Eine neue Studie zeigt, welches alarmierende Ausmaß die Altersarmut in 20 Jahren haben wird

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Auch in Deutschland gibt es ältere Menschen, die arm sind. | Sandra Starke / EyeEm via Getty Images
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  • Eine neue Studie zeigt, welche Personengruppen insbesondere von Altersarmut betroffen sind
  • Gerade alleinstehende Frauen werden in Zukunft vermehrt von staatlichen Leistungen abhängig sein

Insbesondere alleinstehende Frauen, Menschen ohne Berufsausbildung und Langzeitarbeitslose sind einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge bis zum Jahr 2036 von Altersarmut bedroht. Insgesamt steigt die Armutsrisikoquote in der Altersgruppe der dann 67-Jährigen in den kommenden Jahren von heute 16 auf 20 Prozent an.

Bei alleinstehenden Frauen ist die Zunahme stark. Demnach steigt der Anteil der Frauen, die von staatlichen Leistungen abhängig werden, weil ihr Einkommen nicht fürs Leben reicht, von heute 16,2 auf 27,8 Prozent im Jahr 2036 an. Doch auch Langzeitarbeitslose und Menschen ohne Berufsausbildung sind stark betroffen: Bei ihnen steigt laut der Studie die Grundsicherungsquote von 19 auf 22 Prozent, bzw. von 10 auf 14 Prozent.

"Auch Abitur und Uni-Abschluss schützen nicht vollkommen vor Altersarmut", schreibt die Bertelsmann-Stiftung.

Allerdings würden Bildungsgrad und Qualifikation stark beeinflussen, wer potenziell stärker von Altersarmut betroffen ist. So würde bei Menschen mit Abitur im Jahr 2036 nur ein Armutsrisiko von 6,7 Prozent erwartet - bei einem Hochschulabschluss seien es sogar nur 5 Prozent.

Überalterung ist bloß ein Grund für die zunehmende Altersarmut

Als Ursache für die wachsende Altersarmut sehen die Studien-Autoren zwei Gründe: Die Zunahme von Unterbrechungen im Arbeitsleben und unsichere Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor.

Zum anderen sinkt das Rentenniveau durch die demografische Entwicklung und rentenrechtliche Veränderungen kontinuierlich. Nach Auffassung der Stiftung entfalten die zum Ausgleich geschaffenen Instrumente der privaten Altersvorsorge - wie die Riester-Rente - aber nicht die gewünschte Wirkung.

"Wir brauchen weitere Reformen für den Ruhestand: Wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, könnte es zu einem bösen Erwachen kommen. Um das Alterssicherungssystem zukunftsfest zu gestalten, müssen wir es heute an die veränderten Rahmenbedingungen der Arbeitswelt anpassen", so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Die Ergebnisse der Studien decken sich in vielen Teilen mit dem Alterssicherungsbericht, den die Bundesregierung 2016 veröffentlichte. Darin fordert die Politik die Menschen auf, mehr privat für das Alter vorzusorgen.

Privates Vorsorgesparen reicht nicht aus

Nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung aber reicht das bei weitem nicht aus. Christof Schiller, Autor der Studie, fordert eine bessere Integration der Risikogruppen in den Arbeitsmarkt.

Für die Studie, die am Montag vorgestellt werden soll, haben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Simulationsberechnungen gemacht.

Basis sind Haushaltsdaten, mit denen die zukünftigen Alterseinkommen aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge prognostiziert werden. Rentner gelten heute als armutsgefährdet, wenn ihr Netto-Einkommen unter 958 Euro liegt.

Paritätischer Gesamtverband befürchtet "Lawine der Altersarmut"

"Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung macht erneut deutlich, wie groß der Handlungsbedarf beim Thema Altersarmut ist. Diese Tatsache kann auch die CDU nicht länger ignorieren", sagte Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK.

Die Studie bestätige wieder einmal, dass die Abschaffung der Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Altersarmut ist, sagte Mascher in einer Stellungnahme. "Die Abschaffung der Abschläge muss nun endlich in der nächsten Legislaturperiode auf die Tagesordnung."

"Die Zahlen zeigen, die Bundeskanzlerin irrt, wenn sie meint, man müsse bis 2030 nichts tun und könne notwendige
Entscheidungen mit einer Rentenkommission auf die lange Bank schieben", sagte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied im Deutschen Gewerkschafts-Bund (DGB).

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, warnt vor einer "Lawine der Altersarmut", die auf Deutschland zurolle. "Der Paritätische warnt seit Jahren vor dieser Entwicklung und sieht sich nun durch die Berechnungen des DIW in trauriger Weise bestätigt", sagte Schneider in einer Stellungnahme.

Neben einer Rentenreform sei auch eine Reform der Altersgrundsicherung nötig. Schneider fordert, den Regelsatz für alte Menschen von aktuell 409 auf 570 Euro anzuheben.

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(jg)

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