Wir sparen schließlich gerne. Außerdem ist da irgendein Gütesiegel auf dem Fleisch. Passt schon, denken wir uns.

Doch was wir mit diesem Verhalten auf Dauer anrichten, nicht nur mit der Umwelt, auch mit unserem eigenen Körper, daran denken wir nicht.

Fleisch billiger als Gemüse? Das ist absurd

Ein Kilo Fleisch ist mittlerweile sogar billiger als ein Kilo Erdbeeren. Der "frische irische Steak-Nacken" von Aldi kostet mit 1,49 Euro weniger als eine Wassermelone für 1,99 Euro.

Bei Real gibt es einen Rinderbraten für 5,55 Euro - während eine gute Hand voll Himbeeren schon fast drei Euro kostet. Wie kann das sein?

Massentierhaltung macht's möglich - inklusive billigem Industriefutter mit Antibiotika-Zugabe.

Das billige Industriefleisch, das dabei entsteht, kann für uns gefährlich werden.

Antibiotika-Missbrauch nachzuweisen, ist schwer

Es ist oft vollgepumpt mit Antibiotika. Neun von zehn Puten bekommen während der Aufzucht Antibiotika, ergab ein Bericht des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz schon vor zwei Jahren.

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Das Problem: Viele Bauern geben ihren Tieren nicht nur Antibiotika, wenn sie krank sind, sondern auch vorbeugend. Denn wenn nur ein Tier erkrankt, könnte es Hunderte anstecken - das wollen die Bauern nicht riskieren.

Manche sollen ihren Tieren auch nur deshalb Antibiotika geben, damit sie schneller wachsen, also auch schneller geschlachtet werden können. Obwohl diese Methode seit 2006 offiziell verboten ist, ist es zweifelhaft, ob sich alle Bauern daran halten. Denn nachzuweisen, warum die Tiere tatsächlich Antibiotika bekommen haben, ist schwer.

Der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung ist dabei noch weit gefährlicher als wir denken.

Wir riskieren, dass Antibiotika nicht mehr wirken

Denn: Multiresistente Keime können sich dadurch verbreiten. Sie machen besonders in Krankenhäusern Probleme und können für geschwächte Menschen, Kinder und Alte lebensgefährlich werden.

Mittlerweile wirkt eine Vielzahl unterschiedlicher Antibiotikagruppen bei gut 6,4 Millionen Deutsche nicht mehr, wie eine Studie des Tumorzentrums Aachen ergeben hat.

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Schuld ist der Kontakt mit Tieren in Tiermast oder der Fleischkonsum von behandelten Tieren. Wenn einer dieser 6,4 Millionen Menschen nun an einer starken Infektion erkrankt, werden herkömmliche Antibiotika nicht mehr wirken.

Der Fleischkonsum geht nicht zurück - im Gegenteil

2012 belegte eine groß angelegte Studie im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums, dass die resistenten Keime in 67 Prozent aller Ställe für Milch- und Mastvieh und in 88 Prozent der Schweineställe vorkommen - und sogar in allen Hähnchenmastanlagen.

Auch laut einer aktuelleren Studie des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Jahr 2015 waren 88 Prozent aller bei Discountern gekauften Putenfleischproben mit dem resistenten Bakterium MRSA (Methicillin-resistenter Staphylokokkus aureus) verseucht.

Und von all dem merken wir nichts, während wir oft täglich Fleisch essen. Dass unser Fleischkonsum zurückgeht, ist ein Mythos. Im vergangenen Jahr haben Schlachthöfe 8,25 Millionen Tonnen Fleisch produziert, wie die dpa berichtet. Das ist so viel wie noch nie zuvor.

Wir müssen endlich etwas tun

Wer denkt, er könnte daran ohnehin nichts ändern, täuscht sich. Denn der Markt reagiert bekanntlich auf die Nachfrage. Und die Nachfrage nach lächerlich billigem Fleisch ist groß.

Der Konsument treffe seine allermeisten Kaufentscheidungen nun mal "preisorientiert“, sagte der Bauernpräsident Joachim Rukwied der dpa. Den Bauern bleibe deshalb nichts anderes übrig, als ihr Fleisch billig anzubieten. Andernfalls riskieren sie, die Investitionen in ihre Höfe nicht wieder reinzuholen. Und dann könnten sie auch ihre Kredite nicht zurückzahlen.

Zum größten Teil ist es also die Schuld von uns Konsumenten, dass das Fleisch so billig ist - und deshalb auch zwangsweise billig produziert wird. Denn, machen wir uns nichts vor: Viele von uns sind nicht bereit, mehr Geld für Fleisch auszugeben.

Wir alle würden profitieren

Aber das sollten wir. Und zwar nicht nur aus Rücksicht auf die Tiere, sondern auch aus Rücksicht auf unsere eigene Gesundheit.

Wenn mehr von uns mehr Geld für fair produziertes Fleisch ausgeben würden - nur dann wäre es realistisch, dass endlich auch die Produzenten umdenken werden.

Am Ende würden wir alle davon profitieren. Nicht nur die Bauern, die Umwelt und die Tiere. Auch wir würden endlich damit aufhören, unsere Gesundheit unnötig zu gefährden.

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(lk)