Die Digitalisierung bedroht den Arbeitsplatz von Hunderttausenden Kassierern - doch der Wandel bietet auch eine Chance

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In Deutschland sind in den kommenden Jahren Millionen Arbeitsplätze durch die Automatisierung bedroht - besonders Kassierer sind betroffen | Arnd Wiegmann / Reuters
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  • Die Arbeitsplätze von Hunderttausenden von Kassierern sind durch die Digitalisierung bedroht
  • Die Berufsgruppe könnte durch Automaten ersetzt werden - doch der technologische Wandel bietet auch Chancen

Die Digitalisierung wird wahrscheinlich dafür sorgen, dass Kassierer aus den Supermärkten verschwinden. Automaten - wie etwa eine Selbstbedienungskasse - dürften die Berufsgruppe verdrängen.

"Jeder Prozess, der keiner Einschätzung bedarf, ist digitalisierbar", sagt Thomas Harms, Handelsexperte des Beraterunternehmens EY, der "Welt am Sonntag" ("Wams").

Tatsächlich wird der Beruf Kassierer im Zeitalter der Digitalisierung zunehmend überflüssig. Hunderttausende Menschen könnten ihren Platz an der Kasse und damit ihre Arbeit verlieren.

Doch der technologische Wandel muss kein Nachteil für die betroffene Berufsgruppe sein, glauben Forscher und Experten.

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Bereits jetzt zeichnet sich der Trend zur Automatisierung auch in Deutschland ab. Das Möbelunternehmen Ikea macht es mit seinen Selbstbedienungskassen vor.

Dort kann ein Kassierer acht Selbstbedienungskassen gleichzeitig betreuen - und das Unternehmen spart ordentlich an Personal. Nicht nur bei Ikea, auch die Handelskette Real hat bereits Kassiererstellen abgebaut und teilweise auf die Selbstbedienungskassen umgestellt, berichtet die "Wams".

Allerdings rechnen Experten damit, dass diese Entwicklung langsam vonstatten geht.

Mehr zum Thema: Industrie 4.0: Wer in Deutschland die Automatisierung fürchten muss

Die Digitalisierung bietet auch eine Chance

Trotzdem wird die Digitalisierung den Einzelhandel sicherlich massiv verändern. Wie das “World Economic Forum” in einer Studie voraussagt, werden in den USA 30 bis 50 Prozent aller Arbeitsplätze im Einzelhandel in der Zukunft verschwinden. In Deutschland dürfte diese Entwicklung mit einer gewissen Verzögerung ebenfalls eintreten.

Ein Grund zur Beunruhigung? Britta Matthes, Leiterin der Berufsforschung beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), gibt sich gegenüber der "Wams" optimistisch. Die Arbeit der Kassierer sei oft eintönig und schwer. Die Digitalisierung sieht sie daher als Chance für die Berufe in der Supermärkten.

"In den Filialen, die übrig bleiben, braucht man besser ausgebildetes Personal - jemanden, der mir erklärt, wie man ein Dry-aged Steak richtig zubereitet zum Beispiel", erklärte Matthes.

Neue Tätigkeiten werden entstehen

Schon jetzt fallen schwere, lästige Arbeiten aufgrund der Digitalisierung weg, schreibt Lars Klingbeil in der HuffPost. Er ist netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Klingbeil weist darauf hin: "Gleichzeitig entstehen andere neue Tätigkeiten, von denen vor zehn Jahren noch niemand wusste, dass sich damit Geld verdienen lässt oder, dass wir sie überhaupt brauchen."

Ähnlich könnte es auch dem Berufsstand der Kassierer ergehen. Von der eintönigen Tätigkeit, Produkte über die Kasse zu ziehen, könnte sich der Beruf wandeln, wie auch IAB-Chefin Matthes andeutete.

Dann werden Menschen, die zuvor an den Kassen saßen, die Kunden beraten. Einem kurzen Schwätzchen sind Menschen beim Einkaufen sowieso nicht abgeneigt.

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(ll)

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