LIFESTYLE
22/06/2017 17:31 CEST | Aktualisiert 23/06/2017 10:12 CEST

Der Hotpants-Skandal an einer Hamburger Schule zeigt, warum wir auch in Deutschland Schuluniformen brauchen

davidf via Getty Images
Der Hotpants-Skandal an einer Hamburger Schule zeigt, warum wir auch in Deutschland Schuluniformen brauchen

Hotpants, bauchfreie Shirts, kurze Röcke - das können die Schülerinnen des Kölner Berufskollegs Marienberg in ihrer Schule vergessen, auch im Hochsommer. Denn sie sollen nicht mit ihrem Körper überzeugen, sondern "mit der Schönheit ihres Charakters". Das hat die Schule erst vor wenigen Wochen in einer neuen Kleiderordnung festgelegt.

Anscheinend ist der Schulleiter der Ansicht, dass ein Verbot von zu viel nackter Haut sexuellen Übergriffen vorbeugen kann. Womit er die Schülerinnen zu Objekten degradiert und zeigt, dass er leider gar nichts verstanden hat.

Doch damit nicht genug, auch andere Hamburger Schulen zogen gleich. Nach drei katholischen Schulen und dem bekannten Johanneum hat nun auch ein weiteres Gymnasium strengere Kleidervorschriften erlassen. Auf "freizügige Kleidung" sei "zu verzichten", heißt es in der neuen Kleiderordnung.

Das alles ist nur ein weiterer Beweis, warum wir dringend eine Schuluniform in deutschen Schulen brauchen. Und zwar keine Kutten mit Stehkragen, damit Frauen vor männlichen Übergriffen geschützt sind. Sondern schöne, bequeme, preiswerte Kleidung, die auch Schülerinnen tragen, die in ihrer Freizeit vielleicht eher zu Hotpants greifen.

In Deutschland sind Schuluniformen noch immer verpönt

In vielen Ländern wie den USA, Kanada oder Großbritannien gehören Uniformen längst zum Schulalltag, in Deutschland sind sie noch immer verpönt. Obwohl es auch hier einige prominente Befürworter einer einheitlichen Schulkleidung gibt – darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries – sind viele dagegen: Den Kindern werde die Chance auf Selbstverwirklichung verwehrt, wenn sie sich ihre Kleidung nicht selbst aussuchen dürften, sagen Kritiker.

Doch ihrem Drang, sich mit Kleidung selbst zu verwirklichen, könnten Schüler auch noch in ihrer Freizeit nachgehen.

Schuluniformen haben viele nachgewiesene Vorteile, die nicht nur dem Einzelnen, sondern dem ganzen Schulleben Vorteile bringen würden.

1. Das Mobbing nimmt ab

Jeder sechste deutsche 15-jährige Schüler leidet unter Mobbing. Das hat die aktuelle PISA-Studie der OECD zum Wohlbefinden von Jugendlichen aus aller Welt ergeben. Ein Auslöser für Spott sei dabei oft auch die Kleidung, die sie tragen, heißt es darin.

"Aldi-Kinder" sollen günstig gekleidete Kinder hämisch genannt werden. Und der günstigen H&M-Marke "L.O.G.G.", die eigentlich die Abkürzung für "Label of graded goods" ist, sollen arrogante Mütter und deren teuer gekleidete Kinder in Hamburg sogar schon umbenannt haben, in "Leider ohne Geld geboren". Darüber berichteten bereits verschiedene Zeitungen und Magazine, wie zum Beispiel das "SZ-Magazin".

Die Auswirkungen des Mobbings: Die Schüler verlieren ihr Selbstbewusstsein, können psychische Probleme entwickeln, sogar Traumata davon tragen.

Mehr zum Thema: Studie offenbart alarmierende Zahl von Mobbingopfern an Schulen - das können Eltern tun

Dabei könnte man eine Grundlage des Mobbings einfach aus der Welt schaffen: durch die Einführung einer Schuluniform. Das Tragen einer einheitlichen Kleidung würde den Kindern eine Menge psychosozialen Druck ersparen, sagte der Psychologe Oliver Dickhäuser der Zeitung "RP Online".

2. Das Sozialverhalten der Schüler verbessert sich

Beispiele zeigen, dass eine Schuluniform auch in Deutschland funktionieren kann - ohne dass sich die Schüler in patriotische kleine Soldaten verwandeln oder ihre Individualität verlieren. Ganz im Gegenteil: Die Wirkung der Schuluniformen ist äußerst positiv, wie das Beispiel der Haupt- und Realschule Hamburg Sinstorf zeigt, in der alle Schüler eine Uniform tragen müssen.

Unterrichtsforscher der Justus-Liebig-Universität Gießen, darunter auch der Psychologe Dickhäuser, haben Schüler dieser Schule über ein Jahr hinweg mit Schülern einer anderen Schule ohne Uniformen verglichen. In Fragebögen bewerteten die Schüler die persönliche Einstellung zu und den Umgang mit ihren Mitschülern.

