Lehrerpräsident wettert gegen Laptops an Schulen - eine CDU-Politikerin hat genau die richtige Antwort

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LEHRER
dpa
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Dass der deutsche Lehrerverband in der Kreidezeit hängen geblieben ist, ist seit langem bekannt.

Seit Jahren sträubt sich die Vereinigung gegen mehr Digitalisierung an Schulen. Das Argument: Statt Laptops bräuchten Schulen ersteinmal dichte Dächer. Das stimmt. Allerdings schließt das eine das andere ja nicht aus.

Nun hat der Präsident des Lehrerverbands, Josef Kraus, gegen mehr Digitalisierung in Schulen nachgelegt.

Lehrer-Chef: "Dürfen Suchtfaktor nicht verstärken"

Smartphone und Laptop verführten vor allem dazu, dass sich die Schüler "nur noch Info-Häppchen holen", poltert Kraus in einem Gastbeitrag für den "Weser-Kurier".

Zudem sollte Schule nicht auch noch den Suchtfaktor der digitalen Medien verstärken, meint er und schiebt hinterher: Sie sollten auch nicht vormachen, wie "cool und easy das mit Computer, Laptop und Smartphone" sei.

Kein Wort davon, dass Deutschland bei der Digitalisierung hinterherhinkt und droht, den weltweiten Anschluss zu verlieren.

CDU-Politikerin: "Digitalisierung gehört zur Lebensrealität der Kinder"

Genau davor warnt auch die CDU-Netzpolitikerin Christina Schwarzer. Aus Protest gegen die Haltung des Lehrerpräsidenten faxte sie ihm einen offenen Brief: "Manchmal faxe ich eben sehr gern!" schrieb sie auf Twitter.

In ihrem offenen Brief schreibt sie:

"Sehr geehrter Herr Kraus,

mit großem Bedauern habe ich Ihren Gastbeitrag im Bremer „Weser-Kurier“ gelesen, in dem Sie in der Schule einen „asketischen Umgang mit digitalen Möglichkeiten“ fordern.

Meines Erachtens verkennen Sie leider, dass digitale Tools, Smartphones und Tablets heute zur Lebensrealität unserer Kinder und Jugendlichen gehören. Sie finden Freunde im Netz, kommunizieren online, recherchieren für ihre Hausaufgaben. Aber was das Wichtigste ist: Immer mehr Jobs finden sich schon heute im IT- bzw. Digitalbereich. Die Digitalisierung ist real. Und ausgerechnet aus der Schule – dort wo unsere Kinder etwas fürs Leben lernen sollen – wollen wir sie aussperren?

Ich finde, da sind Sie auf dem falschen Weg." (Den ganzen Brief findet ihr hier).

Lehrer-Chef: "Dürfen Suchtfaktor nicht verstärken"

Schwarzer argumentiert:

Coden und Programmieren sind die Fremdsprachen unserer Zeit. Wenn Schule Kinder auf das Leben vorbereiten wolle, dann müssten Computerfähigkeiten zum Lehrplan gehören.

Gerade weil es auch Risiken im Netz gebe, müssten Lehrer ihren Schülern auf diesem Feld helfen. "Wenn wir das Netz verteufeln, werden die Kinder und Jugendlichen nicht mit uns sprechen, wenn ihnen online schlimme Dinge passieren", warnt Schwarzer.

Viele Lehrer würden sich heute im Bereich Digitalisierung engagieren - der Lehrerpräsident lasse die Kollegen mit seinen Argumenten also rückschrittlicher dastehen, als sie es in Wirklichkeit sind.

Recht hat sie!

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(ujo)

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