Eine Kassiererin demütigt eine Kundin - die Rechtfertigung von Rossmann ist beschämend

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Es gibt ein paar Unternehmen, die Social Media tatsächlich einwandfrei beherrschen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind so ein Beispiel. In ihren Postings sind sie kreativ, in der Kommunikation mit Kunden schlagfertig und witzig.

Und dann gibt es da noch die Unternehmen, die bei der Kunden-Kommunikation alles falsch machen, was man nur falsch machen kann. Der Drogeriemarkt Rossmann ist so ein Beispiel.

Die Facebook-Nutzerin Martina Schröder hat auf der Facebook-Seite des Unternehmens eine Beobachtung geteilt, die sie in einer Berliner Filiale der Drogerie gemacht hat. Sie bezeichnet das Verhalten einer Rossmann-Kassiererin als "menschenverachtend und diskriminierend" - und das zurecht (siehe oben im Video).

Rossmann-Kassiererin: "Merk dir mal das Gesicht"

Eine junge asiatische Kundin habe bei Rossmann in gebrochenem Deutsch Baby-Nahrung mit Coupons kaufen wollen. Versehentlich habe sie dabei Nahrung auf das Band gelegt, für die die Coupons nicht gültig waren.

Anstatt sie freundlich darauf hinzuweisen, habe die Kassiererin ungehalten und aggressiv reagiert. Schließlich sei sie zum Regal gestapft und habe ihr die richtige Packung in die Hände gedrückt. Zu den wartenden Kunden habe die Kassiererin nur gesagt: "Entschuldigung, die da versteht das mit den Coupons ja nicht."

Passend zum Thema: Zara, seitdem ich weiß, wie ihr eure Mitarbeiter behandelt, will ich nicht mehr bei euch einkaufen

Noch während die Kundin beim Einpacken gewesen sei, habe die Kassiererin zu einer Kollegin gesagt: "Merk dir mal das Gesicht, die kommt bestimmt wieder. Und nimm mal die Coupons vom Regal, sonst nimmt die sich die mit“.

Die Kundin wollte weder stehlen noch betrügen

"Diese Kundin hat nicht stehlen oder betrügen wollen, sie hat nur versucht, das Spar-Versprechen, das durch Ihre Couponaktionen suggeriert wird, einzulösen, und hat aufgrund von Sprachproblemen die mitunter komplizierten und irreführenden Einschränkungen, die Voraussetzung dafür sind, nicht auf Anhieb verstanden.

Ist das tatsächlich ein Grund dafür, sie so zu behandeln?", schreibt Martina Schröder auf die Facebook-Seite des Drogeriemarktes. Für den Post erhielt sie fast fünftausend Likes.

Die meisten Unternehmen hätten sich nun vermutlich entschuldigt und versucht, eine Erklärung für das Verhalten der Kassiererin zu finden. Das hat Rossmann auch versucht.

Und zwar, indem das Unternehmen einen Artikel der Online-Plattform "stern.de" geteilt hat: "Wie Chinas Durst nach Babymilch deutsche Supermarkt-Regale leerfegt."

Eine Asiatin, die es wagt, Babypulver zu kaufen

Dazu schrieben sie lediglich: "Hallo Martina, vielen Dank für dein Feedback. Das Verhalten der Kassiererin hat sicherlich hiermit zu tun."

rossmann

Der Text von "stern.de" handelt davon, dass chinesische Fabriken und Privatpersonen neuerdings angeblich im großen Stil deutsches Babypulver kaufen. Dadurch würden in deutschen Baby-Pulver-Regalen nun angeblich Lücken klaffen. "Der Durst der Chinesen nach deutscher Erstlingsmilch ist gigantisch", schreibt "stern.de".

Und jetzt hat es also tatsächlich auch noch eine Asiatin in Deutschland gewagt, Babypulver zu kaufen - wie unverschämt, dachte sich offenbar Rossmann.

Selbst, wenn es stimmen sollte, dass chinesische Fabriken uns das Baby-Pulver weg kaufen (bisher scheint wundersamerweise noch genug da zu sein): Dass diese asiatische Kundin weder etwas damit zu tun hat noch deshalb jetzt ihr Baby mit asiatischen Wurzeln verhungern lassen wird - damit die deutschen Babys genug zu essen haben - das dürfte jedem klar sein.

Jedem außer dem Social-Media-Team von Rossmann - das sich inzwischen im Übrigen auch für den Post entschuldigt hat.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lk)