7 Fragen, die sich jede Frau stellen sollte, bevor sie die Pille nimmt

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CONTRACEPTIVE PILL
Jeder Frau sollte Wirkung und Nebenwirkungen der Pille kennen, bevor sie die Pille nimmt. | BSIP/UIG via Getty Images
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  • Millionen Frauen weltweit vertrauen bei der Verhütung auf die Pille
  • Doch viele wissen zu wenig über Wirkung und Nebenwirkungen
  • Hier sind sieben Fragen, die sich jede Frau stellen sollte, bevor sie die Pille nimmt

Die Antibaby-Pille ist weltweit eines der beliebtesten Verhütungsmittel. Doch immer mehr Frauen machen sich Gedanken über mögliche Schäden und fragen sich, ob sie die Pille bedenkenlos einnehmen können.

Die Tabletten sind ein günstiger und effektiver Weg, eine Schwangerschaft zu vermeiden, aber sie haben auch einige Nebenwirkungen. Einige davon sind wissenschaftlich erwiesen, andere existieren nur in Form von Gerüchten. Häufig fallen in diesem Kontext Begriffe wie Krebs, Hautausschlag und psychische Erkrankungen.

Während einige Frauen berichten, die Pille wirke sich positiv auf ihre Haut und ihre Stimmung aus, sagen andere, die Pille führe bei ihnen zu Verstimmungen, Gereiztheit und einem Gefühl der Aufgeblähtheit.

Bevor sich eine Frau für die Pille entscheidet, sollte sie die Antworten auf folgende Fragen kennen und zu jeder Zeit auf ihren Körper hören.

1. Was genau ist in der Pille drin?

Es wird zwischen drei Arten der Pille unterschieden: Kombinationspille, Mikropille und Minipille. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung der Hormone und deren Dosierung. Die Grundstoffe sind die synthetischen Versionen zweier Sexualhormone: Östrogen und Progestin.

Kombinierte Pillen bestehen sowohl aus Östrogen als auch aus Progestin, während in anderen Präparaten nur Progestogen enthalten ist.

2. Wie wirkt die Pille?

"Die Pille unterdrückt den Eisprung", sagte Clare Ballingal, Ärztin für Allgemeinmedizin, der HuffPost Australia. "Jeden Monat produziert der Körper einer Frau eine Eizelle in den Eierstöcken. Mit der Pille wird genau das verhindert."

Sie hat aber noch eine andere Wirkung: "Die Pille verdickt den Schleim, der vom Gebärmutterhals produziert wird", sagt Ballingal. "Selbst wenn eine Eizelle produziert wird, wäre es somit kaum möglich, dass das Sperma diese Eizelle durch den Schleim hindurch erreicht.

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Die Pille ist theoretisch zu 99 Prozent wirkungsvoll. Credit: iStock

Und: Sie sorgt für eine veränderte Gebärmutterschleimhaut. "Normalerweise ist die Gebärmutterschleimhaut eine vaskuläre, gepolsterte Oberfläche, die für eine Eizelle wunderbar geeignet ist", erklärt die Ärztin. "Die Hormone in der Pille aber verhindern jeden Monat eine Bildung der Schleimhäute. Dadurch kann sich eine Eizelle nicht einnisten.“

3. Wie sicher ist die Verhütung mit Pille?

Die Pille sei theoretisch zu 99 Prozent sicher, sagte Mary Stewart, Medizinerin bei der australischen Familienberatungsstelle Family Planning NSW, der HuffPost.

Untersuchungen aber zeigten, dass durch menschliche Fehler die Wirkung auf 91 Prozent sinke. Laut einer Studie verwendeten sogar 60 Prozent der Frauen mit einer ungewollten Schwangerschaft entweder die Pille oder Kondome.

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"Wenn die Pille streng nach Anweisung eingenommen wird, ist sie sehr sicher“, sagt Stewart.

"Viele Frauen vergessen aber ab und zu, die Pille zuverlässig jeden Tag zu nehmen, und so wird die Wirkung verringert.“

4. Warum gibt es verschiedene Präparate und worin unterscheiden sie sich?

Bei den etwa 40 Verhütungspillen auf dem deutschen Markt variieren die Preise für eine Dreimonatspackung zwischen 30 und 40 Euro. Das hängt aber auch davon ab, welche Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

Manche neuen Pillen versprechen zusätzliche Vorzüge, andere haben entweder eine hohe oder niedrige Hormondosierung.

Laut Deborah Bateson, Direktorin von Family Planning NSW sind die teuersten Pillen nicht zwangsläufig die besten.

"In der Praxis empfehlen wir meist, mit einer Pille zu beginnen, die von Krankenkassen bezuschusst wird, weil sie sicher sind", sagte Bateson der HuffPost. "Diese Präparate sind in der Regel schon lange auf dem Markt und überaus sicher."

5. Was passiert, wenn man die Pille vergisst? Was geschieht dann im Körper?

"Unfälle passieren, aber beim Aussetzen der Pille besteht das Risiko einer Schwangerschaft", sagt Clare Ballingall, Direktorin des Royal Australian College of General Practitioners.

"Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie nachlässig viele Frauen bei der Einnahme der Pille sind“, sagt Ballingall. "Selbst sehr gut informierte Frauen erzählen mir, dass sie manchmal drei Pillen auf einmal nehmen, wenn sie die Pille dreimal nacheinander vergessen haben. Das ist unfassbar."

Wenn man ein Progesteron-Präparat verwende, käme das ohnehin der "Pille danach" gleich, erklärt sie.

Die "Pille danach“ ist ein Präparat, das auf Progesteron basiert und verhindert, dass es zu einem Eisprung kommt. Außerdem sorgt es dafür, dass Gebärmutterschleimhäute potenzielle Eizellen abweisen. Sie kann bis zu 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden und senkt das Risiko einer Schwangerschaft.

Bei einem Viertel der Frauen führt diese Pille allerdings zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Bauchkrämpfen und Kopfschmerzen.

Das Wichtigste, was jede Frau wissen müsse, so betont Ballingall, sei: Wen die Pille nicht eingenommen wird, und sei es nur für 24 Stunden, kann das die Fruchtbarkeit so stark beeinflussen, dass es zu einer Schwangerschaft kommt.

6. Was passiert, wenn es zu Blutungen kommt?

Es gibt keinen medizinischen Grund dafür, einen Placebo zu nehmen, um auch während der Pilleneinnahme jeden Monat die Periode zu bekommen. Tatsächlich wird das Blut in diesem Fall auch gar nicht als Menstruation selbst, sondern als Blutung zur Hormonausscheidung betrachtet.

Clare Ballingall erklärt den Unterschied: "Es gibt absolut keinen Grund dafür, dass eine Frau die Monatsblutung bekommen muss, wenn sie die Pille nimmt. Das überrascht viele Menschen."

Oft kämmen junge Mädchen mit ihren Müttern zu ihr. "Wenn ich ihnen erkläre, dass auch vielleicht vier statt zwölf monatlichen Blutungen im Jahr ganz normal seien, dann sind die Mütter oft besorgt", sagt die Expertin. "Sie wollen wissen, wo all das Blut bleibt, als gäbe es einen Damm, der das Menstruationsblut zurückhält."

Es komme dann zu einer normalen Periode, wenn ein Eisprunghormon die Schleimhäute der Gebärmutter wachsen lasse, erklärt Ballingall. "Es entstehen viele Blutgefäße, die wiederum eine ideale Umgebung für eine Eizelle sind. Wenn die Eizelle nicht befruchtet wird, dann fällt der Hormonspiegel und die Schleimhäute der Gebärmutter werden abgestoßen - das ist die Monatsblutung."

Bei der Pille führt der Effekt, der die Gebärmutter abweisend macht, dazu, dass die Gebärmutterwände nicht zu dick gepolsterten Schleimhäute werden. Sie können also nicht ausgeschieden werden und das führt zu stark verminderten Blutungen.

"Nimmt man die Pille über einen längeren Zeitraum ohne Unterbrechung, dann kann es zu Schmierblutungen kommen", erklärt Ballingall. "Manche Frauen nehmen die Pille, bis es zu einer Schmierblutung kommt, dann steigen sie für circa vier Tage auf einen Placebo um und beginnen dann wieder von neuem mit der Pille.“

6. Wie wirkt sich die Pille auf die psychische Gesundheit aus?

Wissenschaftler sind sich einig, dass es keinen konkreten Zusammenhang zwischen der Pille und psychischen Erkrankungen gibt, die sich durch eine Studie belegen lassen. Bisher.

Deborah Bateson erinnert sich an mehrere Frauen, die sagten, wegen der Pille verstärkt unter Stimmungsschwankungen zu leiden. Andere Frauen aber berichteten, dass das Gegenteil der Fall war.

"Für jede Studie, die eine Verbindung zwischen der Pille und psychischen Erkrankungen aufzeigt, gibt es auch eine Studie, die das Gegenteil beweist“, so Bateson.

"Frauen müssen auf ihren Körper hören und wenn die Pille zu Problemen führt, dann sollten sie darüber mit ihrem Arzt sprechen.“

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7. Welche Nebenwirkungen gibt es noch?

Bei Frauen besteht bei der Einnahme von Kontrazeptiva ein erhöhtes Risiko von Herzerkrankungen und Blutgerinnseln. Hierzu sind bereits zahlreiche Studien veröffentlicht worden, unter anderem der "Pillen-Report" der Techniker Krankenkasse.

Diese sollen Frauen auch vor den möglichen Gefahren eines Zusammenhangs zwischen der Einnahme der Pille mit den Inhaltsstoffen Ethinylestradiol und/oder Progestogen und Blutgerinnseln warnen.

Laut Ballingall sollten Frauen, die unter Migräne leiden, die Pille keinesfalls nehmen, da hier ein erhöhtes Schlaganfallrisiko besteht.

Es gebe aber auch positive Nebenwirkungen. "Viele Frauen nehmen die Pille nicht zur Verhütung, sondern weil sie unter hormoneller Akne leiden“, erklärt Ballingall.

Dieser Artikel erschein zuerst in der HuffPost Australia und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt und von Maximilian Marquardt bearbeitet.

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