Queen's Speech: Darum liest Elizabeth II die Regierungserklärung ohne Krone

Veröffentlicht: Aktualisiert:
QUEEN ELIZABETH II
Queen Elizabeth II eröffnet am Mittwoch die Sitzungsperiode des englischen Parlaments. In ihrer Rede stellt sie das Regierungsprogramm vor. | POOL New / Reuters
Drucken
  • Königin Elizabeth eröffnet am Mittwoch traditionell die Sitzungsperiode des Parlaments mit der Queen's Speech
  • In der Rede wird das Regierungsprogramm vorgestellt, über das danach vom Parlament abgestimmt wird
  • In diesem Jahr ist diese Abstimmung vor allem eine Vertrauensfrage an die May-Regierung

Am Mittwoch eröffnet Königin Elizabeth II. das parlamentarische Jahr mit der sogenannten Queen's Speech, auf Deutsch Ansprache der Königin. Sie hat dabei aber keinen Einfluss auf den Inhalt ihrer Rede. Denn die May-Regierung hat die Erklärung verfasst.

Dieses Regierungsprogramm liest die Königin in einer feierlichen und streng geregelten Zeremonie auf einem Thron sitzend vor.

Die Queen mit Hut

Dieses Mal ist der Ablauf jedoch etwas weniger formell als sonst. Die Königin verzichtet auf die pompöse Kutschfahrt zum Westminster-Parlament und wird stattdessen mit dem Auto gefahren.

Statt Krone und feierlicher Robe werde sie einen Hut und ein schlichteres Kleid tragen, teilte der Buckingham-Palast mit.

Grund dafür sei die enge zeitliche Abfolge zahlreicher offizieller Termine. Zuletzt hatte es 1974 eine solche weniger formelle Zeremonie gegeben.

Andere Traditionen bei der Queen's Speech

Die Queen’s Speech ist aber auch abseits der Königin mit vielen Traditionen verbunden. So schlägt das Unterhaus einem Gesandten des Oberhauses die Tür vor der Nase zu, um seine Unabhängigkeit zu demonstrieren.

Denn die Ansprache der Königin ist die einzige Gelegenheit, bei der Unterhaus, Oberhaus und Monarchin offiziell zusammentreffen.

Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung

Im Anschluss an die Queen's Speech diskutiert das Parlament in der Regel mehrere Tage über den Inhalt der Regierungserklärung und stimmt schließlich ab.

In diesem Jahr ist die Abstimmung über die Queen's Speech eine besonders harte Bewährungsprobe. Denn das Ergebnis der Wahl am 8. Juni ist ein “hung parliament” - ein “Parlament in der Schwebe”. Es konnte also keine Partei die absolute Mehrheit gewinnen. Deshalb findet die Erklärung zwei Tage später statt als sonst.

Mehr zum Thema: Nach Chaos-Wahl in Großbritannien: Brexit-Verhandlungen sollen am Montag starten

Rein rechnerisch braucht eine Regierung mindestens 326 der 650 Sitze im Parlament. In der Praxis sieht das aber anders aus. Die nordirisch-republikanische “Sinn Fein” hat sieben Sitze gewonnen, schickt jedoch traditionell keine Abgeordneten nach London. Also reichen schon weniger Mandate als die genaue Hälfte der Sitze für eine “Arbeits-Mehrheit” aus.

Vertrauensabstimmung für die May-Regierung

Die Konservativen von Premierministerin Theresa May kamen nur auf 318 Sitze. Deshalb wollen sie nun mit der Unterstützung der zehn nordirischen DUP-Abgeordneten eine Minderheitsregierung führen.

Diese Abstimmung über das Regierungsprogramm ist de facto eine Vertrauensabstimmung für die neue Regierung. Sollte sie scheitern, hätte die Gegenseite - also Jeremy Corbyns Labour-Partei - das Recht auf den nächsten Versuch.

Mit Material der dpa.

Das könnte euch auch interessieren: Theresa May trifft sich lieber mit reichen Spendern im Luxushotel statt mit den Grenfell Tower-Überlebenden

(cho)

Korrektur anregen