Dabei stellte der Psychologe fest, dass sich das Sozialklima nach Einführung der Uniformen deutlich verbesserte.

3. Die Leistungen der Schüler steigen

Innerhalb der Studie der Gießener Psychologen gaben die Schüler an, sich besser konzentrieren zu können, wenn alle Schüler eine Uniform tragen würden. "Und sie legen in der Tendenz mehr Wert auf ein tiefes Verständnis der Lerninhalte", sagt Dickhäuser.

Auch die University of Houston fand in einer Studie heraus, dass sich die Schulleistungen der Schüler verbessern, wenn sie eine Uniform tragen.

4. Schülerinnen fehlen seltener im Unterricht

Der Ökonomie-Professor Scott Imberman und die Absolventin Elizabetta Gentile werteten für eine Studie von 1993 bis 2006 die Daten von mehr als 160 Schülern staatlicher amerikanischer Schulen aus. Die eine Hälfte der Schüler musste in ihrer Schule Uniformen tragen, die andere nicht.

Dabei zeigte sich: Nachdem die Schuluniform an Schulen eingeführt wurde, fehlten Mädchen im Schnitt einen Tag weniger im Jahr.

Auch blieben Schülerinnen nach Einführung der Uniformen länger an der gleichen Schule als die Schülerinnen, die zu einer Schule ohne Uniform-Pflicht gingen.

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5. Es gibt weniger Gewalt und weniger Suspendierungen

Im kalifornischen Long Beach District wurden im Schuljahr 1994/95 für 83.000 Schüler Uniformen eingeführt. "Eine Studie von 1996 belegt, dass es dort seitdem deutlich weniger gewalttätige Auseinandersetzungen unter Schülern oder Suspendierungen vom Unterricht gab," sagte der Psychologe Dickhäuser "RP Online".

6. Schulkleidung ist preiswert

Da die Schuluniformen preiswert sind und Kinder nicht das Bedürfnis haben, sich nur für die Schule ständig neue Markenkleidung zu kaufen, können auch sozial schwache Familien die Kleidung ihrer Kinder bezahlen. Dadurch könnte das ständige Vergleichen und der Neid zwischen Schülern wegfallen.

Auch wenn dieser Punkt kritisch gesehen werden muss - da sich Schüler zweifellos auch durch andere Statussymbole abgrenzen können -, wäre mit einer preiswerten Kleidung vielen Familien geholfen.

Nicht zu vergessen: Lehrer müssten sich keine peinlichen Strafen mehr einfallen lassen, wenn Schüler zu leicht bekleidet in den Unterricht kommen. Wie zum Beispiel die Werkrealschule in Baden-Württemberg, die den Schülern, die zu viel nackte Haut zeigten, ein Schlabber-Ungetüm zum Überziehen gab.

7. Schüler messen Äußerlichkeiten weniger Bedeutung bei

Die Studie der Houston University ergab außerdem, dass Schüler, die eine Uniform tragen, Kleidung allgemein als weniger wichtig beurteilen. Dabei zeigten sich die Unterschiede bei Mädchen genauso wie bei Jungen.

Das Tragen einer Schuluniform erspart den Kindern außerdem eine Menge psychosozialen Druck, glaubt Dickhäuser. "Die Schüler achten mehr auf den Charakter der Mitschüler", sagt er. Hinzu komme außerdem, dass sich das Gemeinschaftsgefühl der Schüler verstärke.

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8. Auch einige Schüler wünschen sich eine Uniform

Dass sich auch einige Schüler danach sehnen, eine Einheitskleidung zu tragen, zeigt das Beispiel der Realschule Haag im Kreis Mühldorf in Oberbayern. Die bayerischen Realschülerinnen waren so genervt davon, dass ihre Mitschülerinnen übertrieben gestylt in den Unterricht kamen, dass sie eine Schuluniform verlangten.

Mittlerweile wurde die Schuluniform dort tatsächlich verbindlich eingeführt.

Beispiele zeigen also, dass eine Schuluniform funktionieren kann, nicht nur in anderen Ländern, auch bei uns, in Deutschland.

Natürlich gibt es immer noch viele Kritiker und zweifellos auch Argumente, die gegen eine Schuluniform sprechen. Denn klar, auch Einheitskleidung ist kein Garant für ein gutes Sozialklima und auch mit andere Statussymbolen können Schüler sich abgrenzen oder angeben.

Doch gerade angesichts der Tatsache, welche absurden Kleidungsregeln jungen Teenagern gerade auferlegt werden, muss man sich fragen, ob eine Schuluniform nicht eigentlich eine bessere Alternative wäre. Besser als Verbote und abstruse Vorschriften, mit denen niemandem geholfen ist.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(lk)

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