"Maybrit Illner": FDP-Mann Lambsdorff kritisiert Angela Merkels Flüchtlingspolitik scharf - und will zurück zu Helmut Kohl

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MAYBRIT ILLNER
Bei Maybrit Illner diskutierten die Gäste zur Flüchtlingskrise. | Maybrit Illner
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  • Bei "Maybrit Illner" hat FDP-Politiker hat Alexander Graf Lambsdorff Angela Merkels Flüchtlingspolitik scharf kritisiert
  • Statt einen "europäischen Erfolg" habe sie mit ihrem Alleingang einen "europäischen Streit" erreicht
  • Der Journalist Jörg Thadeusz hielt wenig von Lambsdorffs Kritik an Angela Merkel

"Wir schaffen das": War Angela Merkels Entscheid, die Grenzen zu öffnen und den Flüchtlingen so die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen, richtig? Bei "Maybrit Illner" kritisierte Alexander Graf Lambsdorff die Bundeskanzlerin für ihre Entscheidung scharf.

Für den FPD-Mann war klar: "Es gibt im Grunde gar keine europäische Flüchtlingspolitik". Ihn "ärgere" es, dass die EU-Mitgliedsstaaten seit 20 Jahren immer wieder auf den Alleingang beim Thema Flüchtlinge setzten. "Und dann kam dieses Jahr der Krise."

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe dann plötzlich gesagt: "Jetzt machen wir eine europäische Flüchtlingspolitik." Doch die Bundeskanzlerin habe es mit ihrem Vorpreschen versäumt, die Nachbarstaaten früh genug miteinzubeziehen.

"So funktioniert Politik nicht", sagte Lambsdorff. Der Vizechef des Europaparlaments plädierte dafür, mehr auf die "Partner", gemeint sind EU-Staaten wie Ungarn und die Niederlande, Rücksicht zu nehmen.

Deutscher Alleingang

"Was ich kritisiere ist, dass es ein deutscher Alleingang war", sagte Lambsdorff. Da es Bundeskanzlerin Merkel damals versäumt habe, bei den übrigen europäischen Staats- und Regierungsschefs anzurufen und deren Zustimmung einzuholen, stoße man jetzt bei ihnen auf taube Ohren. Diese Staaten würden jetzt sagen: "Wenn ihr uns vorher nicht anruft, dann ruft uns bitte auch nicht an, wenn es darum geht, die Leute abzunehmen."

Der Journalist Jörg Thadeusz, der sich im "Willkommensbündnis für Flüchtlinge“ engagiert, wollte das nicht so stehen lassen. Thadeusz konterte: "Was wäre denn bei einer solchen Telefonkette herausgekommen, Herr Graf Lambsdorff? Angela, super, machen wir?"

Er sei nicht der Meinung, dass die Kanzlerin "merkwürdig" oder "erratisch" gehandelt habe. Auch eine Berufspolitikerin wie Angela Merkel habe angesichts des Leids der Flüchtlinge erkannt: "Hier müssen wir jetzt etwas tun."

TV-Moderator Thadeusz will keinen europäischen Grenzschutz mit Polizei und Militär. "Hinter Ihnen sitzen ganz viele Leute“, sagte er zu Lambsdorff. "Und da frage ich mich: Können Sie sich vor diese jungen Leute hinstellen und sagen: Boah, guckt mal, dieses Europa haben wir für euch gebaut?“

Ein Helmut Kohl muss her

Der FDP-Mann Lambsdorff kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter. "Ein Politiker wie Helmut Kohl hätte den Telefonhörer in die Hand genommen und die Partner angerufen."

Dass Merkel das nicht gemacht habe, ärgere ihn sehr. Denn Merkel hätte mit der "Telefonhörer-Politik" einen europäischen Erfolg erzielen können. "Stattdessen haben wir einen europäischen Streit."

Nach viel Kritik an der Bundesregierung kam Lambsdorff dann mit Vorschlägen. Er will in Libyen Flüchtlingszentren einrichten. Denn eine Zentralregierung gebe is im bürgerkriegsgeplagten Land praktisch nicht.

Die UN-Flüchtlingskommissarin Melissa Fleming warnte davor, ob all der Politik die Menschen, die Schicksale zu vergessen. "Wir reden von Menschen!"

Sie berichtete von schockierenden Schicksalen aus Libyen. "Die Frauen, die aus den Lagern in Libyen kommen, erzählen uns, dass jede von ihnen vergewaltigt wurde.“ Sie forderte: "Deutschland hat einen humanen Ruf – darauf sollten alle Deutschen stolz sein."

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(jg)

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