Trump profitiert von der starken US-Wirtschaft - doch diese 6 Fakten sollten dem US-Präsidenten Sorge bereiten

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US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf: "Jobs, Jobs, Jobs" | Getty
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  • Donald Trump ist noch immer der Präsident der USA - trotz all seiner Skandale
  • Das liegt zu einem großen Teil auch an der guten Wirtschaftslage des Landes
  • Doch gleich mehrere Fakten zur US-Wirtschaft sollten Trump tief beunruhigen

Donald Trump ist unbeliebt. Er ist skandalträchtig, politisch dilettantisch und womöglich kriminell.

Aber Trump ist und bleibt der gewählte Präsident der USA - er konnte sich trotz aller Skandale und Anschuldigungen im Amt behaupten.

Das liegt zum Einen an seiner nahezu fanatisch loyalen Anhängerschaft. Vor allem aber an der starken US-Wirtschaft: Die Aktienkurse stiegen in den vergangenen Monaten auf Rekordhöhen und die Arbeitslosigkeit ist niedrig wie selten. Das liegt nicht zwingend an Trump, aber es kommt ihm zu Gute.

Mehr zum Thema: Der Trump-Effekt: Amerikaner sind zufrieden mit der US-Wirtschaft - dabei hat sich kaum etwas verändert

Diese 6 Fakten zeigen jedoch, dass sich der US-Präsident nicht zu sehr auf die Wirtschaftsstärke seines Landes verlassen sollte.

1. Die Wirtschaft der USA wächst - aber langsamer als in vielen anderen Industrienationen

Seit 2013 wächst die Wirtschaft in den USA ununterbrochen, auch unter Trump. Aber: Sie tut es extrem langsam.

Im ersten Quartal 2017 stieg das Bruttosozialprodukt um 0,3 Prozent. Im gesamten Jahr 2016 verzeichneten die USA bloß ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent - das schwächste Ergebnis seit 2011.

Hinzu kommt, dass die USA im Vergleich zu den anderen führenden Wirtschaftsnationen der Welt schlecht abschneiden. Die G20-Staaten steigerten ihr Bruttosozialprodukt im Jahr 2016 im Durchschnitt um 3,2 Prozent - also um doppelt so viel, wie die USA es taten.

Ein Trend, der auch im Jahr 2017 anhält: So wuchs im ersten Quartal die Wirtschaft der 28 EU-Nationen doppelt so schnell wie die der USA.

2. Trump macht riesige Wachstumsversprechen - und wird diese niemals erreichen können

Dabei hat Donald Trump den US-Bürgern im Wahlkampf etwas ganz anderes versprochen.

Er fantasierte Wachstumsraten von jährlich 4 oder gar 6 Prozent herbei. Im Haushaltsbudget, über das Trump den Kongress und den Senat abstimmen lassen will, sind für die Jahre 2021 bis 2027 Wachstumsraten von 3 Prozent vorgesehen.

Ökonomen haben unlängst betont, dass sie das derzeit für völlig utopisch halten.

Zumal es Trump bisher noch nicht gelungen ist, auch nur eine Wirtschaftsreform umzusetzen. Seine groß angelegte Steuerreform ist in den Mühlen der Bürokratie versandet. Und das vom Weißen Haus vorgeschlagene Haushaltsbudget wurde selbst von den Republikanern als "Todgeburt" bezeichnet.

3. Die US-Wirtschaft kreiert viele Jobs - aber langsamer, als Trump es versprochen hat

Immerhin bei seinem Lieblingsthema - den "Jobs, Jobs, Jobs" - scheint Trump auf Erfolgskurs zu sein. Die Arbeitslosigkeit liegt in den USA gerade bei extrem niedrigen 4,3 Prozent. Allein im Mai wurden von US-Unternehmen 133.000 neue Stellen besetzt.

Aber: Das ist noch immer zu wenig. Zumindest, wenn Trump Wort halten will. 25 Millionen neue Jobs in zehn Jahren hat der US-Präsident seinen Bürgern versprochen - das macht 208.333 neue Arbeitsplätze pro Monat. Bisher wurden in Trumps ersten fünf Monaten Amtszeit 594.000 Jobs geschaffen, schreibt CNN Money - der US-Präsident ist also fast 400.000 Stellen im Rückstand.

4. Die Reallöhne in den USA steigen - aber erstaunlich langsam

Der Arbeitsmarkt in den USA ist so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht. Und doch gibt es ein Problem, schrieb die "New York Times" schon im Mai: "Die Löhne steigen nur knapp schneller als die Inflation."

