Inhaltsloser Merkel-Wahlkampf der CDU: Kurzfristig erfolgreich, langfristig eine Katastrophe

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CDU
Jedem Anfang wohnt ein Tauber inne - gerade auch beim inhaltsleeren CDU-Wahlkampfauftakt | Axel Schmidt / Reuters
Drucken

Vor vier Jahren sah Bundeskanzlerin Angela Merkel den Deutschen in die Augen: "Sie kennen mich", sagte sie während einer TV-Debatte. Und gewann die Bundestagswahl.

Weil die Deutschen sie eben wirklich kennen. Sie lieben sie nicht - aber sie wissen, was sie von Merkel und ihrer CDU erwarten können: Das alles im Großen und Ganzen so bleibt, wie es eben ist.

Mehr zum Thema: US-Magazin hält den Deutschen den Spiegel vor: Aus diesem Grund werden sie im September wieder Merkel wählen

Die Strategie der Konservativen hat sich in den vergangenen vier Jahren offenbar nicht geändert. Das zeigte der Wahlkampf-Auftakt der CDU in Berlin. Diesmal war es CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der den Deutschen in die Augen schaute. Und den neuen Wahlslogan der Partei ins Ohr säuselte: "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben."

Das ist typisch CDU: vage und inhaltlich dünn. Auf den Plakaten will die Partei das wieder mit dem Gesicht Merkels wettmachen. Kein Wunder, dass die Christdemokraten dafür heftige Kritik und Spott ernten.

Auch wenn diese berechtigt ist: Machtstrategisch macht die CDU mit ihrem apolitischen Wahlkampf alles richtig. Zumindest kurzfristig.

CDU-Strategie: Inhalte vermeiden, Merkel zeigen

Und das, obwohl der CDU viel vorgeworfen werden kann.

In aller erster Linie ihre fatale Abhängigkeit von der Person Merkel, bei gleichzeitiger Verweigerung fast jeglicher inhaltlichen Positionierung. Während SPD-Kandidat Martin Schulz Wahlversprechen um Wahlversprechen macht, hat die CDU bisher kaum klare Ideen präsentiert, wie sie sich die nächsten vier Jahre in Deutschland vorstellt.

"Bei der CDU gibt es keine Punkte", kommentierte unlängst "Spiegel Online". "Keine Kanten, keine Reibung, die Kanzlerin auf Schleichfahrt." Das Ergebnis sei eine Mischung aus Mobilisierung der eigenen potenziellen Wähler bei gleichzeitiger Demobilisierung der gegnerischen - die "asymmetrische Merkelisierung".

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nannte die Politik der CDU "Merkel-Bonbons ohne Füllung".

Das trifft es.

Erfolg in der Gegenwart - Ungewissheit für die Zukunft

"Probier´s mal aus, es tut nicht weh" - das war vor einem Monat Peter Taubers Antwort auf die Frage, warum die Deutschen die CDU wählen sollten.

Diese Formel mag in der biedermeierischen deutschen Gegenwart noch funktionieren. Zukunftsfähig ist sie jedoch nicht.

Deutschland braucht dringend neue Ideen. Es besteht Aufholbedarf: Bei der Digitalisierung, in der Bildungspolitik, auf dem Arbeitsmarkt und bei der Modernisierung der Wirtschaft.

Die SPD mag hier für viele keine zufriedenstellenden Antworten liefern. Das Problem ist: Die CDU liefert bisher gar keine Antworten.

Noch hat sie Merkel, um diesen Makel zu kaschieren. Vielleicht, ja, sogar wahrscheinlich, reicht es damit noch einmal für vier Jahre.

Dann aber wird das anheimelnde Gesäusel von Politikern wie Peter Tauber nicht mehr ausreichen, um die Deutschen für die CDU zu begeistern. "Sie kennen mich", eine Merkel kann so einen Satz sagen. Ein Tauber kann es nicht.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lp)

Korrektur anregen