SPD-Parteitag: Schulz lässt sich feiern – doch den größten Applaus kriegt zunächst ein anderer

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SPD-Parteitag: Schulz lässt sich feiern – doch den größten Applaus kriegt zunächst ein anderer | SPD
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  • Die SPD kommt am Sonntag in Dortmund für ihren Parteitag zusammen
  • Kanzlerkandidat Schulz lässt sich feiern - doch den größten Applaus bekommt der türkische Journalist Can Dündar

In Dortmund will die SPD am Sonntag ihr Wahlprogramm für die Bundestagswahl verabschieden.

Schon als SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Bühne betritt, herrscht großer Jubel. Die gesamte Führungsriege der SPD drängt sich auf der Bühne, klatscht, als wäre die Wahl bereits gewonnen.

Doch dann dauert es etwas, bis die Sozialdemokraten rhetorisch aus der Defensive herauskommen. "Wir stehen nach wie vor 100 Prozent hinter Martin Schulz", ruft die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig den Anhängern zu. Schwesig klingt ein bisschen wie der Manager eines Fußballclubs, der nach einer langen Niederlagenserie beteuert, er stehe hinter dem Trainer.

Und noch etwas anderes fällt auf: Den größten Applaus bekommt zunächst nicht Martin Schulz.

Als Schwesig den oppositionellen türkischen Journalisten Can Dündar begrüßt, wird es laut in der Westfalenhalle. Standing Ovations. Dündar, ehemals Chefredakteur der "Cumhürriyet" winkt etwas verlegen.

Schröder: "Wir können es besser als die anderen!"

Auf Angriff schaltet dann Altkanzler Gerhard Schröder um.

Schröder erinnert an das Jahr 2005. Damals hätten die Schlagzeilen gelautet: "Die SPD wird das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten holen“ und "Keiner Partei kann es gelingen, so einen Rückstand aufzuholen“.

Doch es sei anders gekommen. Die SPD habe über 20 Prozentpunkte aufgeholt – "und das in wenigen Wochen“.

Was Schröder nicht sagt: Kanzlerin wurde damals dann doch CDU-Chefin Angela Merkel.

Es gebe angesichts der drei verlorenen Landtagswahlen 2017 auch bei der SPD Menschen, "die den Kopf hängenlassen“, gibt Schröder zu. "Nichts ist entschieden“, ruft er seinen Parteikollegen zu.

Die SPD habe bewiesen, dass sie es könne. "Und zwar besser als die anderen“, sagt Schröder unter schallendem Applaus der SPD-Anhänger.

Bemerkenswert: Schröder kritisiert US-Präsident Donald Trump scharf – und spricht sich gleichzeitig für gute Beziehungen "zu unserem Nachbarn Russland“ aus. Der Altkanzler stellt das 2-Prozent-Ziel der Nato offen infrage. "Über das 2-Prozent-Ziel ist niemals beschlossen worden“, sagt er.

Die letzte Chance für Schulz?

Viele Sozialdemokraten sehen in dem Bundesparteitag die letzte Chance, vor der Bundestagswahl wieder in die Spur zu finden. Während die Union ohne ein Wahlprogramm in Umfragen mittlerweile bisweilen die 40 Prozent knackt, steckt die SPD trotz konkreter Konzepte für Renten- und Steuerpolitik in der Krise.

Die Partei ist in den vergangenen Wochen in Umfragen um bis zu zehn Prozentpunkte eingebrochen. Stand jetzt wäre für die Sozialdemokraten eine Regierungsbeteiligung nur als Juniorpartner in einer erneuten Großen Koalition möglich. Die jedoch will man in der SPD unbedingt verhindern.

Fraktionschef Thomas Oppermann erklärte zuletzt, das schwarz-rote Bündnis auf Bundesebene dürfe keine "Dauerveranstaltung" werden. "Zum Ende der Regierungszeit mit der Union wird in aller Klarheit deutlich, dass wir an die ideologischen Grenzen von CDU und CSU stoßen, die einer erfolgreichen Fortsetzung über 2017 hinaus entgegenstehen", sagte Oppermann der dpa.

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