Was hinter diesen Bildern aus einem tschechischen Kernkraftwerk steckt, ist absolut widerlich

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TEMELIN
So Frauenfeindlich ist Tschechiens AKW | facebook
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Update 27. Juni: Mittlerweile hat die ČEZ Group auf Facebook reagiert und sich entschuldigt. "Wir wollten mit dem Wettbewerb niemanden beleidigen. Der Zweck der Teilnahme war es, die technische Ausbildung zu unterstützen."

Die Europäer rühmen sich gerne damit, bei der Gleichberechtigung von Männern und Frauen ja schon ach so weit zu sein. Immer mehr Unternehmen haben ein Gleichstellungsgesetz, in Österreich wurde die Bundeshymne geändert und manchmal schaffen es auch Frauen inzwischen in Führungspositionen.

Auch der tschechische Atomkraftwerk-Betreiber ČEZ hat sich das Thema Gleichberechtigung zu Herzen genommen und einen Aufruf gestartet. Er möchte mehr Frauen in technische Berufe bringen und lässt Abiturientinnen um einen Praktikumsplatz im AKW Temelín wetteifern.

Eher Miss Tschechien als neue Angestellte

Das Problem ist nur: Die Art und Weise, wie die jungen Mädchen zu dem Job kommen, könnte sexistischer, frauenfeindlicher und widerlicher nicht sein.

Denn das Auswahlverfahren sieht so aus: Auf der offiziellen Facebookseite des Betreibers wurden Fotos der Mädchen hochgeladen. Diejenige mit den meisten Likes bekommt einen Praktikumsplatz.

Das Kranke daran: Die jungen Frauen werden in knappen Bikinis im Inneren des AKWs abgelichtet. Zu den Fotos dazu gibt es noch kurze Beschreibungen, die eher nach Miss Tschechien als nach der neuen Tech-Praktikantin klingen.

Unter einem der Fotos steht zum Beispiel: “Brünett, blaue Augen. Sie möchte neue Freunde finden und Erfahrungen sammeln. Danach möchte sie studieren. Ihr größter Traum ist ein Fallschirmsprung."

Man fragt sich dabei tatsächlich, ob sich die Verantwortlichen da nicht einen sehr verspäteten und sehr geschmacklosen Aprilscherz erlaubt haben.

Eine bodenlose Frechheit

Dieser Post ist nicht nur absolut geschmacklos, sondern auch hochgradig degradierend. Er reduziert die Mädchen rein auf ihr Äußeres. Dass sie alle ein Abitur haben oder sich vielleicht für Technik interessieren, wird mit keinem Wort erwähnt.

Sowas sollte im 21. Jahrhundert nicht passieren. Bei der Bewerbung um eine Praktikumsstelle sollte es nicht darum gehen, wie man aussieht, sondern was man kann.

Und gerade die Arbeit in einem Atomkraftwerk ist bestimmt kein Zuckerschlecken. Da muss man schon ein bisschen aufpassen, was man tut, immerhin geht es um nukleare Sicherheit.

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(lk)

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