Das widerspreche eigentlich dem ökonomischen Regelfall: Ein starker Arbeitsmarkt sollte zu höheren Löhnen und dann erst zu einer höheren Inflation führen. Die Löhne seien in den letzten 24 Monaten aber nur um 2,4 Prozent gestiegen.

Schuld an den niedrigen Löhnen seien die niedrige Inflationsrate - und vor allem die niedrige Produktivität. In den letzten zwei Jahren habe die Inflationsrate in den USA im Schnitt gerade einmal 1,4 Prozent betragen; die Produktivitätssteigerung habe nur 0,6 Prozent betragen.

Unter diesen Voraussetzungen "hätte der Durchschnittsarbeiter bloß mit einer Lohnsteigerung von 2 Prozent rechnen dürfen". Er bekam stattdessen 0,4 Prozent mehr - immer noch nicht viel.

Die Zahlen zeigen: Will Donald Trump nicht nur Jobs schaffen, sondern vor allem besser bezahlte Arbeitsplätze, muss er die Produktivität in den USA steigern und gleichzeitig die Inflationsrate niedrig halten. Kein einfaches Unterfangen.

5. Die Konsumbereitschaft der US-Bürger wächst - und somit auch die privaten Schulden

Vor allem für jemanden wie Trump - seit jeher eher ein Verkäufer, denn ein Produzent. Gut, dass es mit dem Kaufen in den USA derzeit hervorragend klappt. Die Konsumausgaben wachsen seit Jahren kontinuierlich, Ende 2016 lagen sie bei knapp 11,7 Trillionen US-Dollar.

Aber schon Anfang 2017 verlangsamte sich der Trend. Gerade die Nachfrage nach Autos und Gebrauchsgegenständen sei gefallen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Das größere Problem aber ist: Der wachsende Konsum wird mit wachsenden Schulden finanziert. Die Höhe der Privatschulden in den USA beträgt mittlerweile 12,7 Trilliarden Dollar, berichtet die "New York Times" über Zahlen der Federal Reserve Bank of New York.

Damit liegt die private Schuldsumme bereits über dem Niveau vor der Finanzkrise von 2008. Vor diesem Hintergrund ist es besonders besorgniserregend, dass 71,4 Prozent der Schulden auf Hauskredite entfallen.

Können diese - etwa aufgrund des schwachen Wirtschaftswachstums oder einer Trendwende auf dem Arbeitsmarkt - nicht mehr bedient werden, droht der USA eine massive Wirtschaftskrise.

6. Die Kohle-Industrie steht vor dem Aus - und auch Trump wird das nicht verhindern können

Längst in einer Krise ist die Kohle-Industrie in den Vereinigten Staaten. Donald Trump scheint das nicht zu kümmern. Er will die "schöne, grüne Kohle" retten - und damit die Jobs vieler seiner Wähler in der US-amerikanischen Provinz.

Es ist ein hoffnungsloses Unterfangen. 53.420 Menschen arbeiten laut dem US-Arbeitsministerium noch in den Kohleminen des Landes. 1980 waren es noch knapp 250.00 gewesen. Hunderttausende Jobs, die verloren gingen, obwohl die Kohleproduktion bis vor wenigen Jahren immer weiter wuchs.

Trump wird diese Arbeitsplätze nicht zurückbringen können. Erneuerbare Energien sind auch in den USA die Zukunft: 160.000 Jobs sind laut einer Recherche der "New York Times" 2016 in US-Kohlekraftwerken geschaffen worden. Allein in der Solarbranche waren es über 373.000; Windkraftwerke schafften mehr als 101.000, Bioenergiewerke sogar knapp 130.000 neue Arbeitsplätze.

Fazit: "Weiche Indikatoren" sind pro Trump - "harte Indikatoren" gegen ihn

Was bedeuten all diese Fakten und Zahlen für die US-Wirtschaft - und für Trump?

Larry Fink, Manager des größten Anlegerfond der Welt, BlackRock Inc., sprach in ihrem Zusammenhang von "dunkler werdenden Warnsignalen".

"Tatsächlich sind die einzigen Gründe für echten Optimismus in Sachen Wirtschaft die besseren Arbeits- und Lohnzahlen", schrieb die "Financial Times" im April. Indikatoren wie das schwache Wachstum und der zuletzt stagnierende Konsum sprächen eine pessimistischere Sprache.

"Die positive Stimmung in der Wirtschaft fußt vor allem auf der Hoffnung, dass Trump Steuerreformen, Deregulierungen und Investitionen in die Infrastruktur durchsetzen wird", schrieb die "FT". Sollte er daran scheitern - und danach sieht es aus - "dann wird Trumps ökonomischer 'Erfolg' nur noch wie ein kurzes Zuckerhoch erscheinen."

Das gleiche könnte für die Präsidentschaft Trumps gelten.

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(lp)

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