Fußballstar Lukas Podolski wirbt für die Türkei - das sorgt für Empörung

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PODOLSKI
Lukas Podolski macht Werbung für Erdogans Wirtschaftsministerium | Lukas Podolski / Instagram
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  • Lukas Podolski wirbt für das türkische Wirtschaftsministerium
  • Die Werbung bezeichnet die Türkei als ein Paradies der Möglichkeiten
  • In der Türkei geschehen nach wie vor täglich Menschenrechtsverletzungen

“Hier habe ich meine eigene Erfolgsgeschichte geschrieben”, sagt Lukas Podolski und strahlt mit leuchtenden Augen in die Kamera.

In seinem neuen Werbespot versucht der deutsche Nationalspieler und Lieblingsfußballer allerdings nicht, die Menschen zu einem neuen Handyvertrag oder dem Kauf von Prinzenrolle zu bewegen.

Vielmehr ist er Teil einer Werbekampagne der türkischen Exportvereinigung, die zum türkischen Wirtschaftsministeriums gehört und die versucht, das schwer angeschlagene Image der Türkei wieder auf Vordermann zu bringen. Doch Podolskis Einsatz für die Türkei sorgt für Empörung.

Erfolgreiche Fußballer und glückliche Touristen

Der Werbespot richtet sich an Investoren und Touristen - denn die Wirtschaft der Türkei könnte gut ein wenig Aufschwung gebrauchen.

Während im Clip Szenen von Podolskis Fußball-Erfolgen beim Istanbuler Verein Galatasaray laufen, werden Erfolgsmeldungen eingeblendet. Die Türkei wird als ein junges dynamisches Land angepriesen, in dem sich auch “35 Millionen glückliche Touristen” wohlfühlen können. Investiert man hier, so suggeriert der Spot, wird man Partner der wichtigsten Unternehmen der Welt.

Ein Paradies der Möglichkeiten

Und während Poldi über den grünen Rasen joggt und ein Tor feiert, titelt die Kampagne: “Türkei, ein Paradies der Möglichkeiten”.

Gerade dieser letzte Satz dürfte vielen Menschen, die derzeit in der Türkei verfolgt werden, wie der blanke Hohn vorkommen. Auf Twitter häufen sich deshalb die empörten Nachrichten zahlreiche Nutzer:

So erinnert einer an die die zahlreichen inhaftierten Journalisten, darunter auch der deutsch-türkische "Welt"-Reporter Deniz Yücel.

Ein anderer Nutzer kommentiert: "Ex-Fußballer Podolski entblödet sich nicht, im Fernsehen auf English für die Türkei Werbung zu machen."

Dieser Twitterer fragt sich gar, ob der Ex-Fußballnationalspieler das Geld brauche.

Ein anderer fragt: "Warum macht #Podolski eigentlich Werbung für die #Türkei?! Ich hab den früher immer gemocht."

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Religions- und Meinungsfreiheit sind nur mehr eine Farce

Unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan werden die Rechte zahlreiche Bürger beschnitten. Viele kritisch berichtende Journalisten wurden inhaftiert, viele sitzen immer noch im Gefängnis. Ihre Redaktionen wurden unterdessen geschlossen und die Pressefreiheit somit abgeschafft.

Zugleich werden schon die jüngsten Bürger in den Schulen indoktriniert. So werden Inhalte aus dem Lehrplan gestrichen, die Erdogan als Bedrohung erachtet. Lehrer und Professoren, die mit dieser bewussten Desinformation nicht konform gehen oder die die falsche politische Gesinnung haben, finden sich ohne Job auf der Straße wieder.

Seit dem Ausgang des Referendums zu Erdogans Gunsten schwingt sich der Präsident immer mehr zum unantastbaren Alleinherrscher auf, während sich die Demokratie in der Türkei zusehends auflöst.

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Wenn Lukas Podolski also lächelnd Werbung für die Türkei macht, ist das ein ganz anderes Kaliber als wenn er lustig kauend einen Schokokeks bewirbt.

Podolski, und auch der ebenfalls im Werbespot auftauchende Wesley Snijder, werben nicht für den gemeinsamen Sport, nicht für die Tourismusbranche der Türkei sondern für das türkische Wirtschaftsministerium.

Damit werben sie für die türkische Regierung und lassen sich vor den Karren von Erdogans Diktatur spannen. Der Fußballfan ist zwar durchaus geneigt, daran zu glauben, dass sich “unser Poldi” mit Erdogans Politik nicht gemein machen möchte.

Doch genau dies geschieht in dieser durch und durch politischen Werbekampagne. Selbst mit einer guten Portion Naivität sollte Podolski dies klar sein. Und dennoch:

“Komm in die Türkei", fordert Podolski auf und grinst. Er hat da gut reden, denn er selbst macht nun Karriere in Japan und verlässt schon bald das selbsternannte "Paradies der Möglichkeiten". Die inhaftieren Türken können das nicht.

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(mf)

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