Paramilitärische Camps im Wald: Polizei durchsucht rechtsextreme Szene in Thüringen

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Paramilitärische Camps im Wald: Polizei durchsucht rechtsextreme Szene in Thüringen (Symbolbild) | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Rechtsextremisten einer international agierenden Gruppe sollen in Thüringen in Ausbildungscamps den Aufstand gegen die Gesellschaft geprobt haben
  • Spezialeinheiten der Polizei haben nun etliche Wohnungen durchsucht - und einen Mann festgenommen

Die Polizei hat am Freitag in Thüringen und Göttingen mit einer Großrazzia eine rechtsextreme Szene ins Visier genommen. Gegen 13 Beschuldigte werde ermittelt - wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.

In Südthüringen sollen die Beschuldigten paramilitärische Zeltlager unterhalten haben. Dies sei eine Art Ausbildungscamp mit Waffen gewesen, erklärte Oberstaatsanwalt Steffen Flieger.

Die Polizisten untersuchten insgesamt 14 Objekte. Es handelt sich überwiegend um Wohnräume, wie das Landeskriminalamt in Erfurt mitteilte. Die Beamten nahmen einen Beschuldigten fest. Er habe sich der Durchsuchung widersetzt und Polizisten attackiert, berichtete Flieger. Gegen ihn soll Haftbefehl beantragt werden.

Rechtsextreme Bewegung richtet sich gegen den Staat

Einige der Beschuldigten gehören einer international agierenden rechtsextremen Bewegung an. Ihr Ziel sei es, gegen die Staats- und Gesellschaftsordnung Deutschlands und anderer europäischer Staaten vorzugehen.

Den Namen der Bewegung wollten die Ermittler aus datenschutzrechtlichen Gründen vorerst nicht bekannt geben.

Wie die "Welt" unter Berufung auf Informationen der Linken im Thüringer Landtag jedoch berichtet, richteten sich die Polizeiermittlungen gegen die "Europäische Aktion" (EA), einen europäischen Dachverband von Holocaust-Leugnern.

Der Verband nehme bereits seit mehreren Jahren Einfluss auf die Thüringer Neonazi-Szene - "von Präsenz auf Demonstrationen, über Schulungen bis hin zu seit 2015 stattfindenden Wehrsport-ähnlichen Übungen", teilte die Linke Sprecherin für Antifaschismus Katharina König-Preuss mit.

In Thüringen trete die "EA" auf Neonazi-Veranstaltungen auf und stelle die Logistik, berichtet die "Welt". Auch an Pegida-Kundgebungen in Dresden habe der Verband bereits teilgenommen.

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Mit Material der dpa

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(amr)

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