Früherer SPD-Vorsitzender Engholm erklärt, was Martin Schulz im Wahlkampf fehlt

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BJRN ENGHOLM
Früherer SPD-Vorsitzender Björn Engholm äußerst sich zur Entwicklung seiner Partei | dpa
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  • Der frühere SPD-Vorsitzende Engholm glaubt, Schulz fehlt für den Wahlkampf die nötige Präsenz auf der politischen Bühne
  • Im Falle eines schlechten Abschneidens, rät Engholm der SPD zur Opposition

Der frühere SPD-Vorsitzende Björn Engholm sieht Martin Schulz' Bemühungen im Wahlkampf skeptisch. Engholm glaubt, dass Schulz die nötige Präsenz in der Bundespolitik fehle. Das verringere seine Chancen auf einen Erfolg bei der Bundestagswahl.

"Ich glaube, Martin Schulz stünde als Kanzlerkandidat und Außenminister besser da", sagte Engholm der "Welt am Sonntag" ("WamS").

Die Sozialdemokraten würden gerade merken, wie schwer sich Schulz ohne Ministeramt tue. Tatsächlich kann die Konkurrentin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), gerade auf der internationalen Bühne zeigen, was die Wähler an ihr haben. Nach dem G7-Gipfel in Sizilien und dem EU-Gipfel in Brüssel steht im Juli der G20-Gipfel in Hamburg an.

Schulz muss derweil versuchen, anders Aufmerksamkeit zu erzeugen.

"Eine Partei darf ihre Seele nicht verkaufen"

Sollte die SPD bei den kommenden Bundestagswahlen schlecht abschneiden, so rät Engholm seiner Partei, in die Opposition zu gehen. Eine Koalition der SPD mit der Linkspartei hält er für ausgeschlossen.

Auch eine große Koalition kommt für Engholm nicht infrage. Eine Partei solle sich eher treu bleiben, als ihre Seele zu verkaufen, sagte er.

Sollte das Ergebnis bei der Wahl schlecht ausfallen, rät Engholm zur Opposition. "Wenn das Volk einen bei Wahlen abstraft, muss man die Oppositionsrolle annehmen", sagte Engholm

Auch Einschätzungen des SPD-Fraktionschefs Thomas Oppermann zufolge hat sich die Zusammenarbeit der SPD in der großen Koalition mit der Union erschöpft.

"Zum Ende der Regierungszeit mit der Union wird in aller Klarheit deutlich, dass wir an die ideologischen Grenzen von CDU und CSU stoßen, die einer erfolgreichen Fortsetzung über 2017 hinaus entgegenstehen", sagte Oppermann der Deutschen Presse-Agentur vor dem SPD-Parteitag am Sonntag in Dortmund.

Man solle sich jedoch nicht entmutigen lassen. In die Opposition solle die SPD dann "geraden Hauptes" gehen und die Zeit produktiv nutzen, rät Engholm in der "WamS". Doch der frühere Vorsitzende warnt auch: Die Partei sollte in den vier Jahren nicht nur ihre Wunden lecken.

Für den Anfang sei es jedenfalls gut, dass die Partei nach dem Schulz-Hype wieder "auf dem Teppich gelandet" sei, sagte Engholm. Mehr Bescheidenheit könne nicht falsch sein.

Engholm: Schulz muss seine Themen genauer definieren

Auch Engholm schließt sich den Kritikern an die behaupten, dass das Parteiprogramm der SPD nicht konkret genug wäre. Es reiche eben nicht, einfach nur mit dem Versprechen für mehr Gerechtigkeit zu werben.

Soziale Gerechtigkeit sei zwar ein Kernthema, aber man müsse es "weiter definieren als bisher", sagte Engholm der "WamS".

Der ehemalige Vorsitzende würde zudem noch mehr Themen in den Fokus stellen, als es die SPD bis jetzt tue. Die Partei müsse "auf das Friedensthema setzen" und die Forderung nach Abrüstung stärker machen.

Die Partei solle außerdem auf Wissenschaftler zugehen. "Die sind innovativ, durchbrechen Grenzen, stellen Konventionen infrage. Solche Leute braucht eine Partei, die die Zukunft gewinnen will", sagte Engholm im Gespräch mit der "WamS".

Der SPD gehen die Optionen aus

Engholm hält auch eine rot-rot-grüne Koalition zum jetzigen Zeitpunkt für undenkbar. Viele Optionen bleiben der SPD aber ohnehin nicht.

Die Große Koalition wäre nach derzeitigen Umfragezahlen wahrscheinlich die einzige Chance für die SPD, Regierungspartei zu bleiben. Das bestätigen auch die aktuellen Umfragen. Weder für Rot-Rot-Grün mit Linken und Grünen noch für eine Ampel mit FDP und Grünen würde es aktuell reichen.

Mit Material der dpa

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(ll)

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