Eklat an Berliner Universität: Holocaust-Überlebende wird von Israelkritikern angeschrien

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  • Mitglieder der Boykott-Bewegung BDS haben eine Holocaust-Überlebende beleidigt
  • Die 83-Jährige hielt einen Vortrag zusammen mit einer israelischen Abgeordneten an der Humboldt-Universität

Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstag an der Berliner Humboldt-Universität ist es zu einem Eklat gekommen.

Die 83-jährige Holocaust-Überlebende Deborah Weinstein und die israelische Abgeordnete Aliza Lazie (Jesch Atid) hatten auf einer Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sprechen wollen.

Mitglieder der Boykott-Bewegung BDS störten den Vortrag vor knapp 60 Zuhörern jedoch mit antisemitischen Zwischenrufen.

Laut Informationen der HuffPost handelte es sich bei den Demonstranten um zwei jüdische Israelis und einen Palästinenser. Eine Twitter-Nutzerin lud am Donnerstag ein Video des Vorfalls hoch:

Die internationale BDS-Bewegung, eine Abkürzung für Boykott, Desinvestition (Abzug von Kapital) und Sanktionen, ruft im Namen des palästinensischen Volkes zum Boykott Israels auf. Die antizionistische Bewegung fordert die wirtschaftliche und politische Isolation Israels und Gleichberechtigung für das palästinensische Volk.

Rufe wie "Das Blut des Gazastreifens klebt an euren Händen" seien in Berlin zu hören gewesen, berichtete die "Jerusalem Post".

Lazie: "Sie nannten mich Kindermörder"

Die Abgeordnete Lazie äußerte sich später auf Facebook zu dem Vorfall.

Wie die "Welt" übersetzt, habe Lazie die BDS-Bewegung und deren Vorhaben, sie vom Reden abzuhalten, stark verurteilt.

"Seit den 30er-Jahren hat sich in Deutschland viel verändert. Aber den Hass gegen Juden, die Aufstachelung und die Lügen gibt es immer noch. Mit einem Unterschied. Wir werden nicht mehr still sein", schreibt Lazie in ihrem Beitrag.

Es sei sehr bedauerlich, dass Weinstein diese antisemitischen Angriffe habe miterleben müssen, sagte Lazie der "Berliner Zeitung" zufolge. Und das gerade in Deutschland.

BDS

Palästinensische Organisationen riefen 2005 die BDS-Kampagne aus. Seitdem hat sich BDS zu einer weltweiten Bewegung entwickelt, die gerade im englischsprachigen Raum aktiv ist. Ihre Forderung: Israel müsse die Besetzung "allen arabischen Landes" beenden.

Der unabhängig arbeitende Expertenkreis Antisemitismus des Bundestags beschreibt die Bewegung als eine Gruppe, deren Sprache die Grenze der bloßen Kritik am Staat Israel überschreite und antisemitische Stereotype nutze.

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(ll)

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