Mitglieder der Sektensiedung "Colonia Dignidad" missbrauchten Kinder - erst jetzt will die Bundesregierung endlich handeln

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FOLTERKOLONIE
Ein Archivfoto aus den 1980er Jahren zeigt den Eingangsbereich der "Colonia Dignidad". | dpa
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  • SPD, Grüne und Union fordern von der Bundesregierung, die Geschehnisse um die "Colonia Dignidad" aufzuarbeiten
  • Deutschland müsse dazu mit Chile zusammenarbeiten
  • In der Siedlung "Colonia Dignidad" kam es zu sexuellem Missbrauch von Kindern

Sexueller Missbrauch, Folter, Mord: In der "Colonia Dignidad“, einer Sekte von Auslandsdeutschen in Chile, geschah Unfassbares. Nun macht sich die deutsche Politik daran, das Geschehene aufzuarbeiten.

Die Bundesregierung solle eng mit dem chilenischen Staat bei der Aufklärung der Verbrechen zusammenarbeiten, heißt es in einem von den Fraktionen der CDU/CSU, SPD und Grünen eingebrachten Antrag, der der "Passauer Neuen Presse" vorliegt.

Endlich werde "das düstere Kapitel deutscher Außenpolitik, vor dem viel zu lange die Augen geschlossen wurden“ angegangen, sagte der SPD-Abgeordente Christian Flisek der Zeitung.

Hilfe für die Opfer

Der Antrag zur Aufarbeitung der Verbrechen soll bereits diesen Donnerstag im Plenum verabschiedet werden, berichtet die "Passauer Neue Presse". Neben einem Entschädigungskonzept solle es einen Hilfsfonds geben, heißt es in dem Antrag.

Den Opfern der Sekte solle psychosoziale Betreuung zuteil werden, außerdem sollen sie bei der Klärung ihrer rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lage unterstützt werden.

Im Juli vergangenen Jahres hatte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem Staatsbesuch in Chile eine juristische Mitverantwortung Deutschlands für die Verbrechen der Sekte "Colonia Dignidad" zurückgewiesen.

Gauck stritt Verantwortung Deutschlands ab

Gauck sagte damals, die Verantwortung des chilenischen Staates könne nicht auf Deutschland übertragen werden, wenn in Chile ein Gruppe von kriminellen Deutschen sich an Landleuten und Chilenen vergangen habe.

Die Siedlung "Colonia Dignidad" (Kolonie der Würde) war in Chile unter ihrem Gründer Paul Schäfer ein befestigtes Lager mit sektenähnlichen Strukturen.

Es kam dort zu systematischem Kindesmissbrauch. Während der Militärdiktatur von 1973 bis 1990 in Chile war die Kolonie ein Folterzentrum der Geheimpolizei.

Mit Material der dpa

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(jg)

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